[ Lyrik ] Christoph Liedtke „Phänomene auf Zeit“

Am Rand der Galaxie
steht unser Zelt gebaut.
Wir bündeln hier das Licht zu Pfeilen
gegen Zerfall in Asche und Staub.
Zu zweit, zu dritt, zu viert
bilden wir eine Bastion,
gewinnen wir die Oberhand
nur eine Weltsekunde lang.

In der Wanne versunken,
von Wasser und Wärme
pränatal umschlossen,
tauche ich auf,
durchstreife deine Scham.
Meine Finger wollen wissen:
Woher kommen sie.

Unsere Körper bilden Puzzelteile.
Gemeinsam bilden sie Pangäa:
Meine Leiste an deinem Arsch,
Deine Kniekehlen und meine Knie.

Von der Erde geschnitten
blühst du weiter am Hoffnungsfaden.
Für den Bruchteil eines Momentes
ziehen meine Blicke an dir vorüber,
bitte glaube mir, wenn ich dir sage,
ich sehe dich.

Ich sehe deine Wunde,
bekam eine Ahnung
vom Hunger der Zellen.
Wir sind fein entworfen,
kosmische Phänomene auf Zeit,
Täglich kommen wir neu zur Welt,
Aus dem Schlaf zur Deponie.

Ich rasiere dir den Kopf.
Entdecke deinen Haarwirbel,
das Mal unserer Milchstraße,
Ein Abfluss, der goldenen Schnittes Spiralen zieht.

Buchzitat aus „Symmetrie der Risse“ (erscheint im 2. Quartal 2018 in der „Edition Outbird„)
Aquarell: Christoph Liedtke

Verlosung unseres Mitstreiters & Autoren M. Kruppe: neue Bücher, Abo´s und Whiskyspezialitäten

Gern unterstützen wir unseren Mitstreiter, Veranstalter und Autoren M. Kruppe bei seiner Verlosungsaktion, geht es doch um nicht weniger als unsere brandneuen Bücher, ein Abo unseres „Outscapes“-Magazins und den ein oder anderen edlen Tropfen. Mit ein bisschen Glück…

Zitat M. Kruppe:

„Als Mitarbeiter der/s Agentur und Verlags für alternative Kultur Outbird habe ich die Möglichkeit, eine kleine Verlosung zur Veröffentlichung meines neuen Buches „Und in mir Weizenfelder“ zu starten:

…unter den ersten zehn Bestellungen von „Und in mir Weizenfelder“ verlosen wir einmal zwei Freikarten für den Literarischen Salon im Rahmen der Buchmesse. Zum Programm findet ihr hier alle Informationen.

…außerdem: Unter den ersten zehn Bestellungen, die „Und in mir Weizenfelder“ PLUS Michael Schweßingers „Robinsonaden vom vierzigsten Breitengrad“ bestellen, verlose ich ein Abonnement des „Outscapes“-Magazins für alternative Kunst und Kultur.

…und es wir noch verrückter: Unter den ersten zehn Bestellungen, die „Und in mit Weizenfelder“ PLUS „Robinsonaden vom vierzigsten Breitengrad“ PLUS Axel Kores‘ „Verschwendete Jugend“ erwerben, gibt’s nicht nur eine mittlere Abfüllung Whisky (10cl), sondern obendrein noch ein Überraschungsbuch aus dem Outbird-Onlinestore.
Hängt euch rein. Bestellungen könnt ihr direkt über mich per Mail – M.Kruppe1[at]web.de – oder über den Outbird-Onlinestore (Bestellkennwort: „Verlosung 03/18″) unternehmen. Viel Glück! Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen.“
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Magazin-Verlosungen: David Gray „Sarajevo Disco“ & Bianca Stücker „The Glass Coffin“

Gern weisen wir unsere wachsende Leserschaft insbesondere auf diesem Weg nochmals darauf hin, dass es mit dem jüngst erschienenen „Outscapes“-Magazin #7 zwei wundervolle Werke zu gewinnen gibt: Zum Einen Bianca Stückers aktuelle CD „The Glass Coffin“, ein Stück mitreißenden „Weird Dark Glam Pops“, zum Anderen den nicht minder fesselnden, handsignierten Kiezkrimi David Grays, „Sarajevo Disco“, in der Tradition der amerikanischen „Hardboiled Detectives“. Bianca Stückers Scheibe wird im aktuellen Magazin besprochen, David Grays Buch konnte bereits in Ausgabe #6, der Autor selbst kann im frischen Heft kennengelernt werden.

Es lohnt sich! Einfach ein Abonnement abschließen und den entsprechenden Wunsch ans Universum schicken (bzw. entsprechenden Vermerk in das Notizfeld zur Bestellung eingeben). Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen. Viel Glück!
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Michael Schweßinger „Und zwischen den Weltreisen: Gibt es wahre Literatur?“ [Interview Teil 2] | Outscapes #7

[Interview Teil 1 ist in Druckversion im Magazin für alternative (Genuss)Kultur „Outscapes“- Ausgabe #7 erschienen. In diesem Zusammenhang verweisen wir gern auf sein jüngst in der „Edition Outbird“ erschienenes, neues Buch „Robinsonaden vom 40. Breitengrad“ sowie seine Lesung mit M. Kruppe am 02. 06. 2018 in der Geraer Theaterfabrik.]

