„Es sind jene, die in den Schatten hausen, die mich schon immer faszinieren“ – Holger Much im Interview

Holger Much ist einer dieser hochkreativen Vielkanalkommunikatoren, die sich in unserem Netzwerk bewegen. Als sympathischer Typ mit durchaus erträglichem schwäbischem Akzent, der er ist, hinterlässt der Maler, Grafiker, Illustrator und Musiker Much zahlreiche Spuren in den Werken befreundeter KünstlerInnen und den Gemütern seiner wachsenden Liebhaberschaft. H. R. Giger, Luci van Org, Asp Spreng, Faun, Letzte Instanz, Illuminate, Christian von Aster und viele andere Namen tauchen auf, wenn man sich mit Holgers Schaffen auseinander setzt.

Bei Edition Outbird debütierte Holger Much im Sommer 2018 mit der Covergrafik zu Susanne Agnes Fausers Roman „Lilian“, im September 2019 folgte die Covergestaltung zu Pia Lüddeckes Werk der Schauerromantik „Geister“. Und nun endlich auch Zeit, mit Holger über sein Werk zu reden.Holger, Dich umgibt ein ziemlich breitgefächertes Kaleidoskop vorwiegend dunkler Künste, die Liste Deiner Kooperationen und künstlerischen Gemeinschaftsprojekte wird kontinuierlich länger. Was ist das Geheimnis Deines Erfolgs? Sympathie und Bescheidenheit? Lebenshunger? Die Schönheit menschlichen Miteinanders?

Lieber Tristan, zunächst einem herzlichen Dank für Dein Interesse an dem „sympathischer Typ mit durchaus erträglichem schwäbischem Akzent“ – ach ist das herrlich.

Setz Dich, nimm Dir einen Kaffee. Zucker? 🙂

Habe ich Erfolg? Diese Frage stelle ich mir immer wieder. Und ertappe mich ständig dabei, dass ich jedes „erfolgreich“ abgeschlossene Projekt, sei es ein Buch, eine Ausstellung oder Lesung oder ein musikalisches Projekt, mit den Gedanken „Ach, das war doch nur wieder Glück…“ begleite. Abgesehen davon hast Du schon sehr viele sicher wichtige Punkte genannt: Sympathie – den beeindruckenden Künstlerpersönlichkeiten gegenüber, mit denen ich nun zusammenarbeiten darf. Und ja, Bescheidenheit vielleicht – hoffentlich, denn ich fühle bei jedem neuen Projekt diese warme Mischung aus tiefer Dankbarkeit und leiser Verwunderung.

Lebenshunger!? Auf jeden Fall! Ich musste und durfte im Laufe meines mäandernden Lebens immer wieder feststellen, dass es das Realisieren von kreativen Träumen das Erschaffen von Welten ist, was mich antreibt und dem Sein einen Sinn gibt. Und bei all dem – es klang vorher schon an – ist es die Schönheit menschlichen Miteinanders, die die Schönheit dessen, was ich tun darf, noch vervollkommnet. Ich liebe all diese herrlichen, klugen, teils komplizierten und extrem schöpferischen Geister, die mir auf die ein oder andere Weise gestatten, an ihrem Lebenswerk ein Stückchen mitzugestalten. Und das ist, bedenkt man es, ein großes Geschenk.

Susanne Agnes Fausers „Lilian“: Zum Verlagsshop bitte Cover anklicken.

Ganz zum Schluß, so hoffe ich zumindest, kommt dann vielleicht doch auch ein klein wenig künstlerisches Können und Handwerk dazu und, wie ich von Herrn von Aster gelernt habe, „Magie“!

Wie würdest Du Deine künstlerische Handschrift beschreiben? Mit welchen Techniken und Materialien arbeitest Du?

Hmmm … den ersten Teil der Frage sollten vielleicht besser andere beurteilen als ich selbst. Aber soweit es mir möglich ist, es zu beurteilen, würde ich meinen Stil als düster-märchenhaft beschreiben. Mich interessiert selten bis nie das grelle Licht, das keine Geheimnisse offenlässt, noch das wirkliche absolute Dunkel – es sind jene, die in den Schatten hausen, die mich schon immer faszinieren. Dabei versuche ich den unmöglichen Spagat zu schaffen, das Schattenhaft-Nebelhafte mit meiner Liebe für klitzekleinste Details zu vereinen. Zudem ist es mir wichtig, mich vom Stil her nicht allzu sehr an Bestehendes, Beliebtes anzulehnen – sei es die typische Optik der Fantasy-Illustrationen oder der typische Strich von großen Helden wie Brian Froud, John Bauer, Theodor Kitteln oder John Howe.

