[ Rezension ] Dirk Bernemann „Ich hab die Unschuld kotzen sehen IV“

[Im Zusammenhang mit nachfolgender Rezension verweisen wir gern auf die Verlosung seines handsignierten aktuellen Buches. Informationen dazu gibt es unter diesem Link.]

Dirk Bernemann sucht kleine Wunden und reißt sie brutal auf

Es ist nichts Neues, wenn Attribute wie „melancholisch“, „düster“, zuweilen sogar „pessimistisch“, aber auf jeden Fall auch „humorvoll“ und der Name Dirk Bernemann in einem Satz genannt werden. Bernemann ist kein Unbekannter Autor (mehr) und jene Attribute könnte man als Markenzeichen bezeichnen, wenn da nicht eine Art Lot durch seine Texte ginge, das die Tiefen des in Berlin lebenden Schreibers eindeutig als authentisch ausmachen würde. Was wir in den Büchern Bernemanns lesen, ist keine aufgesetzte Masche, ist kein Haschen nach Aufmerksamkeit und schon gar nicht der krampfhafte Versuch, Pointen zu verfolgen, sie künstlich zu installieren um der „literarischen“ Mode unserer Zeit gerecht zu werden. Dirk Bernemann ist echt, ist ein Mensch mit einem scharfen Blick in einer unscharfen Zeit. Und seine, man muss tatsächlich sagen: depressive Erscheinung zeigt, dass da keine Maske vor einem doch oftmals traurigen Gesicht liegt.

So auch in dem nunmehr vierten Teil des ersten Bestsellers „Ich hab die Unschuld kotzen sehen“.

In seinen Storys beleuchtet er einmal mehr die negativen Seiten des Seins, erzählt vom Suizid eines Teenagers, spricht von einer Beziehung die keine ist und die mehr als unschön endet und von der Veränderung einer anderen Beziehung durch einen wirklich tragischen Schicksalsschlag. Und spätestens hier hatte er mich, wie er mich auch in seinen anderen Büchern bekam.

Allerdings geschah bei Lesen eben dieser erwähnten Story etwas, das mir noch nie beim Lesen einer Story passiert ist. Die Kombination von Sprache in dem für Bernemann so typischen Stil, die Nichtvorhersehbarkeit des Verlaufs und am Ende die Tatsache der Eigentlichkeit, der Wendung der Handlung bauten mir erst einen Kloß in den Hals. Das aber reicht dem Autor nicht. Er will den Schmerz ganz ausdehnen so scheints und reißt die gestochene Wunde ganz langsam, beinahe sorgfältig und doch mit einer derartigen Wucht auf, dass ich ernsthaft heulen musste. Und wie gesagt, das ist mir noch nie beim Lesen eines Buches so gegangen. Und ich wage zu behaupten, dass er sich selbst beim Schreiben dieser Story ein bisschen quälen wollte.

Mit dem für ihn so bekannten schwarzen Humor macht er auch keinen Halt vor Menschen mit Behinderungen, ohne dabei aber beleidigend zu werden, der von oben herab zu wirken. Er nennt das Kind, das in seinen Geschichten oft schon längst in den Brunnen gefallen ist, beim Namen, ja, er ruft hinterher, um zu erfahren, ob es noch lebt. Und wenn es noch lebt, wirft er Steine hinterher, damit es sich im Todeskampf nicht quälen muss. Man könnte auch den Rettungsdienst rufen, aber Dirk Bernemann ist nur Beobachter…

„Ich hab die Unschuld kotzen sehen IV“ ist ein Muss für jeden Optimisten, der einmal die andere Seite der so viel genannten Medaille sehen will, eine absolute Empfehlung für jeden Pessimisten, der sich bestätigt sehen will und eine nicht weniger dringende Empfehlung für alle Anderen, irgendwo zwischendrin, die keinen Bock haben auf die „Friede-Freude-Eierkuchen-Welt“ fernab aller Deutlichkeit.
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Die Rezension verfasste M. Kruppe; in der Dezember-Ausgabe unseres „Outscapes“-Magazins finden Sie im Printformat Teil 1 des Interviews mit Dirk Bernemann, online unter diesem Link Teil 2.

