Ralf Schlegel | Zwischen Stille und Kraft

_mg_2725
Ralf Schlegel, 1971 geborener Thüringer Künstler und Mensch der leisen Töne, fiel uns nicht zuletzt zur Vernissage seiner Ausstellung in einem Jenaer Hotel auf. Seine Werke werden von einer Kraft und Ausstrahlung getragen, die sich eher noch emotional als wörtlich begreifen lässt.
Die Gespräche mit Ralf Schlegel sind leicht und voller Empathie. Ein Mensch mit Neigung zu breitgefächerten Interessen und einer Tiefe, die das Kennenlernen leicht macht.

Lieber Ralf, wie würdest Du Dich selbst beschreiben?

Ja, wie soll ich antworten? Ich nehme mich sehr unterschiedlich wahr. Phasen, in denen ich meine eigenen Ziele verfolge, bin ich glücklich und fühle mich dementsprechend ausgeglichen, ausgeruht und voller Energie. Mich intensiv selbst zu spüren, ist überhaupt die wichtigste Errungenschaft in der letzten Zeit. Dies verleiht mir Sicherheit und innere Stärke. So fühle ich mich offen, mutig, richtig und ich mag mich vor allem selbst. Alles andere kommt von alleine!

Fühle ich mich beschissen, was auch vorkommt (wenn ich die Hoffnung verliere, dass alles andere von alleine kommt) habe ich ausschließlich meine inneren Ziele über den Haufen gerannt ohne es bewusst zu wollen. Das passiert, wenn ich nicht achtsam mit mir bin. Manchmal lasse ich mich leicht verführen von Menschen, Gefühlen, Worten, Gedanken, Bildern, und lebe gegen meine innere „Wahrheit“. In Wahrheit bin ich aber am glücklichsten mit Stift oder der Kreide in den Händen – nicht mehr und nicht weniger! Ohne Malerei bin ich kein glücklicher Mensch – das ist Authentizität!

Wie hast Du zur Kunst, wie hat die Kunst zu Dir gefunden? Was ist Kunst für Dich?

Etwas auf Papier oder sonstwelchen Haftgrund aufzubringen hat für mich etwas mit Sprache zu tun, dem Bedürfnis, etwas auszudrücken, sich mitzuteilen, etwas auf dem Weg zu schicken. Ich denke dabei an das Bild einer Sonnenblume, das ich als sechsjähriger in einer Kindertagesstätte malte. Ich fühlte mich dort nicht wohl und war sehr zurückhaltend und ängstlich. Das Motiv mit der Blume aber wurde ausgewählt und ausgestellt, ich war unglaublich stolz auf mich. Was das Kind mit Worten nicht vermochte, drückte es in Bildern aus. Dies gibt mir heute noch genauso viel Kraft und Vertrauen wie damals. In meinen Bildern lebe ich, fühle und spüre. Viele Menschen erleben beim Betrachten diese ausströmende Emotionalität und Energie. Und genau das nenne ich Kunst, wenn andere teilhaben können und sich „berühren lassen“. Das macht mich unglaublich glücklich! […]

Das gesamte Interview: in unserer Printausgabe Nr. 1 vom September 2016.
Verfasser:
Tristan Rosenkranz.

Zur Website von Ralf Schlegel: bitte hier entlang.