Ich arbeite chaotisch. Da kommt alles drauf und rein was passt! Aquarell, Tempera, Acryl, Bleistift, Farbstifte, farbige Tuschen, Ölfarben. Dadurch entstehen die tiefen Oberflächenstrukturen, die ich so mag. Alles lebt und vibriert und wuselt. In den vergangenen Jahren habe ich diesen Stil auf das digitale Zeichnen übertragen.

Du arbeitest als Grafiker und Illustrator, aber auch als Musiker. Was sind Deine künstlerischen Wurzeln, was Deine hervorstechendsten Werke und welche Ziele hast Du noch?

Oh, so viele Fragen auf einmal. 🙂 Ich denke, meine künstlerischen Wurzeln liegen in der ambivalenten Faszination der Natur, von der es bei uns auf der Schwäbischen Alb genug zu erleben gilt. Schon immer „lebte“ dort für mich alles. Dazu kamen einschneidende Erlebnisse wie Tolkiens „Herr der Ringe“, der Film Ralph Bakshis dazu (später dann natürlich Jacksons Verfilmung), „Der dunkle Kristall“ oder die leider völlig verkannten Muminbücher von Tove Jansson. Diese Kostbarkeiten skurriler stiller Schönheit sind nur jedem zu empfehlen, egal welchen Alters.

Meine künstlerischen Heroen – von Froud bis Kittelsen – habe ich schon genannt. Und in der Musik waren es die Klänge von Jethro Tull, Andreas Vollenweider, Clannad oder Kate Bush, die meine frühe Jugend und damit mich bis zum heutigen Tag prägen … Klänge, in denen man die Natur hören kann, voller Magie, skurriler Schönheit – und Melancholie…

Die Frage nach meinen hervorstechendsten Werken ist fast unmöglich zu beantworten, sind es doch mittlerweile so viele. Und ich liebe jedes meiner „Kinder“. Aber vielleicht darf ich die Bücher mit Asp sowie Christian von Aster nennen, das Cover für Ally Storchs Album „Up“, musikalisch den „Koboldtanz“, den es im Buch „Das Koboltikum“ zu hören gibt. Die Sonderedition des Stückes ist komplett vergriffen. Und mein Kelpy-Album „Tanz in den Tod“, auf den so viele wunderbare Menschen mitgewirkt haben … auch hier wieder: Magie! 🙂

PiaLüddeckes „Geister“: Zum Verlagsshop bitte Cover anklicken.

Du kannst auf die einzigartige Erfahrung zurückblicken, mit H. R. Giger zusammengearbeitet zu haben. Wie kam es zu dieser Symbiose und wie gestaltete sich Eure Zusammenarbeit?

Damals hatte ich wirklich die Hosen gestrichen voll. Ich arbeitete mit Achim Schnorrer zusammen (Schwermetall, Comic-Salon-Erlangen), und er wiederum gab ein kleines edles Werk heraus, die „Giger Mini Galerie“. Für die Sonderedition jedes Buches sollte eine Radierung – ein Blatt im Ätz-Tiefdruckverfahren – beigelegt werden, signiert vom Meister. Und da Giger selbst die Technik der Radierung nicht beherrschte, kam ich ins Spiel. Er schickte – meist mitten in der Nacht, wenn alles außer ihm schlief – Skizzen und Motive per Fax (ja, sowas gab es damals noch), und am nächsten Abend telefonierten wir dann und besprachen, was er sich vorstellte. Meine Aufgabe war es dann, seine Motive mittels Kupferplatte, Radiernadel, Asphaltlack und Säure – und Druckerpresse natürlich – zu vervielfältigen. Ich war starr vor Ehrfurcht. Und bin stolz bis heute, dass ich mit ihm zusammenarbeiten durfte. Und ein wenig ungläubig…

Wesentliches Merkmal Deiner Arbeit sind magische, fantastische, dunkle Spielarten, Du gestaltest Cover für Edition Roter Drache, den Leseratten-Verlag, Periplaneta und Edition Outbird und bist mittlerweile eine feste Größe auf dem jährlichen WGT. Immer wieder auch begegnet Deine Arbeit den Werken von Magiern wie Kenneth Grant als Schüler Aleister Crowleys oder der Schamanin Susanne Agnes Fauser. Man kommt um die Vermutung nicht drumherum, dass Magie ein wesentliches Element Deines Wesens ist – ist dem so?