Dirk Bernemann in unserem Onlinestore: Bitte hier entlang.

Bildnachweis: Sophia Vogel
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Dirk Bernemann „Irgendwo ist da ständig was, was raus will“ [Interview Teil 2] | Outscapes #6

[Interview Teil 1 ist in Druckversion im Magazin für alternative (Genuss)Kultur „Outscapes“- Ausgabe #6 [Edition Outbird] erschienen. In diesem Zusammenhang verweisen wir gern auch auf die Verlosung seines neuen, handsignierten Buches „Ich hab die Unschuld kotzen sehen – 4“ unter Neu-AbonnentInnen.]

„… Du bist ja auch viel auf den (Lese-)Bühnen des Landes unterwegs. Was ist dir wichtiger, das Schreiben selbst, die Veröffentlichung, oder die Bühne? Und warum ist das so?

Mittlerweile mag ich beides. Früher hab ich mich auf der Bühne geschämt, weil meine Texte eher laut waren und ich persönlich eher ein leiser Mensch, da war es schwierig, die Texte ohne eine gewissen Peinlichkeit zu performen. Das wurde dann im Laufe der Zeit kongrunenter. Einfach durch Übung und Erfahrung. Mittlerweile geht das ganz gut auf der Bühne. Ich versuche mich proffessionell zu verhalten und nicht zu dumm zu wirken. Aber die Arbeit am Schreibtisch zuhause, alleine, die ist das Wesentlichste meiner Arbeit. Da sprudelt alles, da kommt alles zusammen, da knallen die Ideen aufeinander. Bin so eine Art Literaturmessie, ich hebe alles auf, habe 30 Notizbücher und versuche alles auf einmal zu nutzen, wenn ich im Prozeß bin.

(Zur Buchbestellung bitte Cover anklicken)

Gibt es andere künstlerische Ausdrucksformen, an denen du dich probierst bzw. die du verfolgst? Musik zum Beispiel, Malerei, Theater?

Ja, habe schon ein Theaterstück geschrieben, dass 2015 auch in München Premiere hatte. Bella Noir – 2 Zigaretten Demut hieß das und es ging um deutschen Schlager und seine scheiternden Protagonisten. Ansonsten, ja Musik in verschiedene Konstellationen, Improtheater und ich versuche ein bisschen zu zeichnen, was aber über Einbildcomics nicht hinauskommt. Aber immerhin, irgendwo ist da ständig was, was raus will.

Wie kam es, dass Philipp Boa deine Arbeit honorierte?

Ich bin schon ewig Fan von ihm und hab auch immer kleinere Passagen als Hommage in meinen Texten und Büchern gehabt. Irgendwie hat er das mitbekommen und hat sich ein bisschen mit meinem Zeug beschäftigt, er hat ja in seinen Texten auch immer viele Literaturbezüge. Dann haben wir uns mal getroffen und dann hab ich sogar zweimal vor Konzerten von ihm, eine Hommage, bzw. die Ansage machen dürfen. Das war wunderschön.

Wer und/oder was inspiriert dich?

Menschen. Spazierengehen. Lesen. Musikhören. Ich glaube, ich hole mir alles, was ich brauche aus dem Alltag und aus meiner Person. Da liegt genug rum für Literatur bis zu meinem Ableben.

Wie wichtig ist dir Kunst im Allgemeinen? Bist du „privat“ an Kunst interessiert?

Mega wichtig. Die Ausdrucksformen anderer Leute interessieren mich total. Wie die alle so mit der Welt umgehen, ohne sich umzubringen. Aber da begegnen mir auch immer wieder so Honks, die Kunst eher behaupten als machen. Die sind aber schnell zu entlarven. Aber es ist nicht in meinem Interesse, irgendwen zu entlarven, ich bin ganz glücklich in meinem eigenen Universum.

Gibt es für dich alternative Kunst und Kultur oder gehört alles, was Kunst ist, in einen Topf?

