„Ich habe das Buch in einer Zeit geschrieben, als Okkultismus & Poesie mein täglich Brot waren“ – Susanne Agnes Fauser im Interview zu „Lilian“

Susanne Agnes Fauser, Schamanin und Schatten/Lichtarbeiterin, legt mit ihrem Debütroman „Lilian“ eine prachtvolle dunkle Perle vor, deren Plot sich der Unergründlichkeit des verhängnisvoll symbiotischen Liebespaares Lilian und Nat annähert und erst allmählich und unter Hochspannung Antworten auf die zahlreichen Fragen Aschmedays liefert.

Nun sind ja beide, Lilian mehr noch als Nat, fesselnde Figuren mit einer dunklen Aura, die gesellschaftliche Konventionen ablehnen und ihr Anderssein kompromisslos leben. Bitte beschreib die beiden doch mit wenigen Worten.

Lilian ist Poetin durch und durch. Tief. Tough. Sie weiß, wer sie ist und was sie will. Ihre dunkle Aura lässt durchaus Licht zu.

Natürlich hat sie Schmerz, Verlust und Ungerechtigkeiten erlebt, aber sie ist unbeugsam. Das schätze ich sehr an ihr. Ich empfinde sie als sehr liebevoll, als jemand, der zwar vorsichtig und misstrauisch ist, aber doch voller Hingabe. Lebensbejahend.

Nat ist ebenso vielschichtig. Poetisch, düster, gebildet und von etlichen inneren Dämonen gejagt.

Den Tod am Ende zu wählen, wenngleich es auch kein Suizid ist, denke ich, ist ziemlich einleuchtend. Er scheint alles gesagt zu haben. Alles erlebt zu haben. Es gab nichts mehr, was noch interessant genug war, um dafür weiterzuleben. Manche Leben, manche Menschen sind so. Nicht aus irgendeinem Jammern heraus, sondern als klare Entscheidung.

Wieviel steckt in „Lilian“ von Dir drin?

Ziemlich viel, würde ich sagen. Ich habe Lilian immer als eine Art Alter Ego betrachtet.

Vielleicht bin ich mittlerweile „heller“. Fröhlicher. Aber ich muss sagen, ich liebe Lilian sehr. Was mich auch beeindruckt hat, war Holgers Arbeit. Er hatte ihr Portrait ursprünglich ganz anders geplant, doch SIE wollte es anders. Dass Holger gleich so einen Zugang gefunden hat, das fand ich sehr schön. Aber so ist er eben (lacht). Großartig!

Du sagtest einst, dass dieses Buch quasi aus einer anderen Welt durch Dich hindurch zu Papier kam. Warst Du beim Schreiben offline gegenüber der normalen Alltäglichkeit?

Wahrscheinlich kann man es so beschreiben, ja. Ich habe das Buch in einer Zeit geschrieben, als ich ausschließlich Nick Cave (den ich heute noch immer sehr liebe!!!) und Dead Can Dance gehört habe und Okkultismus und Poesie mein täglich Brot waren.

Die Geschichte von Nat und Lilan kam zu mir, als ich Idiot Prayer hörte. Das ist für mich DER Song, der diese Geschichte überhaupt erst möglich machte. Ich glaube absolut daran, dass all die Geschichten dann in die Welt entlassen werden. Das mag nicht für alles gelten, das ist klar, aber die Art von Kunst. die es vermag, die Herzen und die Seelen der Menschen zu berühren, Kunst, die durch Schmerz oder Freude, tiefe Emotionen entsteht, die hat immer auch etwas Transzendentales, etwas Magisches . Nicht umsonst zum Beispiel waren in alten Zeiten Poeten und Magiere ein und dasselbe.

Was bedeutet dieses Buch für Dich und wie hat sich seine emotionale Bedeutung beim Ersinnen, beim Schreiben und jetzt, mit seiner Veröffentlichung, für Dich verändert?

Dieses Buch zu schreiben war so eine Art Katharsis. Andere Geschichte – dieselbe Farbe der Emotion.