… Wie sieht das Ganze im Kleinen für dich aus, wenn wir zum Beispiel vom Buchmarkt reden?

Die Lesegewohnheiten ändern sich, gleichzeitig gibt es immer mehr Publikationen. Wenn man versucht heute ein Buch zu vermarkten, ist das nahezu unmöglich für einen kleinen Verlag. Als ich damals »In Darkest Leipzig« schrieb, haben wir das Buch ohne Marketing und Internettamtam vierstellig verkauft. Das wäre heute nicht mehr möglich. Der Buchmarkt lebt von den Träumen der Schreiber. Er ist vielleicht eine der letzten Bastionen des American Dreams, vom Tellerwäscher zum Millionär, anders ist der Aufwand nicht zu erklären. Niemand würde sich über Jahre an einem Ein-Euro-Job versuchen mit der Hoffnung, davon mal leben zu können. Das ist völlig irrational und nirgends sind die Fantastereien größer als unter Künstlern. Ein Buch zu machen macht nur Spaß, wenn man den Markt weitestgehend ausklammert. Wenn ich ne Woche Brot backe verdiene ich mehr als mit einem Buch, also backe ich Brot und schreib was ich mag, ich bin damit praktisch mein eigener Mäzen und muss mir diese hässliche Seite der Literatur mit ihrem Neidfaktor und Gehacke nicht geben.

In deinen früheren Büchern befasst du dich oft mit Menschen vom Rande der Gesellschaft. Das hat sich zwar nicht signifikant geändert, aber ein anderer Aspekt kam bei den letzen vier Büchern hinzu: das Reisen. Was bedeutet reisen für dich, wie wichtig ist es dir das reisen und was ist es, das dich immer in die Ferne holt?

Reisen ist für mich das wichtigste. Ich kann nicht leben, ohne zu reisen. Wenn ich reise, bin ich lebendig, spüre mich und das Leben und daraus entsteht ein kreativer Prozeß, der dann zu Geschichten führt. Es ist ein Paradox: Wenn ich reise, steht mein Geist still und erholt sich und wenn ich stillstehe, dann denken sich die Gedanken ins Leere. Reisen ist mir Antidepressivum. 2013 hatte ich einen Burn Out und ich hatte nur die Wahl zwischen Psychiatrie und Welt. Ich hab mich für die Welt entschieden.

Abschließend noch einmal zu deinem neuen Buch: zwischen die Erzählungen hast du diesmal, was ich persönlich recht gut finde, Ausflüge in die Welt der Fakten gepackt. Wie kamst du auf die Idee und was hat dich bewogen, das zu tun?

Ich wollte keine durchgängige Erzählstruktur, wie man sie beispielsweise bei meinem letzten Buch »Beim Esel links« findet. Eine durchgängige Struktur glättet. Dieses Buch ist im Affekt entstanden. Ich schrieb viele Texte sehr emotional nach 12 Stunden Arbeit, anders hätte ich diese Welt nicht ertragen. Demgegenüber stehen die faktischen Texte. Diese fragmentarische Schreibweise war mein Weg dieser Machtlosigkeit Ausdruck zu verleihen und auch die Konturen zu schärfen.

Man muss nicht unbedingt ein aufmerksamer Leser sein, um in deinen Zeilen auch Verzweiflung und Wut zu erkennen. Bist du grundsätzlich ein Mensch, der dazu neigt, wütend zu werden und wie oft verzweifelst du woran?

Es braucht einige Zeit bis ich wütend werde, dann aber richtig. Verzweiflung ist das negative Wesen des Zweifels, also Ausweglosigkeit. Kierkegaard beschrieb das mal als »Nicht-Selbst-Sein«. Dazu bin ich zuviel unterwegs. Hat viel mit dem oben geschriebenen zu tun. Sich nicht in die destruktive Leere denken, dann lieber Bewegung. Gerade das Schreiben hilft mir auch zusammen mit dem Humor, diese destruktiven Gefühlen zu verarbeiten. Sind ja jetzt auch nicht die lustigen Taschenbücher, die man von mir erwarten kann, also ich zweifele oftmals, aber Verzweiflung, das ist ein Abgrund, da springe ich nicht mehr gerne rein, weil da hat Nietzsche recht: Wenn du lange genug in den Abgrund schaust, dann schaut er irgendwann in dich und es gibt glaube ich wenige Dinge vor denen ich im Leben Angst habe, aber die Lähmung einer Depression, wer das schon mal erlebt hat, dieses brutale Zersetzen des eigenen Ichs mit immer gleichen Fragen, das möchte ich nie mehr erleben.

