„Ich habe das Buch in einer Zeit geschrieben, als Okkultismus & Poesie mein täglich Brot waren“ – Susanne Agnes Fauser im Interview zu „Lilian“

Susanne Agnes Fauser, Schamanin und Schatten/Lichtarbeiterin, legt mit ihrem Debütroman „Lilian“ eine prachtvolle dunkle Perle vor, deren Plot sich der Unergründlichkeit des verhängnisvoll symbiotischen Liebespaares Lilian und Nat annähert und erst allmählich und unter Hochspannung Antworten auf die zahlreichen Fragen Aschmedays liefert.

Nun sind ja beide, Lilian mehr noch als Nat, fesselnde Figuren mit einer dunklen Aura, die gesellschaftliche Konventionen ablehnen und ihr Anderssein kompromisslos leben. Bitte beschreib die beiden doch mit wenigen Worten.

Lilian ist Poetin durch und durch. Tief. Tough. Sie weiß, wer sie ist und was sie will. Ihre dunkle Aura lässt durchaus Licht zu.

Natürlich hat sie Schmerz, Verlust und Ungerechtigkeiten erlebt, aber sie ist unbeugsam. Das schätze ich sehr an ihr. Ich empfinde sie als sehr liebevoll, als jemand, der zwar vorsichtig und misstrauisch ist, aber doch voller Hingabe. Lebensbejahend.

Nat ist ebenso vielschichtig. Poetisch, düster, gebildet und von etlichen inneren Dämonen gejagt.

Den Tod am Ende zu wählen, wenngleich es auch kein Suizid ist, denke ich, ist ziemlich einleuchtend. Er scheint alles gesagt zu haben. Alles erlebt zu haben. Es gab nichts mehr, was noch interessant genug war, um dafür weiterzuleben. Manche Leben, manche Menschen sind so. Nicht aus irgendeinem Jammern heraus, sondern als klare Entscheidung.

Wieviel steckt in „Lilian“ von Dir drin?

Ziemlich viel, würde ich sagen. Ich habe Lilian immer als eine Art Alter Ego betrachtet.

Vielleicht bin ich mittlerweile „heller“. Fröhlicher. Aber ich muss sagen, ich liebe Lilian sehr. Was mich auch beeindruckt hat, war Holgers Arbeit. Er hatte ihr Portrait ursprünglich ganz anders geplant, doch SIE wollte es anders. Dass Holger gleich so einen Zugang gefunden hat, das fand ich sehr schön. Aber so ist er eben (lacht). Großartig!

Du sagtest einst, dass dieses Buch quasi aus einer anderen Welt durch Dich hindurch zu Papier kam. Warst Du beim Schreiben offline gegenüber der normalen Alltäglichkeit?

Wahrscheinlich kann man es so beschreiben, ja. Ich habe das Buch in einer Zeit geschrieben, als ich ausschließlich Nick Cave (den ich heute noch immer sehr liebe!!!) und Dead Can Dance gehört habe und Okkultismus und Poesie mein täglich Brot waren.

Die Geschichte von Nat und Lilan kam zu mir, als ich Idiot Prayer hörte. Das ist für mich DER Song, der diese Geschichte überhaupt erst möglich machte. Ich glaube absolut daran, dass all die Geschichten dann in die Welt entlassen werden. Das mag nicht für alles gelten, das ist klar, aber die Art von Kunst. die es vermag, die Herzen und die Seelen der Menschen zu berühren, Kunst, die durch Schmerz oder Freude, tiefe Emotionen entsteht, die hat immer auch etwas Transzendentales, etwas Magisches . Nicht umsonst zum Beispiel waren in alten Zeiten Poeten und Magiere ein und dasselbe.

Was bedeutet dieses Buch für Dich und wie hat sich seine emotionale Bedeutung beim Ersinnen, beim Schreiben und jetzt, mit seiner Veröffentlichung, für Dich verändert?

Dieses Buch zu schreiben war so eine Art Katharsis. Andere Geschichte – dieselbe Farbe der Emotion.

Es ist wirklich mit Herzblut geschrieben und ich denke, dass es Menschen gibt, die dieselbe Tiefe besitzen, die empfinden was ich empfand beim Schreiben. Im Grunde ist diese Art der Liebe noch immer das, was ich für mich selbst als Liebe definiere.