Es ist wirklich mit Herzblut geschrieben und ich denke, dass es Menschen gibt, die dieselbe Tiefe besitzen, die empfinden was ich empfand beim Schreiben. Im Grunde ist diese Art der Liebe noch immer das, was ich für mich selbst als Liebe definiere.

Ich habe einen Skorpion-Aszendenten, da langweilen Oberflächlichkeiten schnell. Menschen, die Angst vor ihren eigenen Abgründen und inneren Dämonen haben und davonlaufen, anstatt sich ihnen zu stellen, interessieren mich nicht. Da findet keine Entwicklung statt. Stehende Gewässer sozusagen.

Ich kann das Buch heute lesen und mag es noch immer sehr. Dass ich es nun veröffentliche, darüber freue ich mich natürlich total! Ich hoffe Nat und Lilian werden ihre Anhänger finden, die sie ebenso sehr schätzen, wie ich das tue. Das Interessante ist ja, dass man seine Protagonisten sehr genau kennenlernt im Laufe der Zeit. Sie wachsen einem ans Herz und man will, dass sie gut behandelt werden.

Du arbeitest als Schamanin und erwähntest in einem unserer Gespräche, dass Du damit den Weg Deiner Urgroßmutter und Großmutter fortführst. Welche Zündfunken und Impulse haben Dich Schamanin werden lassen? Welche Schule bist Du durchlaufen?

Ich hatte schon als Kind so diese Gabe mehr zu sehen als Andere. Mitfühlender zu sein. Im wahrsten Sinne des Wortes. Es hat viele Jahre gedauert, bis ich dahinter gekommen bin, dass vieles von dem, was ich so fühlte, gar nicht meine eigenen Emotionen waren. Ich war immer wie so ein Schwamm. Und mittlerweile achte ich auch sehr darauf, mich nur noch mit solchen Menschen zu umgeben, die mir gut tun. Ich bin sehr klar und ziehe auch sehr klare Grenzen.

Ein weiteres Talent, das ich schon immer hatte, war, hinter die Masken der Leute zu schauen, das macht einen natürlich nicht immer beliebt (lacht). Auch wenn ich meistens gar nichts dazu sage. Ich konnte mich noch nie anpassen, mich noch nie „unterordnen“, was meine Eltern zum Wahnsinn getrieben hat, was ich heute sogar ein bisschen verstehen kann (kichert). Ich war sehr rebellisch.

Alles, was einengt, was Monotonie, Ignoranz, Desinteresse ist, die groben Töne, das ertrage ich bis heute nicht. Und will es auch nicht!

Meine Mutter sagte mal, für sie wäre es sehr schwer gewesen, unheimlich, eine Tochter wie mich zu haben. Ich war da immer wie so ein Fremdkörper in dieser bürgerlichen Welt. Meine Werte waren und sind andere.

Und ich hatte schon immer das Bedürfnis meine Grenzen auszuloten. Alles selbst zu erleben, zu erfahren, zu wissen. Das sogenannte „normale“ Leben hat mich nie interessiert. Ich brauche Inspiration, Intensität, Tiefe. Loyalität ist mir wahnsinnig wichtig.

Immer neue Erfahrungen zu machen und mich immer wieder selbst neu zu erfinden, das ist für mich ein Lebenselixier. Ich wäre geradezu tödlich gelangweilt, wenn alles immer vorhersehbar und geplant wäre.

Dieses Schamanische, das habe ich viele Jahre einfach gemacht, ohne dafür überhaupt einen Namen zu haben. Das wurde mir im Grunde erst klar, als ich vor 15 Jahren bei Clemens Kuby Seminare besucht habe.