Komische Frage. Da muss man halt genauer definieren. Vereinfacht gesagt, ist Kunst eher die Befähigung zur Tätigkeit, irgendwas zu erschaffen und Kultur eher das Umfeld, in dem so etwas stattfindet. Bin kein Wissenschaftler, aber ich glaube, das stimmt trotzdem.

Last but not least interessiert natürlich, ob du derzeit an Neuem arbeitest. Wenn ja, kannst du schon einen kleinen Ausblick geben worum es gehen wird und ob es schon einen vagen VÖ Termin gibt?

Oh ja, ich schreibe gerade ein Buch mit zwei sehr lieben Kollegen zusammen, es geht im weitesten Sinne um Liebe und um deren negative Auswüchse und in meinem Beitrag auch um Theater, Gewalt und Jazz. Wahrscheinlich ist das alles Frühjahr 2018 spruchreif.

Ich bedanke mich…

Ich danke Dir!“

Das Interview führte M. Kruppe (Rezension folgt nach). Teil 1 des Interviews und vieles mehr finden Sie im „Outscapes“-Magazin #6 [Edition Outbird].

Dirk Bernemann in unserem Webstore: bitte hier entlang.

Bildnachweis: Sophia Vogel
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Druckfrisch eingetroffen: Outscapes-Magazin #6 mit Buchverlosung Dirk Bernemann und Frau Kopf

Druckfrisch und – selbstverständlich subjektiv – schöner denn je, liegt mit dem heutigen Tag Ausgabe Numero 6 unseres „Outscapes“-Magazins für alternative (Genuss)Kultur zur Auslieferung und Verteilung an unsere AbonnentInnen, LeserInnen und Auslagestellen bereit. Unter anderem mit an Bord: Die AutorInnen Dirk Bernemann, Frau Kopf und Hauke von Grimm sowie die melancholische Berliner Popperle „Yeah But No“ im Interview, die Vorstellung des leckeren Premiumwodkas „Bulbash“, das starke Artwork der Coverkünstlerin Benswerk, aber auch eine Auswahl Prosa, Rezensionen und Kolumnen und einiges mehr.

Verlost werden unter den ersten Neu-AbonnentInnen und Shop-BestellerInnen jeweils handsigniert Dirk Bernemanns Buch „Ich hab die Unschuld kotzen sehen IV“ sowie Frau Kopfs brandneues Buch „Brachialromantik„. Wir wünschen viel Glück; der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen.

Bestellt werden kann das Magazin ab sofort in unserem Shop – wir freuen uns auf Sie und Euch!
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In Kürze: „Outscapes“-Magazin #6 mit Buchverlosungen (Dirk Bernemann und Frau Kopf)

Layout und Inhalte des „Outscapes“-Magazin #6 liegen in den letzten Zügen. Um die Vorfreude zu erhöhen, weisen wir gerne darauf hin, dass mit der kommenden Ausgabe gleich zwei wunderbare, handsignierte Neuerscheinungen verlost werden: Dirk Bernemanns „Ich hab die Unschuld kotzen sehen 4„, aber auch das langersehnte und Anfang Dezember erscheinende neue Buch „Brachialromantik“ der Berliner Autorin Frau Kopf. Neben den beiden Neuerscheinungen verlosen wir anlässlich des bevorstehenden Weihnachtsfestes noch fünf weitere Leseperlen aus unserem Onlinestore (Einzelheiten unter diesem Link).

Was dafür zu tun ist? Einfach in unserem Onlinestore ein Abonnement abschließen oder einen Artikel bestellen, in der Bestellnotiz „Buchverlosung“ und AutorInnenwunsch einfügen und – viel Glück! Wie immer ist der Rechtsweg abgeschlossen.

Weitere spannende Themen in der kommenden Ausgabe: Interviews mit den melancholischen Popnewcomern „Yeah But No“, dem Autorenurgestein Hauke von Grimm, aber auch Rezensionen, literarische Kostproben, eine Wodkabesprechung… es bleibt spannend!

Bildnachweis: Marco Fechner
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