Ich habe einen Skorpion-Aszendenten, da langweilen Oberflächlichkeiten schnell. Menschen, die Angst vor ihren eigenen Abgründen und inneren Dämonen haben und davonlaufen, anstatt sich ihnen zu stellen, interessieren mich nicht. Da findet keine Entwicklung statt. Stehende Gewässer sozusagen.

Ich kann das Buch heute lesen und mag es noch immer sehr. Dass ich es nun veröffentliche, darüber freue ich mich natürlich total! Ich hoffe Nat und Lilian werden ihre Anhänger finden, die sie ebenso sehr schätzen, wie ich das tue. Das Interessante ist ja, dass man seine Protagonisten sehr genau kennenlernt im Laufe der Zeit. Sie wachsen einem ans Herz und man will, dass sie gut behandelt werden.

Du arbeitest als Schamanin und erwähntest in einem unserer Gespräche, dass Du damit den Weg Deiner Urgroßmutter und Großmutter fortführst. Welche Zündfunken und Impulse haben Dich Schamanin werden lassen? Welche Schule bist Du durchlaufen?

Ich hatte schon als Kind so diese Gabe mehr zu sehen als Andere. Mitfühlender zu sein. Im wahrsten Sinne des Wortes. Es hat viele Jahre gedauert, bis ich dahinter gekommen bin, dass vieles von dem, was ich so fühlte, gar nicht meine eigenen Emotionen waren. Ich war immer wie so ein Schwamm. Und mittlerweile achte ich auch sehr darauf, mich nur noch mit solchen Menschen zu umgeben, die mir gut tun. Ich bin sehr klar und ziehe auch sehr klare Grenzen.

Ein weiteres Talent, das ich schon immer hatte, war, hinter die Masken der Leute zu schauen, das macht einen natürlich nicht immer beliebt (lacht). Auch wenn ich meistens gar nichts dazu sage. Ich konnte mich noch nie anpassen, mich noch nie „unterordnen“, was meine Eltern zum Wahnsinn getrieben hat, was ich heute sogar ein bisschen verstehen kann (kichert). Ich war sehr rebellisch.

Alles, was einengt, was Monotonie, Ignoranz, Desinteresse ist, die groben Töne, das ertrage ich bis heute nicht. Und will es auch nicht!

Meine Mutter sagte mal, für sie wäre es sehr schwer gewesen, unheimlich, eine Tochter wie mich zu haben. Ich war da immer wie so ein Fremdkörper in dieser bürgerlichen Welt. Meine Werte waren und sind andere.

Und ich hatte schon immer das Bedürfnis meine Grenzen auszuloten. Alles selbst zu erleben, zu erfahren, zu wissen. Das sogenannte „normale“ Leben hat mich nie interessiert. Ich brauche Inspiration, Intensität, Tiefe. Loyalität ist mir wahnsinnig wichtig.

Immer neue Erfahrungen zu machen und mich immer wieder selbst neu zu erfinden, das ist für mich ein Lebenselixier. Ich wäre geradezu tödlich gelangweilt, wenn alles immer vorhersehbar und geplant wäre.

Dieses Schamanische, das habe ich viele Jahre einfach gemacht, ohne dafür überhaupt einen Namen zu haben. Das wurde mir im Grunde erst klar, als ich vor 15 Jahren bei Clemens Kuby Seminare besucht habe.

So richtig ernsthaft damit begonnen habe ich, als der Vater meiner Tochter an AIDS erkrankt ist. Wir waren damals schon kein Paar mehr, aber ich habe ihn gepflegt bis zu seinem Tod und in dieser Zeit und den 15 darauffolgenden Jahren, in denen beinahe mein gesamter damaliger Freundeskreis starb, war ich quasi gezwungen, mich mit diesen Themen zu befassen. Tod. Krankheit. Sinnfragen. Alles, was man ja eigentlich von sich fernhalten will oder erst in einem hohen Alter beginnt, sich damit auseinander zu setzen, wenn überhaupt, das brach in mein Leben schon sehr frühzeitig ein. Doch durch all den Schmerz, all die Verluste traten mit einem Mal aber auch Fähigkeiten in mir zutage und Connections zu, ich sage mal, anderen Wesenheiten, nenn es Lehrer, nenn es Spirits, die mich sehr viel gelehrt haben und es immer noch tun.

Manchmal durch Träume, manchmal durch Begegnungen mit Tieren und Pflanzen, manchmal durch Stimmen, die mir irgendetwas erklären oder innere Bilder… das ist für mich alles miteinander verwoben.