Vielen Dank für das Interview.“

Das Interview führte M. Kruppe. Teil 1 des Interviews und vieles mehr finden Sie im „Outscapes“-Magazin #7 [Edition Outbird]. Bildnachweis: Susanne Stoll.
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Line Bogh „Ich hab nie etwas anderes in Betracht gezogen“ [Interview Teil 2] | Outscapes #7

[Interview Teil 1 ist in Druckversion im Magazin für alternative (Genuss)Kultur „Outscapes“- Ausgabe #7 erschienen. Line Bogh ist am 21. 04. 2018 auf Burg Ranis live zu erleben.]

… Wo werdet ihr noch unterwegs sein?

Im Frühjahr 2018 spielen wir 16-20 Konzerte in Deutschland und ich hoffe noch einmal so viel im Oktober. Hier habt ihr eine Übersicht der bisher bestätigten Termine: 14. 02. – Koppelschleuse Meppen, 15. 02. – Café Ludwig, Halle, 17. 02. – Kultur Schlachterei, Rendsburg, 21. 02. – Tonfink, Lübeck, 23. 02. – Strudelhof Magdeburg, 24. 02. – Prinz Willy, Kiel, 13. 04. – Spieker Eckernförde, 14. 04. – Café Book, Jesteburg, 18. 04. – Lesecafé Odradek, Chemnitz, 19. 04. – Wulbert’s Cafe und Bar, Dresden, 20. 04. – Wohnzimmer, Chemnitz, 21. 04. – Literatur- und Kunstburg, Ranis, 06. 06. – Bei Hempels auf dem Sofa, Leipzig, 08. 06. – Mastul, Berlin, 09. 06. – Komm Du, Harburg, Hamburg, 10. 06. – Noch Jemand Wein, Bielefeld.

Wie ist dein Fankreis in deiner Heimat Dänemark, bzw wie wirst du deiner Meinung nach in Deutschland wahrgenommen?

Dänemark ist ein kleines Land, was zugleich gut und schlecht ist. Das Gute ist, es gibt eine gute Förderung für Künstler, so dass auch die kleinen Künstler überleben können. Die schlechte Seite ist die, dass es zu wenig Raum für all die vielen unterschiedlichen Musikstile gibt und es kleine, unbekannte Künstler schwer haben, selbst ein kleines Publikum auf sich aufmerksam zu machen und zu einem Konzertbesuch zu locken. Das ist etwas was ich an Deutschland sehr mag und schätze, trotzdem die klassischen Medien wie Rundfunk und Fernsehen vom Mainstream dominiert sind, gibt es so viele tolle kleine Läden wo die Leute hingehen, um neue Musik zu entdecken. In dieser Hinsicht habe ich wirklich so viele tolle Erfahrungen in Deutschland gemacht. Und es macht für mich auch viel mehr Sinn mich hierauf zu fokussieren anstatt den Code zum Airplay im dänischen Radio zu knacken (lacht).

Als ich Anfang 2017 zum ersten mal deine Musik hörte, musste ich zwangsläufig an Björk denken. Heute kann ich gar nicht mehr genau sagen, warum. Passiert dir das öfter, dass du mit der isländischen Musikerin verglichen wirst? Wenn ja, was meinst du, woran das liegt? Und wie ist das für dich?

Ich bin ein grosser Björk-Fan, daher freue ich mich, dass du da eine Ähnlichkeit entdeckt hast, aber ehrlich gesagt höre ich das nicht sehr oft, ich glaube du bist der Erste… die meisten Leute sagen eher Feist oder Joni Mitchell, hahaha.

Wer inspiriert dich?

Ich höre immer noch gerne das alte Zeug wie Dylan, die Beatles, Nick Drake und Paul Simon. Kürzlich habe ich die Norwegische Sängerin Ane Brun für mich entdeckt, welche wirklich grossartig ist.

Was bedeutet Kunst allgemein für dich?

Kürzlich bin ich aus dem Zentrum von Kopenhagen gezogen, raus an den Stadtrand und näher an meinen Arbeitsplatz. Mein Freund und ich teilen uns einen Arbeitsplatz in einer alten Fabrik. Dort gibt es sehr viele Künstler und da unser Herbst sehr arbeitsreich war, haben wir viel Zeit mit den unterschiedlichen Leuten dort verbracht.
Dort herrscht so eine gewisse Atmosphäre. Wenn viele Leute versuchen, etwas neues zu entwickeln – jede/r hat hierbei ja seine/ihre eigene Idee wie die Sache umzusetzen ist und alle haben so eine große Leidenschaft für ihre Arbeit. Ich glaube, diese Energie die in diesem Prozess entsteht, zu der habe ich eine Abhängigkeit entwickelt was auch mit ein Grund ist, warum ich nichts anderes tun kann. Ich brauche dieses Gefühl von Potential was es gilt zu Tage zu fördern, wunderbare Musik, die ich eventuell zu Papier bringe. Und das hört nicht auf – die Ziele und auch die Ideen drumherum ändern sich ständig und das ist was meine Welt ausmacht und lebendig hält.

