Markus Heitkamp & Wolfgang Schroeder „Ist Dabeisein wirklich alles?“ [Interview Teil 2] | Outscapes #8

[Interview Teil 1 ist in Druckversion im Magazin für alternative (Genuss)Kultur „Outscapes“- Ausgabe #8 erschienen. In diesem Zusammenhang verweisen wir gern auf das im Verlag Torsten Low unter diesem Link erhältliche Buch „Phantastische Sportler“ (siehe auch nachfolgendes Coverfoto).]

Markus Heitkamp

„… Genau diese Verknüpfung haben wir übrigens bei den beiden Western-Anthologien, die ebenfalls im Verlag Torsten Low erschienen sind, versucht, nämlich Western und Horror (Der Fluch des Colorado River) sowie Western und Steampunk (Dampfmaschinen und rauchende Colts).

Träumt Ihr Fantastik? Quasi so, dass man nachts so manche Idee ausbrütet, die sich später in Büchern wiederfindet? Oder lasst Ihr Euch von Serien, anderen Büchern oder im vorliegenden Fall gar der Sportschau inspirieren?

Wolfgang: Das mit dem Träumen funktioniert bei mir leider nicht, da ich mich in den seltensten Fällen an meine Träume erinnern kann. Allerdings fallen mir beim Einschlafen oft ganze Dialoge ein, die ich dann irgendwie zu notieren versuche. Dummerweise kann ich mein Gekritzel am nächsten Morgen meistens nicht mehr entziffern.
Ansonsten denke ich, dass es kaum einen Autor gibt, der sich nicht von anderen Schriftstellern oder auch von Filmen und Fernsehserien inspirieren und beeinflussen lässt.
Bei mir geht es oftmals in die Richtung von „Was wäre, wenn …“. Was wäre, wenn sich die Figur nicht wie beschrieben verhalten würde, sondern ganz anders oder wenn die Ausgangslage/das Setting für die Geschichte eine vollkommen andere wäre? Wie würde sich die Handlung, wie würden sich die Figuren dann entwickeln?
Bei der Sportschau sind mir diese Gedanken allerdings bisher noch nicht gekommen …

Markus: Auch hier eindeutig beides. Ich wache oft auf und muss zuallererst etwas Geträumtes aufschreiben. Vor dem ersten Kaffee, was für viel undenkbar ist. Von Serien und Büchern lasse ich meist nur visuell beeinflussen, heißt, ich versuche eine Stimmung nachzuahmen oder nachzustellen/schreiben. Was ich an der Frage vermisse, ist, dass man am meisten inspiriert wird, wenn man mit den Kollegen und den Lesern in regen Austausch tritt. Da kommen die besten Ideen auf den Tisch.

Wolfgang Schroeder

Wie muss man sich den Fantastikmarkt vorstellen? Als spleeniges, eigenwilliges Milieu? Er scheint ja seit Jahren kontinuierlich zu wachsen – wie erklärt Ihr Euch die wachsende Begeisterung der Leserschaft?

Markus: Wir sind eben das nicht. Spleenig und eigenwillig. Der Fantastikmarkt ist offen, warmherzig und wesentlich zugänglicher als manch anderes Genre.

Wolfgang: Wie Markus sagt, die Phantastik bietet durch ihre Vielfältigkeit eigentlich jedem, der will, die Möglichkeit, in ihr seinen Platz oder auch seine Nische zu finden. Das ist toll und das macht die phantastische Literatur so attraktiv – für uns Autoren, aber auch für die Leserinnen und Leser.

Wie entsteht eine Anthologie wie die Eure? Schreibt man Verlage an und bittet sie um Streuung eines Aufrufs unter AutorInnen, nutzt man Netzwerke oder nimmt man gar den Börsenverein des Deutschen Buchhandels in Anspruch?