So richtig ernsthaft damit begonnen habe ich, als der Vater meiner Tochter an AIDS erkrankt ist. Wir waren damals schon kein Paar mehr, aber ich habe ihn gepflegt bis zu seinem Tod und in dieser Zeit und den 15 darauffolgenden Jahren, in denen beinahe mein gesamter damaliger Freundeskreis starb, war ich quasi gezwungen, mich mit diesen Themen zu befassen. Tod. Krankheit. Sinnfragen. Alles, was man ja eigentlich von sich fernhalten will oder erst in einem hohen Alter beginnt, sich damit auseinander zu setzen, wenn überhaupt, das brach in mein Leben schon sehr frühzeitig ein. Doch durch all den Schmerz, all die Verluste traten mit einem Mal aber auch Fähigkeiten in mir zutage und Connections zu, ich sage mal, anderen Wesenheiten, nenn es Lehrer, nenn es Spirits, die mich sehr viel gelehrt haben und es immer noch tun.

Manchmal durch Träume, manchmal durch Begegnungen mit Tieren und Pflanzen, manchmal durch Stimmen, die mir irgendetwas erklären oder innere Bilder… das ist für mich alles miteinander verwoben.

Ich war schon immer eine Gefühls-Synästhetikerin. Das heißt, ich habe zu allem, was geschieht, zu allem, was ich wahrnehme, Bilder, manchmal regelrechte Filme.

Um dem Ganzen aber auch einen rechtlichen Rahmen zu geben, habe ich eine Ausbildung als psychotherapeutische Heilpraktikerin gemacht. Mich hat auch die schulmedizinische Sicht interessiert.

Davor habe ich bei Wolfgang Döbereiner in München 9 Jahre lang Astrologie studiert.

Wie muss man sich die Arbeit einer Schamanin vorstellen, welche Arbeitsfelder gibt es?

Ich sehe mich als moderne Schamanin. Ich brauche das ganze Brimborium drum herum nicht. Und ich bin auch nicht der Typ Frau, der sich in Felle hüllt oder sowas. Das sind ja nur Äußerlichkeiten. Und wir leben in der heutigen Zeit.

Die Leute, die zu mir kommen, haben ganz unterschiedliche Anliegen. Die einen haben regelrechte Odyseen hinter sich an Psychotherapien, die ihnen nicht helfen konnten, andere wiederum haben schwere Erkrankungen, wieder andere haben geliebte Menschen verloren oder haben andere schwere Lebenskrisen. Depressionen, Ängste, spirituelle Krisen… da ist alles dabei.

Ich arbeite mit jedem Klienten, jeder Klientin anders. Es ist immer ganz individuell. Was ich sagen kann, ist, dass ich mich leiten lasse von meinen Helfern, nennen wir das mal so. „Sie“ wissen dann immer, besser als ich es täte, was zu tun ist.

Wie ich arbeite… je nachdem, was die bestmögliche individuelle Methode ist. Ich bringe Klienten dazu, sich an die längst vergessene Situation zu erinnern, die ihrer Symptomatik oder ihres Problems zugrunde liegt. Das ist wie ein Film, dessen Drehbuch man dann schlussendlich umschreibt. Die Gehirnforschung hat ja längst bewiesen, dass Gefühle IMMER echt sind und wirken, selbst wenn wir im Kino sind und wissen, dass es nur ein Film ist.

Buch im Verlagsshop: bitte Cover anklicken.

Wenn jemand erkrankt ist oder unter Mobbing leidet oder was auch immer, liegt dem Ganzen stets eine bestimmte Situation zugrunde, die man zumeist verdrängt hat. Doch dieses Gefühl, das man dabei hatte, das erlebt man wieder und wieder in den unterschiedlichsten Begebenheiten.

Ich lese das morphogenetische Feld aus und kann dort sehen, was los ist. Und was man tun kann, um eine Veränderung herbeizuführen. Manchmal ist es auch besser, schamanisch zu reisen, um mit den Spirits zu verhandeln. Zu erfahren, was man tun kann, was nötig ist. Das kann manchmal auch eine Entschuldigung sein, die vor langer Zeit getanes Unrecht wiedergutmacht.

Also wie Du siehst, gibt es da sehr viele Möglichkeiten. Und jedes Symptom, jeder Mensch und auch jeder Weg zur Heilung ist da ganz individuell.