Hast du Ziele und Wünsche, deine Musik, aber auch dich ganz persönlich betreffend?

Ich mache gerade meinen Führerschein, also das ist mein großes Ziel für 2018. Ich möchte ein Auto fahren können. Davon abgesehen, bin ich so begeistert über die neue Show mit meinem Freund und diesen visuellen Inputs, ich glaube die Sache wird ein Burner, ein Highlight 2018! Also liegt mein Fokus darauf, richtig… richtig gut zu werden in meinem Spiel, um dann so oft wie möglich aufzutreten.

Eine abschließende Frage, die mich persönlich sehr interessiert: Wird, wie in Deutschland zur Zeit, auch in Dänemark über das Bedingungslose Grundeinkommen, ein staatliches Einkommen also, als Grundstock zur Finanzierung des Lebens ohne Bedingungen, diskutiert? Wenn ja, wie stehst du dazu, gerade hinsichtlich der Förderung und Unterstützung von Künstlern und Kulturschaffenden?

Ja, diese Diskussion führen wir auch und ich glaube es gab auch ein Experiment in diese Richtung vor nicht allzu langer Zeit. Sie hatten eine Gruppe Leute, die seit geraumer Zeit vom Arbeitsmarkt entfernt waren und sie bekamen alle Sozialhilfe/Arbeitslosengeld. Ihnen wurden gestattet, zu tun was sie wollten, sie hatten unbezahlte Arbeitsplätze an Orten an denen sie gerne tätig sein wollten und so. Der Versuch war ein voller Erfolg – einige Leute haben wieder in den Arbeitsmarkt zurück gefunden und insgesamt hat man heraus gefunden das die Menschen glücklicher, weniger gestresst und gesünder usw. waren. Wir haben eine Partei in Dänemark, die diesen Ansatz stark unterstützt ( Alternativet ) und ich denke, es ist eine spannende Idee. Für mich macht dieser Ansatz sehr viel Sinn.

Vielen Dank für das Interview.“

Das Interview führte M. Kruppe. Teil 1 des Interviews und vieles mehr finden Sie im „Outscapes“-Magazin #7 [Edition Outbird]. Bildnachweis: Christian Gundtoft.
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David Gray „Mord(s)gedanken – der Leipziger Krimiautor im Interview“ [Interview Teil 2] | Outscapes #7

[Interview Teil 1 ist in Druckversion im Magazin für alternative (Genuss)Kultur „Outscapes“- Ausgabe #7 erschienen. In diesem Zusammenhang verweisen wir gern auch auf die Verlosung seines aktuellen, handsignierten Kiezkrimis „Sarajevo Disco“ unter Neu-AbonnentInnen.]

„… Amateure erkennt man immer daran, dass sie ihre Schreibarbeit romantisch überhöhen. Es gibt ja gute Amateure und sogar ein paar talentierte. Aber solange man nicht begreift, dass Schreiben auch Arbeit ist und Arbeit sein sollte – zumindest solange das Ergebnis der Schreibtätigkeit ein gewisses Niveau halten soll – dann bleibt man eben Amateur. Eine ganze Menge Erfolgsautoren sind Amateure. Die Regale der Regiokrimis und Lebens- bzw. Beziehungsratgeber sind voller Titel, die von Amateuren verfasst wurden. Und auch ein paar der Titel in den Regalen für sogenannte „Literatur“ wurden von zumindest stilistisch talentierten Amateuren verfasst. Ich konnte mir in den letzten Jahren in aller Regel aussuchen worüber ich schreibe, daher hatte ich nie das Gefühl mich kreativ verrenken zu müssen. Das ist durchaus auch eine Form von Glück.

Du hast einen unheimlichen Output. In den letzen 15 Jahren sieben Romane, diverse Short-Storys in Anthologien, Filmkritiken, Drehbücher… schläfst du auch irgendwann? Woher kommt deiner Meinung nach die Energie?

Sobald mein Konto leer ist, bestehen eine Menge Leute unverschämterweise darauf, dass es entweder wieder gefüllt wird oder sie erwarten eben, dass ich auf gewisse Dienstleistungen und Produkte, die sie vertreiben, zu verzichten hätte. Das ist zwar ein sehr profaner Antrieb, aber auch ein verdammt effektiver.

Wie empfindest du, der du ja schon „professioneller“ Schreiber bist, das Literaturgeschäft, das Business? Es gibt ja nun Autoren, die sich im Lichte der Bestseller Listen sonnen und es scheint ihnen nichts auszumachen, dass doch durch Verträge durchaus ein enormer Druck herrscht. Ist das Klischee oder ist da was dran? Und wie gehst du damit um?