Wolfgang: Zuerst muss man natürlich eine zündende Idee, einen Aufhänger für die Anthologie haben. Das sollte schon etwas sein, was Autoren dazu motiviert, sich mit einer Geschichte daran beteiligen zu wollen.
Anschließend sollte man versuchen, einen Verleger von dieser Idee zu überzeugen und ihr/ihm die Zusage abzuringen, dass sie/er die Anthologie veröffentlichen wird. Der nächste Schritt ist der Ausschreibungstext, der die Idee näher beschreibt und der die Vorgaben enthält, die die Geschichten zu erfüllen haben.
Dieser Ausschreibungstext muss dann möglichst breit gestreut werden, sei es über soziale Netzwerke wie z.B. Facebook und Twitter, über Autorenforen wie z.B. die „Edition Geschichtenweber“ oder den „Tintenzirkel“ oder aber über (Literatur)blogs, die als Service Ausschreibungen veröffentlichen.
Und dann heißt es warten …

Apropos Netzwerke: Was ist das Phantastik-Autoren-Netzwerk? Was sind seine Aufgaben und Ziele?

Markus: Das Phantastik-Autoren-Netzwerk, PAN. e.V., ist ein Verein zur Stärkung und Vernetzung von Autoren der Phantastik-Branche. Der Verein versucht kurz gesagt, die Autoren der Phantastik Szene in unterschiedlichsten Belangen zu unterstützen und die Akzeptanz der Phantastik dauerhaft zu steigern und auszubauen. Jährlich stattfindende Branchentreffen, Kooperationen mit Verlagen, Teilnahme an literarischen Veranstaltungen und Vernetzung zu anderen Institutionen/Verbänden und Vereinen spiegeln sich in stetig wachsenden Mitgliederzahlen des Vereins wider.

Zahlreiche Texte flattern ins Haus – was kommt dann? Eignungsprüfung, Spannungsbogen ins Skript bringen, Coverentwürfe durchdenken…wielange dauerte es von der Idee bis zum fertigen Buch bei Euch? Welche Aufgaben waren zu bewältigen?

Wolfgang: Die Phantastischen Sportler haben aus organisatorischen und privaten Gründen etwas länger als normalerweise gebraucht, um das Licht der Buchwelt zu erblicken. Die ersten Gespräche mit Markus und Torsten Low als Verleger fanden September 2015 statt, Anfang Oktober ging dann die Ausschreibung online. Wir hatten uns für eine Ausschreibungsfrist von vier Monaten entschieden, was relativ kurz ist. Viele Ausschreibungen laufen ein halbes Jahr und manche sogar noch länger, weil sie thematisch sehr speziell sind oder durch umfangreiche Vorgaben die Autoren zu intensiven Recherchen „zwingen“.
Das war bei den Phantastischen Sportlern nicht der Fall, bis auf das übergreifende Thema haben wir eigentlich keine großen Vorgaben gemacht. Interessant ist übrigens, dass die meisten Autoren ihre Beiträge in der Regel erst wenige Tage vor Ausschreibungsende abschicken, gern auch erst am letzten Tag. Man muss sich also während einer Ausschreibung keine Sorgen machen, dass man nicht genug gute Geschichten zusammenbekommt, der große Packen kommt zum Schluss … Autoren sind halt so.

“Unsere“ Geschichten haben wir gleich nach Eingang gelesen und grob nach drei Kategorien eingeteilt, „muss rein“, „könnte rein“ und „passt nicht so ganz“. Und da Torsten von Anfang an die geniale Idee hatte, das Buch mit zwei Covern auszustatten, haben wir bereits beim ersten Lesen überlegt, welche Geschichte von der Grundstimmung her hinter welches Cover passen könnte.
Von den fast achtzig eingesandten Beiträgen wählten wir zwanzig aus und schickten diese zusammen mit den beiden Geschichten unserer Wunschautoren Luci van Org und David Falk zum endgültigen Abnicken an den Verleger. Und während die Autoren vom Lektorat gequält wurden, haben Chris Schlicht und Detlef Klever unsere laienhaften Coverideen phantastisch umgesetzt.
Womit die Anthologie eigentlich fertig war, aber dann machte uns das Schicksal einen Strich durch die Rechnung.
Doch frei nach dem Motto „Was lange währt, …“, konnten die Phantastischen Sportler die literarische Arena zum ersten Mal auf der diesjährigen Leipziger Buchmesse betreten. Und seitdem darf der geneigte Leser entdecken, wie vielseitig und faszinierend das Thema Sport in der Phantastik sein kann.“

Das Interview führte Tristan Rosenkranz. Teil 1 des Interviews und vieles mehr finden Sie im „Outscapes“-Magazin #8 [Edition Outbird]. Bildnachweise: Hanna Nolden / Nina Horvath.
_____________________________________________________________________________________