Gestatte mir eine Doppelfrage: Worin unterscheidest Du Dich von anderen SchamanInnen und wie kann ein spiritueller, Antwort suchender Mensch einen guten Geistarbeiter von einem Scharlatan unterscheiden?

Das ist eine gute Frage! Heutzutage ist es sehr „in“, sich „Schamane“ oder wie auch immer zu nennen. Ich kann nur sagen, dass die Menschen, die ich kennenlernen durfte, die wirklich etwas können, nie laut sind. Es sind immer Menschen, die selbst sehr viel Schweres erlebt haben und Ausstrahlung, Charisma besitzen. Bescheidenheit. Und doch sehr klar sind.

Ich denke Vorsicht ist immer geboten bei Leuten, die anderen ihre Ideologie verkaufen wollen oder solchen, die so wahnsinnig „erleuchtet“ daherkommen. Da bin ich immer ganz schnell weg ^^

„Lilian“ spiegelt zu einem Gutteil Deine Lebensgeschichte wieder. Gibt es schon Ideen für weiteren Romanstoff?

Ja! Eine neue Geschichte voller Farben… und Morbidität ^^

Und eine Sammlung von Kurzgeschichten, die darauf warten, geschrieben zu werden.

Susanne, ich danke Dir für das Gespräch.

Das Interview zeichnete Tristan Rosenkranz auf.

Bildnachweis: Maud Susann Unger
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Line Bogh „Ich hab nie etwas anderes in Betracht gezogen“ [Interview Teil 2] | Outscapes #7

[Interview Teil 1 ist in Druckversion im Magazin für alternative (Genuss)Kultur „Outscapes“- Ausgabe #7 erschienen. Line Bogh ist am 21. 04. 2018 auf Burg Ranis live zu erleben.]

… Wo werdet ihr noch unterwegs sein?

Im Frühjahr 2018 spielen wir 16-20 Konzerte in Deutschland und ich hoffe noch einmal so viel im Oktober. Hier habt ihr eine Übersicht der bisher bestätigten Termine: 14. 02. – Koppelschleuse Meppen, 15. 02. – Café Ludwig, Halle, 17. 02. – Kultur Schlachterei, Rendsburg, 21. 02. – Tonfink, Lübeck, 23. 02. – Strudelhof Magdeburg, 24. 02. – Prinz Willy, Kiel, 13. 04. – Spieker Eckernförde, 14. 04. – Café Book, Jesteburg, 18. 04. – Lesecafé Odradek, Chemnitz, 19. 04. – Wulbert’s Cafe und Bar, Dresden, 20. 04. – Wohnzimmer, Chemnitz, 21. 04. – Literatur- und Kunstburg, Ranis, 06. 06. – Bei Hempels auf dem Sofa, Leipzig, 08. 06. – Mastul, Berlin, 09. 06. – Komm Du, Harburg, Hamburg, 10. 06. – Noch Jemand Wein, Bielefeld.

Wie ist dein Fankreis in deiner Heimat Dänemark, bzw wie wirst du deiner Meinung nach in Deutschland wahrgenommen?

Dänemark ist ein kleines Land, was zugleich gut und schlecht ist. Das Gute ist, es gibt eine gute Förderung für Künstler, so dass auch die kleinen Künstler überleben können. Die schlechte Seite ist die, dass es zu wenig Raum für all die vielen unterschiedlichen Musikstile gibt und es kleine, unbekannte Künstler schwer haben, selbst ein kleines Publikum auf sich aufmerksam zu machen und zu einem Konzertbesuch zu locken. Das ist etwas was ich an Deutschland sehr mag und schätze, trotzdem die klassischen Medien wie Rundfunk und Fernsehen vom Mainstream dominiert sind, gibt es so viele tolle kleine Läden wo die Leute hingehen, um neue Musik zu entdecken. In dieser Hinsicht habe ich wirklich so viele tolle Erfahrungen in Deutschland gemacht. Und es macht für mich auch viel mehr Sinn mich hierauf zu fokussieren anstatt den Code zum Airplay im dänischen Radio zu knacken (lacht).