Ich war schon immer eine Gefühls-Synästhetikerin. Das heißt, ich habe zu allem, was geschieht, zu allem, was ich wahrnehme, Bilder, manchmal regelrechte Filme.

Um dem Ganzen aber auch einen rechtlichen Rahmen zu geben, habe ich eine Ausbildung als psychotherapeutische Heilpraktikerin gemacht. Mich hat auch die schulmedizinische Sicht interessiert.

Davor habe ich bei Wolfgang Döbereiner in München 9 Jahre lang Astrologie studiert.

Wie muss man sich die Arbeit einer Schamanin vorstellen, welche Arbeitsfelder gibt es?

Ich sehe mich als moderne Schamanin. Ich brauche das ganze Brimborium drum herum nicht. Und ich bin auch nicht der Typ Frau, der sich in Felle hüllt oder sowas. Das sind ja nur Äußerlichkeiten. Und wir leben in der heutigen Zeit.

Die Leute, die zu mir kommen, haben ganz unterschiedliche Anliegen. Die einen haben regelrechte Odyseen hinter sich an Psychotherapien, die ihnen nicht helfen konnten, andere wiederum haben schwere Erkrankungen, wieder andere haben geliebte Menschen verloren oder haben andere schwere Lebenskrisen. Depressionen, Ängste, spirituelle Krisen… da ist alles dabei.

Ich arbeite mit jedem Klienten, jeder Klientin anders. Es ist immer ganz individuell. Was ich sagen kann, ist, dass ich mich leiten lasse von meinen Helfern, nennen wir das mal so. „Sie“ wissen dann immer, besser als ich es täte, was zu tun ist.

Wie ich arbeite… je nachdem, was die bestmögliche individuelle Methode ist. Ich bringe Klienten dazu, sich an die längst vergessene Situation zu erinnern, die ihrer Symptomatik oder ihres Problems zugrunde liegt. Das ist wie ein Film, dessen Drehbuch man dann schlussendlich umschreibt. Die Gehirnforschung hat ja längst bewiesen, dass Gefühle IMMER echt sind und wirken, selbst wenn wir im Kino sind und wissen, dass es nur ein Film ist.

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Wenn jemand erkrankt ist oder unter Mobbing leidet oder was auch immer, liegt dem Ganzen stets eine bestimmte Situation zugrunde, die man zumeist verdrängt hat. Doch dieses Gefühl, das man dabei hatte, das erlebt man wieder und wieder in den unterschiedlichsten Begebenheiten.

Ich lese das morphogenetische Feld aus und kann dort sehen, was los ist. Und was man tun kann, um eine Veränderung herbeizuführen. Manchmal ist es auch besser, schamanisch zu reisen, um mit den Spirits zu verhandeln. Zu erfahren, was man tun kann, was nötig ist. Das kann manchmal auch eine Entschuldigung sein, die vor langer Zeit getanes Unrecht wiedergutmacht.

Also wie Du siehst, gibt es da sehr viele Möglichkeiten. Und jedes Symptom, jeder Mensch und auch jeder Weg zur Heilung ist da ganz individuell.

Gestatte mir eine Doppelfrage: Worin unterscheidest Du Dich von anderen SchamanInnen und wie kann ein spiritueller, Antwort suchender Mensch einen guten Geistarbeiter von einem Scharlatan unterscheiden?

Das ist eine gute Frage! Heutzutage ist es sehr „in“, sich „Schamane“ oder wie auch immer zu nennen. Ich kann nur sagen, dass die Menschen, die ich kennenlernen durfte, die wirklich etwas können, nie laut sind. Es sind immer Menschen, die selbst sehr viel Schweres erlebt haben und Ausstrahlung, Charisma besitzen. Bescheidenheit. Und doch sehr klar sind.

Ich denke Vorsicht ist immer geboten bei Leuten, die anderen ihre Ideologie verkaufen wollen oder solchen, die so wahnsinnig „erleuchtet“ daherkommen. Da bin ich immer ganz schnell weg ^^

„Lilian“ spiegelt zu einem Gutteil Deine Lebensgeschichte wieder. Gibt es schon Ideen für weiteren Romanstoff?

Ja! Eine neue Geschichte voller Farben… und Morbidität ^^

Und eine Sammlung von Kurzgeschichten, die darauf warten, geschrieben zu werden.

Susanne, ich danke Dir für das Gespräch.

Das Interview zeichnete Tristan Rosenkranz auf.

Bildnachweis: Maud Susann Unger
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