Hm. Da ich aktuell am Cover eines weiteren magischen Buches arbeite – hihi – und das Wort Magie bereits mehrfach fiel, ohne dass ich wusste, dass Du diese Frage stellen würdest, kann ich es schlecht verneinen. Wobei ich nicht zu jenen Menschen gehöre, die nachts an Feuern magische Rituale vollziehen. Zudem könnte man natürlich Bücher darüber füllen, was „Magie“ denn bitteschön ist. Wie bereits vorher gesagt: die Dinge hinter den Dingen. Für mich spielt sie eine mittlerweile immer größere Rolle im Leben, aber eher in dem Sinn, dass ich versuche, einen Zustand zu erreichen, in dem man auf den Wogen von … etwas … treibt, das einen trägt und lenkt – und das durchaus in eine Richtung, die man ansteuert. Ein Flow, den ich auch beim Zeichnen erreiche … vielleicht ist Zeichnen eines meiner Rituale, um jene Mächte oder Götter zu beschwören, die mich beflügeln… (und ja, Kaffee ist die einzige „Droge“, die mich hierbei unterstützt…)

In und seit den letzten Jahren gab und gibt es zahlreiche Entwicklungen, Vernetzungen und Veröffentlichungen, die ihre Wurzeln in der Gothic- oder Fantastik-Kultur verorten und in eine gedeihliche Verlags- und Literaturlandschaft mündeten. Wie schätzt Du diese einzigartige Kultur ein, welche Mängel, Erfolge und Ziele siehst Du?

Das zu beurteilen möchte ich mir als jemand, der sich dennoch eher als Randfigur sieht und definitiv nicht als Fachmann, eher nicht zumuten. Was ich ganz persönlich sagen kann ist, dass ich in dieser Szene und bei diesen Leuten einfach jene Bereitschaft sehe, Träume zu leben, für die Kunst zu leben und Kreativität den ihr gebührenden Raum zu geben. Es sind Idealisten. Es sind – im BESTEN Sinne – Träumer, Zauberer, Macher – und alle, so unterschiedlich sie auch sein mögen, mit Herz. Eine kleine – nun erlaube ich mir, etwas sentimental zu werden – Familie. Und dies erleben zu dürfen, tut mir, und sei es nur aus der Ferne, unheimlich gut. Es wäre schön, wenn all dies möglichst lang erhalten bliebe und nicht zu sehr in reines – ich verwende hier nun bewusst die englische Formulierung – „Business“ abrutschen würde.

Holger Muchs „Kelpy“: Zu Amazon bitte Cover anklicken.

Deine Arbeiten müssen ein Fest für (nicht nur) Synästheten sein, die Buchmesse Saar schreibt: „Es wispert und raunt in seinen Bildern, Blätter rascheln und grüne Augen glimmen in den Schatten.“ Manchmal flattert ein traurig dreinblickender Flummel, manchmal gleitet ein prächtiger Tintenphönix vorbei. Woher nimmst Du Deine Inspirationen?

Ja, das haben sie wirklich schön geschrieben, die Saar-Buchmesse-Leute. Inspiration ist in mir. Jeden Tag. Jede Sekunde. Oft werde ich regelrecht davon überflutet, so dass ich, während ich mit all diesen Wesen und Dingen kommuniziere, nach außen wohl oft etwas abwesend – manche sagten auch schon „arrogant“ – wirke. Und je mehr ich arbeite, desto mehr kommt … von irgendwo … nach … der Flow eben, die Magie…

Blick ins Nähkästchen und zugleich letzte Frage: Was wird in der nächsten Zeit von Dir zu erwarten sein?

Ohhhhkay ;-), nun, wie gesagt, da ist ein wunderbares High-Fantasy-Werk mit einem ebensolchen Cover von mir bei der Edition Roter Drache in der Pipeline, ein herrliches Stück Schauerliteratur von Frau Lüddecke, dann ein magisches Werk eines wunderbaren Herrn, das wohl auch bei Euch erscheinen soll. Und dann ist im Hintergrund mein musikalisches Projekt „Kelpy“ aktiv, dort werden Klänge gewebt mit wunderbaren Menschen, Videos erschaffen, man darf bespannt sein. Und dann bin ich an etwas, in jeder freien Sekunde meiner Zeit, über das ich noch nicht sprechen darf…

Lieber Holger, vielen Dank für das Gespräch.

Lieber Tristan, ich danke Dir! 🙂

Das Interview führte Tristan Rosenkranz.

Bildnachweise: Frank Luger, Holger Much, Edition Outbird

„Dunkle Kunst als Bewusstseinsquelle“ – Steve Bauer im Interview

Steve Bauer, Inhaber das „Sinnträger“-Tattoostudios hinter dem Leipziger „Werk2“ und damit Veranstaltungspartner für unsere Literarischen Salons zur Leipziger Buchmesse, macht auch als Künstler auf sich aufmerksam. Seine Bilder sprechen eine weitgehend dunkle, tiefgehende Sprache. So nimmt es nicht wunder, dass seine Vernissage zum vergangenen „Wave- und Gotik-Treffen“ in Leipzig dem ein oder anderen Besucher so nahe ging, dass er im Gespräch mit Beatrice, Steves Partnerin, danach erst einmal Erdung finden musste und konnte.