Ich habe diesen Erfolgsdruck so bisher nur einmal gespürt. Als meinen dritten Roman kein Mensch gut fand und ich verzweifelt versuchte zu erklären, weshalb ich ihn verfasst habe und ihn trotz der von überall her einprasselnden Kritik weiterhin mag. Das war ein Fehler. Never explain, never complain ist das Motto, an das man sich in der Kunstbranche halten sollte. Auf einer Bestsellerliste sind bisher auch nur meine selbst veröffentlichten eBooks gelandet. Den Verlagstiteln blieb das bislang erspart. Die fand auch das Feuilleton nur sehr selten einer Erwähnung wert. Immerhin hat eine große Tageszeitung mal vor einem meiner Bücher, nämlich „Kanaken Blues“, gewarnt. Das war eine Leistung, die mich heute noch ein wenig stolz macht.

Hast du einen Tipp für nicht so erfolgreiche Kollegen, was man wie tun muss, um vom Schreiben leben zu können? Muss man – verzeih mir die Frage – (viele) Ärsche lecken und für die Verleger schreiben, oder gibt’s durchaus die Möglichkeit, das Ich zu wahren und trotzdem erfolgreich zu sein?

Wenn ich vor dieser Frage nachlese, wie ich die vorangegangenen beantwortet habe, dann fürchte ich, könnten Leser den Eindruck gewinnen, dass der Gray ein arroganter Arsch ist, der an der (angeblich so) edlen Schreiberprofession, dem (Verlags-)Kulturbetrieb und den darin arbeitenden Menschen kein gutes Haar lässt. Ohne von dem oben gesagten irgendetwas zurücknehmen zu wollen, aber Wunder geschehen. Und immer wieder sind mir in der Verlags- und Filmbranche Menschen begegnet, die wirklich für ihre Aufgabe und ihre Träume brannten und große Risiken dafür eingingen einem Text oder einer Idee, die zuvor dutzende ihrer Kollegen für völlig bescheuert hielten, dennoch zur Realisierung verholfen haben. Die Kunst besteht darin solche Menschen zu finden. Für Kunst gibt’s aber nun mal keine echten Regeln. Außer vielleicht der, dass jeder, der den Hauch einer Chance auf Erfolg erwartet, besser vorher sein Handwerk gelernt hat. Zukünftige Kollegen, die ihr Handwerk nicht beherrschen, haben also schlechte Karten. Alle anderen verfügen immerhin über diesen einen Hauch einer Chance, es irgendwann mal soweit zu bringen mehr als nur den Preis eines Kaffees in einem Bahnhofsrestaurant mit ihren Texten zu verdienen. Ihre Chancen erhöhen sich noch einmal um einige Punkte, sollte sich zum Handwerk auch Talent hinzugesellen. Aber das ist selten. Und Talent allein kann in einem auf Marktanteile und Gewinn getrimmten Gewerbe zuweilen sogar eher abschreckend als einladend wirken. Ich hatte mal einen Mathelehrer, der mich in seiner Stunde beim Gedichte lesen ertappte. Er sagte daraufhin: „Klar, wer so schlecht in Mathe ist wie sie, muss ja Romantiker sein.“ Der Mann hatte recht. Deswegen noch eine letzte Besserwisserwurst an alle Verrückten hier, die es als Schreiber oder Künstler zu irgendetwas bringen wollen: Eine gewisse Romantik im Herzen zu halten ist Voraussetzung dafür, sein Leben nicht völlig an Dinge zu verschwenden, die nie wirklich wichtig waren. Niemand streicht zwar den Himmel je wirklich noch einmal blau an. Trotzdem gibt es genug Menschen, die weiter davon träumen es eines Tages zu tun. Es kann sein, dass es heutzutage mehr Idioten gibt, die solche Menschen für Freaks halten. Aber das Zeitalter der Plastiktittenkunst geht gerade allmählich seinem Ende zu. Vielleicht verabschiedet es sich mit einem Bang, in dem wir alle untergehen. Aber auch genauso gut möglich, dass es seine letzte Verbeugung auf der ganz großen Bühne mit einem Wimmern zelebriert, über dessen Echo wir Freaks nur lauter lachen werden als alle anderen. Fest steht: The beautiful losers are not dead. They are just sleeping. Some even in their own beds.

Mit Kanaken Blues und Sarajevo Disco hast du zwei wundervolle hardboiled Krimis vorgelegt, in denen Boyle, der schwarze Kommissar, die Hauptfigur ist. Es wird doch hoffentlich einen dritten Teil geben?

Den wird es geben. Aber ich habe nicht die geringste Ahnung, worum es da gehen wird. Vielleicht um religiöse Ritualmorde? Einen alternden Schlagerstar á la Dieter Bohlen, der sich als Puffbetreiber versucht? Oder womöglich um einen Innenminister, der zuviel gekokst hat? In letzter Zeit hast du ja wirklich nach dem Blick in die Zeitung das Gefühl, die Satire hinke der Realität hoffnungslos hinterher und selbst als Hardboiled-Autor musst du immer noch tiefer in die Kiste mit den ganz bösen Facetten der Realität greifen, um am Ende des Schreibprozesses deines Buches nicht schon rechts von der Wirklichkeit überholt worden zu sein.

