Simone Buchholz „Trotzig, rebellisch, intelligent“ [Interview Teil 2] | Outscapes #9

[Interview Teil 1 ist in Druckversion im Magazin für alternative (Genuss)Kultur „Outscapes“- Ausgabe #9 erschienen.]

„… Also ist die Tatsache, Mutter zu sein, eine Ursache für ein eher untypisches Buch von dir, denn mit „Jonny und die Pommesbande“ hast du ein Kinder- bzw Jugendbuch geschrieben? Liegt´s ausschließlich daran, wo doch eigentlich die in Richtung Hard Boiled abzielende Krimi-Sache eher deines ist?

Das Buch hab ich tatsächlich nur für meinen zehnjährigen Sohn geschrieben. Er wollte auch gern mal was von seiner Mutter lesen.

Wenn du, wie in deiner Kurzbiografie beschrieben, „Neapel, Tahiti, St. Petersburg und im Grunde auch Brooklyn“ magst – welchen Stellenwert hat das Reisen in deinem Leben? Und was meinst du mit der weiterführenden Aussage: „…aber ich wohne in Hamburg, vor allem wegen des Wetters“?

Ich reise wahnsinnig gern und berufsbedingt auch ziemlich viel, und diese vier Orte sind tatsächlich die, die ich am allerschönsten fand – wobei da natürlich auch London dazu gehört, ist glaub ich meine absolute Lieblingsstadt, passte aber irgendwie nicht in die Reihe. Was ich am Reisen nicht mag, sind Flughäfen und Flugzeuge, und Autos finde ich eigentlich auch blöd, bleibt also meistens nur die Bahn, und die nervt ja auch manchmal. Am liebsten würde ich gern alle meine Reisen mit dem Schiff machen. Von Hamburg aus. Wegen des Wetters. Weil, wenn kein Wind weht, trägt es einen auch nicht fort.

Wenn man sich auf deiner Webseite umsieht, stellt man fest, dass du recht viel unterwegs bist. Auch auf der Salon-Bühne des Corvus e.V. in Gera bist du ja im April diesen Jahres gewesen und hier fiel mir auf, dass deine Lesungen auch sprachlich sehr mitnehmend sind. Das ist leider bei vielen AutorInnen nicht der Fall. Hast du einen gewissen Anspruch an dich selbst, wenn du auf der Bühne sitzt?

Ja klar. Wenn sich nur eine oder einer langweilt, hab ich was falsch gemacht, dann hätten auch alle auf der Couch bleiben können. Ich finde, sich auf eine Bühne zu stellen, impliziert eine Verantwortung für gute Unterhaltung.

Woran arbeitest du aktuell? Ermittelt Chastity Riley wieder und gibt es schon eine Ahnung, wann wir die sympathische Staatsanwältin wieder erleben dürfen?

Im Moment arbeite ich am achten Band, aber es ist noch viel zu früh, darüber was zu sagen, das bringt ja Unglück. Im September erscheint der siebte Band, „Mexikoring.“

Wie viel Simone Buchholz steckt in deiner sympathisch verwegenen Hauptfigur Chastity Riley?

Du findest Riley sympathisch? Interessant. Ich finde die ja eher schwierig. Also, ich mag sie natürlich, aber sie hat schon ordentlich einen an der Waffel. Das habe ich eventuell auch, aber wir sind uns nicht besonders ähnlich. Ich glaube, es ist so: Wir schauen in ähnliche Abgründe. Und wir sehen da auch das Gleiche.

Hast du schon einmal eine Flaschenpost gefunden?

Ja, an einem Neujahrsmorgen am Hamburger Hafen. Ich war mit einem Freund unterwegs und da war plötzlich diese Flasche mit dem Brief drin. Werde ich nie vergessen, das war ein sehr schöner Moment.

Woher kommt diese Marotte, am Neujahrsmorgen den Hafen nach Flaschenpost abzusuchen?

Eben genau daher.

Ok… wir müssen leider schon wieder zum Ende kommen. Letzte Frage: gibt es etwas, das du dir für die Zukunft im Allgemeinen und für dich ganz persönliche wünschst?

Ich wünsche mir das Ende der patriarchalen Systeme, auf allen Ebenen. Ich glaube, unsere Welt könnte eine viel bessere, friedlichere und schönere sein, wenn die Männer sich endlich mal ein bisschen zurückhalten würden. Für mich selbst wünsche ich mir, dass ich gesund bleibe, dass meine Familie gesund bleibt, weil ohne Gesundheit ja doch alles nichts wert ist.

Ich danke dir für das Interview und hoffe, dass wir uns bald wieder sehen.

Das hoffe ich auch.

Immer am Neujahrsmorgen suche ich den Hafen nach Flaschenpost ab. Falls Sie also irgendwo festsitzen und dringend Rum und Zigaretten brauchen: Versuchen Sie ruhig, mit mir Kontakt aufzunehmen.“

Das Interview zeichnete M. Kruppe auf. Neben Teil 1 des Interviews finden Sie vieles mehr im „Outscapes“-Magazin #9 [Edition Outbird].

Bildnachweise: Gerald von Foris
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