Als ich Anfang 2017 zum ersten mal deine Musik hörte, musste ich zwangsläufig an Björk denken. Heute kann ich gar nicht mehr genau sagen, warum. Passiert dir das öfter, dass du mit der isländischen Musikerin verglichen wirst? Wenn ja, was meinst du, woran das liegt? Und wie ist das für dich?

Ich bin ein grosser Björk-Fan, daher freue ich mich, dass du da eine Ähnlichkeit entdeckt hast, aber ehrlich gesagt höre ich das nicht sehr oft, ich glaube du bist der Erste… die meisten Leute sagen eher Feist oder Joni Mitchell, hahaha.

Wer inspiriert dich?

Ich höre immer noch gerne das alte Zeug wie Dylan, die Beatles, Nick Drake und Paul Simon. Kürzlich habe ich die Norwegische Sängerin Ane Brun für mich entdeckt, welche wirklich grossartig ist.

Was bedeutet Kunst allgemein für dich?

Kürzlich bin ich aus dem Zentrum von Kopenhagen gezogen, raus an den Stadtrand und näher an meinen Arbeitsplatz. Mein Freund und ich teilen uns einen Arbeitsplatz in einer alten Fabrik. Dort gibt es sehr viele Künstler und da unser Herbst sehr arbeitsreich war, haben wir viel Zeit mit den unterschiedlichen Leuten dort verbracht.
Dort herrscht so eine gewisse Atmosphäre. Wenn viele Leute versuchen, etwas neues zu entwickeln – jede/r hat hierbei ja seine/ihre eigene Idee wie die Sache umzusetzen ist und alle haben so eine große Leidenschaft für ihre Arbeit. Ich glaube, diese Energie die in diesem Prozess entsteht, zu der habe ich eine Abhängigkeit entwickelt was auch mit ein Grund ist, warum ich nichts anderes tun kann. Ich brauche dieses Gefühl von Potential was es gilt zu Tage zu fördern, wunderbare Musik, die ich eventuell zu Papier bringe. Und das hört nicht auf – die Ziele und auch die Ideen drumherum ändern sich ständig und das ist was meine Welt ausmacht und lebendig hält.

Hast du Ziele und Wünsche, deine Musik, aber auch dich ganz persönlich betreffend?

Ich mache gerade meinen Führerschein, also das ist mein großes Ziel für 2018. Ich möchte ein Auto fahren können. Davon abgesehen, bin ich so begeistert über die neue Show mit meinem Freund und diesen visuellen Inputs, ich glaube die Sache wird ein Burner, ein Highlight 2018! Also liegt mein Fokus darauf, richtig… richtig gut zu werden in meinem Spiel, um dann so oft wie möglich aufzutreten.

Eine abschließende Frage, die mich persönlich sehr interessiert: Wird, wie in Deutschland zur Zeit, auch in Dänemark über das Bedingungslose Grundeinkommen, ein staatliches Einkommen also, als Grundstock zur Finanzierung des Lebens ohne Bedingungen, diskutiert? Wenn ja, wie stehst du dazu, gerade hinsichtlich der Förderung und Unterstützung von Künstlern und Kulturschaffenden?

Ja, diese Diskussion führen wir auch und ich glaube es gab auch ein Experiment in diese Richtung vor nicht allzu langer Zeit. Sie hatten eine Gruppe Leute, die seit geraumer Zeit vom Arbeitsmarkt entfernt waren und sie bekamen alle Sozialhilfe/Arbeitslosengeld. Ihnen wurden gestattet, zu tun was sie wollten, sie hatten unbezahlte Arbeitsplätze an Orten an denen sie gerne tätig sein wollten und so. Der Versuch war ein voller Erfolg – einige Leute haben wieder in den Arbeitsmarkt zurück gefunden und insgesamt hat man heraus gefunden das die Menschen glücklicher, weniger gestresst und gesünder usw. waren. Wir haben eine Partei in Dänemark, die diesen Ansatz stark unterstützt ( Alternativet ) und ich denke, es ist eine spannende Idee. Für mich macht dieser Ansatz sehr viel Sinn.