Wann dürfen wir mit der Veröffentlichung rechnen?

Vor dem nächsten Lewis Boyle-Roman hat auch noch ein gewisser SS-Offizier bei einem Herrn Torreck seinen Auftritt. Dieser Offizier hat aus Scham und Reue über die Grausamkeiten des Regimes, dem er dient, beschlossen sich vor der großen Nazi-Götterdämmerung in aller Ruhe in Paris tot zu saufen. Woran ihn jedoch ein historisch belegter Killer und eine Gang von abgehalfterten Ex-Gangstern und Resistancekämpfern hindern wird. Klingt strange, oder? Stimmt. Soll es auch. Ich meine, the beautiful losers are not dead. Das Buch kommt bei Heyne im Frühjahr 2019. Aber Lewis Boyle bei Pendragon wird gleich danach auch zu seinem Recht kommen. Und vielleicht erscheint der nächste Boyle sogar noch früher…

Mit den Boyle-Büchern bist du beim Pendragon Verlag. Wer war eher da, die beiden ebenfalls recht hart und düster schreibenden James Lee Burke und Wallace Stroby oder du?

Das ist keine Frage, die ich ernsthaft beantworten könnte oder dürfte. James Lee Burke ist – zusammen mit James Ellroy – einer der lebenden Götter des Kriminalromans. Und Wallace Stroby befindet sich gerade auf dem direkten Weg dorthin, wo die beiden Gentlemen gerade sind…

Da ihr drei euch wunderbar ergänzt, dürfte doch die Zukunft des Verlages gerettet sein, da deine Kollegen ja auch einen guten Output haben.

Die beiden berühmten Kollegen sind jedenfalls voll dran. Der neue Burke und der nächste Stroby werden fantastisch. Außerdem warten bei Pendragon noch einige andere, nicht weniger coole Damen und Herren, in der Pipeline, auf deren Visitenkarten eigentlich Profikiller stehen sollte, weil sie die (eben gar nicht so simple) Kunst des (rein literarischen) Mordes wie ganz wenige sonst beherrschen und deswegen bei dem kleinen, aber feinen Verlag in Bielefeld veröffentlichen.

Woran arbeitest du aktuell sonst noch? Du bist auch nicht selten an Drehbüchern für Filme und Serien dran. Gibt es da was, was du nennen kannst, das bekannt ist und deiner Mitwirkung entspringt? Wird es bald dahingehend etwas zu sehen geben?

Ach dieses TV-Serienzeugs ist doch immer völlig unvorhersehbar. Und um einen Freund zu zitieren: „Es gibt ein paar gute Leute, die immer noch an mich glauben. Aber es gibt noch deutlich mehr Arschlöcher in der Branche, die es nicht tun. Beiden bin ich es schuldig zu beweisen, dass ich noch lange nicht tot bin“ Man wird also sehen. Bisher klingelt mein Telefon jedenfalls noch ab und zu…

Ich danke dir für das Interview.“

Das Interview führte M. Kruppe. Teil 1 des Interviews und vieles mehr finden Sie im „Outscapes“-Magazin #7 [Edition Outbird]. Bildnachweis: Erik Weiss / Heyne Verlag.
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Outscapes-Magazin #7: Vorschau (inkl. Verlosungen: David Gray „Sarajevo Disco“ & Bianca Stücker „The Glass Coffin“)

Hochverehrtes Lesepublikum, es ist nicht mehr lang hin, und unser Magazin #7 erblickt das Licht der Welt. Einmal mehr mit jeder Menge Herzblut wie einer umfassenden Auswahl an spannenden Köpfen und damit kreativen Erlebenswelten. „Die Art“-Sänger H. Makarios Oley steht ebenso Rede und Antwort wie die dänische Popdiamantin Line Bogh, der Bestsellerautor Clemens Meyer, der weltreisende wie tiefgründige Erzähler Michael Schweßinger, die Fantastikautorin Sonja Rüther, der Krimiautor David Gray… and so on…

Einmal mehr ein, wie wir meinen, reichhaltiges Magazin, was in Kürze erscheint und den spannenden, rasanten sowie nicht zuletzt handsignierten Kiezkrimi „Sarajevo Disco“ wie auch die vor Kurzem erschienene CD „The Glass Coffin“ von Bianca Stücker, die Mark Benecke ganz zutreffend als lässigen Elektro-Hackbrett-Finsterpop bezeichnete, unter unseren NeuabonnentInnen verlost. Also ran an die Tasten und das Magazin geordert und einen der beiden Specials abgefasst! Einmehr mehr gilt: Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Wir freuen uns auf Euch, bis in Kürze!
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Outscapes-Magazin | Eine Bitte an unser(e) Leserschaft / Netzwerk

