M. Kruppe „Im Land der Dichter und Denker“ [Kolumnenauszug] | Outscapes #4

„… So lange unsereins nicht die Zeit gegeben wird, das zu tun, was wir vielleicht wirklich könn(t)en, solange wird’s auch nichts mit der professionellen Schreiberei. Klar haben wir uns unser Leben so ausgesucht, aber die Zwänge, vertretend zum Beispiel vom hämisch grinsenden Jobcenter-Mitarbeiter, sind garstige Klauen, die sich in deinen Schopf graben und dich am selben durch die Botanik deines Daseins zerren. […]

Durch meine Arbeit im Kunst- und Kulturverein Corvus e.V. kenne ich einige Künstler*innen, deren Bilanz eben die eines Künstlers ist, und deswegen gezwungen werden, sich zum Altenpfleger, Kinderpfleger, Kloputzer weiterbilden zu lassen, um als solche ihr Dasein fernab aller Kreativität zu fristen. Bestenfalls werden sie so Wochenend- oder Hobbykünstler, deren Schaffen nichts Halbes und nichts Ganzes ist.

[…]

Ein Land, das sich stets darauf beruft, das der „Dichter und Denker“ zu sein, das sich stolz geschwollener Brust in die vorderen Reihen stellt und seine Künstler lobt, seine kulturelle Tradition in alle Himmel hebt, lässt dieselben am ausgestreckten Arm verhungern und schlimmer noch: es geißelt sie, es peinigt sie, es macht sie lächerlich, stellt sie bloß und reduziert den Ruf. „Oh sie sind Künstler?! Sie schlafen also bis Mittags, spielen dann mit Pinsel und Farbe und machen sich gegen fünf die erste Flasche Wein auf, um sich dann im Laufe des Abends vollends abzuschießen!“ …“

Die gesamte Kolumne finden Sie im „Outscapes“-Magazin #4 [Edition Outbird].

Bildnachweis: Stef Schmidt