Vielen Dank für das Interview.“

Das Interview führte M. Kruppe. Teil 1 des Interviews und vieles mehr finden Sie im „Outscapes“-Magazin #7 [Edition Outbird]. Bildnachweis: Christian Gundtoft.
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Peter Wawerzinek „Schreiben als Befreiung“ [Interviewauszug] | Outscapes #5

„…Was bedeuten Ihnen Würdigungen wie der Ingeborg-Bachmann-Preis? Dankbare Reparation eines langen Heilungsweges? Sichtbarmachung als herausragender Schriftsteller?

Es war die letzte Möglichkeit für mich, den Kopf herauszustecken, mich zu zeigen, meine Schreiberei wichtig werden zu lassen. Ich war bereits abgeschrieben und kam mit diesem Knaller zurück, ganz weit nach vorne. Ich habe ja vorher das Schreiben schon aufgegeben, mich abgeschrieben, ernsthaft gedacht, ich hätte das Zeug nicht dazu, mehr Leute als nur den Freundeskreis zu interessieren. Ich bleibe was ich bin, nur nimmt man mich jetzt viel mehr wahr. Der Preis hat viele, viel Türen und Fenster für mich geöffnet. Ich existiere nun schon sieben Jahre danach, schreibe neu und weiter, weiter…

Einst sagten Sie „Du musst den Blues hassen, um guten Blues zu machen“ – trifft das auch auf die Schriftstellerei zu?

Um dem Leser etwas zu geben muss man die Kollegen gewissenhaft sortieren und den Teil von ihnen ablehnen, der nur nach Ansehen und Finanzen lugt. Also all die Leute, die seltsam werden und eingebildet, sobald sie mit ihrer Taktik Erfolg haben. Sie wenden sich vom alten Leben ab, wenn man sich ihnen zuwendet, die Kritik sie lobt und in die Bestsellerlisten schießt. Man erkennt sie. Sie riechen nach Ruhm. Ich mag sie nach wie vor nicht. Es gibt da eine lange, lange Liste im Hirn von mir, von derartigen Selbstverliebten, die sehr geschickt agieren oder einfach besser vernetzt sind als andere, und dadurch allein schon im Geschäft bleiben. Ich hasse sie nicht mehr. Ich bedauere sie eher. …“

Das Interview führte Tristan Rosenkranz. Das gesamte Gespräch und vieles mehr finden Sie im „Outscapes“-Magazin #5 [Edition Outbird].

Bildnachweis: Gerd Adloff
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Jennifer Sonntag interviewt Luci van Org

Wir wollen es uns nicht nehmen lassen, an dieser Stelle auf das spannende Interview von Jennifer Sonntag mit Luci van Org im Rahmen des Sendeformats „Selbstbestimmt“ des Mitteldeutschen Rundfunks hinzuweisen, das am vergangenen Mittwoch ausgestrahlt wurde. Beide stehen mit dem „Outbird“-Netzwerk in Verbindung, von beiden empfehlen wir in unserem Onlinestore absolut lesenswerte Bücher (bitte hier und hier entlang), nicht zuletzt hatten wir unlängst erst die Freude, Luci van Org im Interview in unserem letzten „Outscapes“-Magazin #5 vorzustellen. In diesem Sinne: Zum besagten Interview folgen Sie bitte diesem Link.

Bildnachweis: Mitteldeutscher Rundfunk
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Majorlabel „Wir sind kein Punk-Label!“ [Interviewauszug] | Outscapes #4

„… Das Majorlabel wurde 1998 gegründet. Wie verrückt muss man sein, ein Independentlabel zu gründen, was war die Initialzündung? Welche Voraussetzungen habt ihr mitgebracht?