Ihr Lieben,

seit mehr als einem Jahr bringen wir nun das „Outscapes“-Magazin heraus, das die Kulturszene abseits des Mainstreams zu beleuchtet. Texte, Interviews, Features, Rezensionen, Kolumnen, Prosa & Lyrik, Reviews und vieles mehr sind die Inhalte und dabei achten wir stets darauf, dass wir euch nichts schon xmal Gehörtes oder Gesehenes präsentieren. Und auch, wenn zu unserem Erstaunen immer wieder mal anklingt, Outscapes sei ein Gothic-Magazin, was es zu keiner Zeit war oder je sein wird (wie die Inhalte unter Beweis stellen), wollen wir weiter in diesem Stil bleiben, das Heft weiter entwickeln und euch von Menschen, Künstlern und Kulturschaffenden, Büchern, CDs und vielem anderen berichten.

Nun ist es allerdings so, dass unsere Arbeit mit Outbird als Agentur, als Netzwerk und im Veranstaltungsbereich, aber auch als Verlag immer vielseitiger und umfangreicher wird. Das freut uns, denn das heißt, dass wir wahrgenommen und positive Resonanz erzeugen. Aktuell stehen wir vor einer schweren Entscheidung, denn wir schaffen es zeitlich kaum, neue Anzeigenkunden zu finden, die die Unkosten decken können. Ohne Kostendeckung aber können wir das Magazin nach der kommenden Märzausgabe nicht mehr herausgeben. Wir suchen daher ab sofort eine(n) IdealistIn, der bzw. die uns dabei unterstützt, Anzeigenkunden zu akquirieren. Details erfahrt ihr bei Interesse via Mail oder PN bei Facebook (an M. Kruppe oder Tristan Rosenkranz).

Schreibt uns eine Nachricht… Helft uns, euer Magazin weiter am Leben zu halten. Vielen Dank!
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[ Rezension ] Yeah But No „Yeah But No“

Der Postmann bringt mir den edlen Schotten einer langjährigen Freundin, der – eigentlich für Heiligabend bestimmt – gerade leise meine Kehle hinunterbrennt. Heute fühlt sich alles anders an, so frei von Energie, als müsse sich der Energiehaushalt zu Weihnachten und Jahreswechsel hin erst reorganisieren. Zwei zu kurze Nächte, eine davon fast restlos verfeiert. Und ich sitze an der liegengebliebenen Rezension zum emotionalen Flugteppich namens „Yeah But No“ mit ihrem unfassbaren gleichnamigen Album.

Es gibt ja keine Zufälle, sonst hätte ich mit „es ist einem Zufall geschuldet“ begonnen, den Weg von Yeah But No in meine Gehörgänge zu rekonstruieren. Mario Willms´ alias Douglas Greed´s Lebensweg läuft schon seit vielen Jahren parallel zu mir oder meiner Wahrnehmung, was mit Wurzeln in der gleichen Heimatstadt und teilweise Szene nicht ausbleibt. Irgendwann vor wenigen Monaten wurde ich auf ein Video aufmerksam, was der seit Langem zum Musiker herangereifte Willms postete, und kam seitdem nicht mehr runter davon.

Yeah But No frisst sich in den eigenen emotionalen Resonanzkörper, setzt sich fest in Form massiver Gänsehaut und lässt einen übermütig dazu neigen, alles Schwerwiegende loszulassen. Weiche, sanfte, logische Klangläufe, die jede Disharmonie vermissen lassen. Elektronisch schwingende Minimalismen, die bei aller Reduktion eine Dichte beim Hörer erzeugen, dass es ein Leichtes ist, zum – man verzeihe mir dieses abgetragene Wort – Dauerbrenner zu mutieren.

In meinem Autoradio lief die Scheibe rauf und runter, meine Tochter und Freunde waren flugs angefixt. Und sahen sich bemüßigt, Mario Willms und Fabian Kuss´ Popprojekt mit „heute leider nicht mehr möglichen Depeche Mode“ zu beschreiben, als Musik auch, die Erinnerungen wachruft. Mir fallen Referenzen wie Fever Ray ein, mitunter auch Burial und irgendwo im Hintergrund Massive Attack. Und ich merke beim Schreiben, dass dieser Sound alles andere als Rotweinmusik ist und klar zu gutem Single Malt passt.

Unfassbar, was Fabian Kuss vor diesem soundarchitektonischen Background da als Gesangspart liefert. Mit einer festen, weichen Stimme, die  zwischen Fragilität und dem Verlust von Raum-Zeit-Strukturen changiert und Unterschiede zwischen Fragen und Antworten vergessen lässt.

Problematisch nur: man sollte solche Musik nicht hören, wenn man verliebt ist (doch, sollte man, und zwar genau dann!), weil man sie verliert, sollte man seine Liebe verlieren. Man kommt nicht mehr ran, und vielleicht ist genau das der Grund, warum ich heute Whisky trinke – um die Rezension zu diesem Ausnahmeprojekt zu schreiben.

Yeah But No ist Leichtigkeit, ist tiefe Liebe, ist Zerbrechlichkeit und Angst, ist Sanftheit und ein weiter, weiter Weg durchs Leben. Den ebenjene beiden Musiker da auch auf brillante Weise widerspiegeln. Mit Yeah But No ist es wie mit einer tiefen Liebe oder einem edlen Whisky: so etwas findet einen, wenn man Jahre weit gelaufen ist…
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Die Rezension verfasste Tristan Rosenkranz; in der Dezember-Ausgabe unseres „Outscapes“-Magazins finden Sie im Printformat Teil 1 des Interviews mit Yeah But No, online unter diesem Link Teil 2.

Anna K. O.
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[ Rezension ] Dirk Bernemann „Ich hab die Unschuld kotzen sehen IV“

[Im Zusammenhang mit nachfolgender Rezension verweisen wir gern auf die Verlosung seines handsignierten aktuellen Buches. Informationen dazu gibt es unter diesem Link.]

Dirk Bernemann sucht kleine Wunden und reißt sie brutal auf

Es ist nichts Neues, wenn Attribute wie „melancholisch“, „düster“, zuweilen sogar „pessimistisch“, aber auf jeden Fall auch „humorvoll“ und der Name Dirk Bernemann in einem Satz genannt werden. Bernemann ist kein Unbekannter Autor (mehr) und jene Attribute könnte man als Markenzeichen bezeichnen, wenn da nicht eine Art Lot durch seine Texte ginge, das die Tiefen des in Berlin lebenden Schreibers eindeutig als authentisch ausmachen würde. Was wir in den Büchern Bernemanns lesen, ist keine aufgesetzte Masche, ist kein Haschen nach Aufmerksamkeit und schon gar nicht der krampfhafte Versuch, Pointen zu verfolgen, sie künstlich zu installieren um der „literarischen“ Mode unserer Zeit gerecht zu werden. Dirk Bernemann ist echt, ist ein Mensch mit einem scharfen Blick in einer unscharfen Zeit. Und seine, man muss tatsächlich sagen: depressive Erscheinung zeigt, dass da keine Maske vor einem doch oftmals traurigen Gesicht liegt.

So auch in dem nunmehr vierten Teil des ersten Bestsellers „Ich hab die Unschuld kotzen sehen“.

In seinen Storys beleuchtet er einmal mehr die negativen Seiten des Seins, erzählt vom Suizid eines Teenagers, spricht von einer Beziehung die keine ist und die mehr als unschön endet und von der Veränderung einer anderen Beziehung durch einen wirklich tragischen Schicksalsschlag. Und spätestens hier hatte er mich, wie er mich auch in seinen anderen Büchern bekam.

Allerdings geschah bei Lesen eben dieser erwähnten Story etwas, das mir noch nie beim Lesen einer Story passiert ist. Die Kombination von Sprache in dem für Bernemann so typischen Stil, die Nichtvorhersehbarkeit des Verlaufs und am Ende die Tatsache der Eigentlichkeit, der Wendung der Handlung bauten mir erst einen Kloß in den Hals. Das aber reicht dem Autor nicht. Er will den Schmerz ganz ausdehnen so scheints und reißt die gestochene Wunde ganz langsam, beinahe sorgfältig und doch mit einer derartigen Wucht auf, dass ich ernsthaft heulen musste. Und wie gesagt, das ist mir noch nie beim Lesen eines Buches so gegangen. Und ich wage zu behaupten, dass er sich selbst beim Schreiben dieser Story ein bisschen quälen wollte.

Mit dem für ihn so bekannten schwarzen Humor macht er auch keinen Halt vor Menschen mit Behinderungen, ohne dabei aber beleidigend zu werden, der von oben herab zu wirken. Er nennt das Kind, das in seinen Geschichten oft schon längst in den Brunnen gefallen ist, beim Namen, ja, er ruft hinterher, um zu erfahren, ob es noch lebt. Und wenn es noch lebt, wirft er Steine hinterher, damit es sich im Todeskampf nicht quälen muss. Man könnte auch den Rettungsdienst rufen, aber Dirk Bernemann ist nur Beobachter…

„Ich hab die Unschuld kotzen sehen IV“ ist ein Muss für jeden Optimisten, der einmal die andere Seite der so viel genannten Medaille sehen will, eine absolute Empfehlung für jeden Pessimisten, der sich bestätigt sehen will und eine nicht weniger dringende Empfehlung für alle Anderen, irgendwo zwischendrin, die keinen Bock haben auf die „Friede-Freude-Eierkuchen-Welt“ fernab aller Deutlichkeit.
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Die Rezension verfasste M. Kruppe; in der Dezember-Ausgabe unseres „Outscapes“-Magazins finden Sie im Printformat Teil 1 des Interviews mit Dirk Bernemann, online unter diesem Link Teil 2.

Dirk Bernemann in unserem Onlinestore: Bitte hier entlang.

Bildnachweis: Sophia Vogel
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