Mein Labelkollege Robert hatte damals mit dem Schlagzeuger der „Fliehenden Stürme“ schon ein eigenes Label betrieben, und irgendwie hat das dann nicht mehr ganz so gut funktioniert. Er wollte dennoch weitermachen, und da wir beide aus dem ostthüringischen Ort Berga kommen und ich damals die Band „Verbrannte Erde“ am Laufen hatte, kamen wir bei einer unserer Proben letztendlich ins Gespräch. Quasi entstand aus denselben Interessen und der gemeinsamen Idee, von Bands, die wir cool finden, Platten zu veröffentlichen, dann das Majorlabel. Begonnen hatte damals alles mit einer Rostocker Band namens „State of Emergency“. Die hatten wir in Weimar erlebt und rotzfrech gefragt, ob wir deren drittes Tape auf Vinyl veröffentlichen können. Somit ist der erste Tonträger auf dem Majorlabel entstanden. Das war die Initialzündung für weitere Veröffentlichungen.

[…]

Ihr verlegt unter Anderem Bands wie Die Art, Sandow, Fliehende Stürme, EA 80, aber auch Hörbücher von preisgekrönten Hörbuchautoren wie Kai-Uwe Kohlschmidt oder Kai Grehn – Vorsprung durch Vertrauen oder gute Geschäftsfreundschaften? Gibt es so etwas wie einen Kollektivgedanken in der Szene?

Wenn wir Veröffentlichungen ankurbeln, ist es dann schon auch eher eine freundschaftliche Basis mit den Künstlern. Also, wir machen keine Verträge, das wäre uns auch zuwider….und das funktioniert bis jetzt ganz gut. …“

Das Interview führten M. Kruppe und Tristan Rosenkranz. Das gesamte Gespräch und vieles mehr finden Sie im „Outscapes“-Magazin #4 [Edition Outbird].

Im Bild: Andreas Ettler („Eddie“).

Zwischen Blindheit und Kunst | Jennifer Sonntag

Die blinde Hallenser MDR-Moderatorin und Autorin Jennifer Sonntag ist seit vielen Jahren über verschiedene Projekte mit den Machern hinter „Outbird“ verbunden. Im Anfang November ausgestrahlten Interview im Rahmen der MDR-Sendung „MenschPromi“ berichtet sie eindrucksvoll und für jeden Nichtblinden besser verständlich über ihr Leben ohne Augenlicht und ihre zunehmende Neigung zu Kunst und Literatur als Ausdrucks- und ästhetisches Stilmittel. Wir erlauben uns anbei auf den knapp sechseinhalbminütigen Sendemitschnitt zu verweisen.

Wer Interesse an ihren Veröffentlichungen als Autorin hat, wird im Outbird-Shop unter diesem Link (das 2010 herausgegebene Hörbuch „Zigaretten danach“ mit Prosa und Lyrik zwischen ätherisch und morbide) sowie unter diesem Link (das 2015 veröffentlichte Buch mit CD „Liebe mit Laufmaschen“ mit Kurzgeschichten zwischen Fetisch und obskur) fündig.

Bildnachweis: Blindverstehen.de

Herzlich willkommen beim „Outscapes“-Onlinemagazin

coverendversionHerzlich willkommen beim „Outscapes“ – Onlinemagazin für alternative (Genuss)Kultur. Mit dem Onlinemagazin initiieren wir als „Outscapes“-Redaktion eine Resonanz zum Printmagazin: während hier Interview- und Beitraganschnitte zu unserem Printmagazin Niederschlag finden werden, werden Freunde und Aktive der Alternativkultur hier eine Vertiefung unserer vierteljährlichen Printausgabe finden. Sei es mit einer größeren Auswahl ihrer literarischen Texte oder Kunstwerke, sei es mit ausführlicheren Interviews, Beiträgen und Features, sei es in Form von bewegten Bildern, Songs oder Podcasts, sei es aber auch, um mit einem einfachen Klick ihr künstlerisches Herzblut in unserem Onlineshop entdecken und erwerben zu können.