Steve, Deine Bilder gehen unter die Haut und docken direkt ans Schmerzzentrum im Bauch an. Du selbst sprichst von „Ehrlichkeit“ und „Themengenauigkeit“. Welche Themen bearbeitest Du als Künstler?

Ich bediene mich eigentlich jeglicher Themen. Ich mache dabei keine Ausnahmen, ob Alltägliches , Vergangenes oder Themen des Werdens (Zukünftigen). Dabei reagiere ich oft auf Eindrücke meines Alltags und meiner eigenen Erfahrungen. Viele Themen sind nah am Menschen und der Gesellschaft, in der er sich bewegt. Die Fehlerhaftigkeit oder die Entwicklung des menschlichen Individuums liegen dabei stark im Fokus. Ich versuche mich mit dem Werte- und Normenkomplex der Situation auseinander zu setzen, um bildhaft eine individuelle Veränderung herbei zu rufen. Oft mit sehr für vielen düsteren Beschreibungen, welche für mich die Ehrlichkeiten erzeugen.

Welche Aufgabe hat Deiner Meinung nach Kunst?

Für mich hat Kunst die Aufgabe, Bewusstsein zu schaffen.

Welche Techniken und Einflüsse wirken auf Deine Arbeiten ein?

Meine Haupttechniken sind die Arbeit mit Acryl und Öl. Wobei es schon einen Grundauftrag mit Pinsel und Airbrush gibt. Für jedes Bild entscheide ich individuell, wie ich bestehende Techniken einsetze oder neue hinzufüge. Die Einflüsse hole ich mir dabei in der klassischen Malerei und adaptiere verschiedene Produkte und Techniken in meine Bilder. Aber nur soweit, wie es das Bild verlangt. Bei nichtkünstlerischen Einflüssen würde ich Philosophie, Gesellschaftslehre und meine eigene Sichtweise auf ein gutes Leben nennen (lacht).

Wer Ausstellungen wie „Überstunden über Stunden“ besucht, bekommt nicht einfach nur Bilder zu sehen, er wird in eine Gesamtkomposition regelrecht „reingezogen“ und sensibel geführt. Sensibilisierung durch „Lichtluminanzen“ und absolut abgedunkeltem Ausstellungsraum. Magst Du das erläutern?

Die klassische Sichtweise einer Ausstellung war mir zu wenig und zu langweilig. Als Erstes wollte ich Sekt und sinnlose Gespräche abschaffen (lacht wieder). Es gibt für mich nichts Schlimmeres als sinnfreie, gekünstelte Gespräche, denen ich nicht ausweichen kann. Man verliert damit den Kern der Veranstaltung. Der Kern meiner Ausstellung sollte der Eindruck der Bildsituation sein. Durch Abschottung des Raums (Dunkelheit) und Führung (Verlust der Eigenständigkeit) kann ich jeden neutralisieren und in meinem selbstgewählten Zeitfenster mit meiner Thematik bespielen, ohne dass ich lange erklären und führen muss. Kunst steht bei mir für Eigeninterpretation. Ich liefere lediglich die Basis, das Setting. Diese Basis wähle ich durch Bildmittel (meine Malerei), Licht und eigens für jedes Bild geschaffene Musik. Ich reiße durch mein Konzept den Besucher aus seiner Normalität, führe Ihn durch meine Sichtweise jeglicher Themen. Wobei sich der Betrachter damit identifiziert, sensibilisiert wird und gegebenenfalls adaptiert. Danach schicke ich Ihn in seine Welt zurück und versuche seine Probleme zu relativieren oder neue Fragen zu implizieren. Das klappt nicht bei jedem, ist aber auch nicht immer nötig.

Deine Bilder wurden jeweils mit einem Soundtrack untermalt, man wurde von Dir, komplett und quasi gesichtslos in Schwarz gehüllt, wortlos von Werk zu Werk geführt. Wer hat den Soundtrack zu Deinen Arbeiten entworfen und wie sah Eure Zusammenarbeit aus?

Die musikalische Leitung übernahm René Klimaczewski. Er erhielt dabei lediglich alle Bildteile und setzte seine Interpetation für jedes Bild fest. Ich vertraue ihm dabei sehr. Sein künstlerisches und technisches Handwerk sind für mich einzigartig und natürlich ein Stück weit unverständlich (lacht). Er ersetzt dabei den fehlenden Teil meiner Interpretation. Musik spielt für mich im Schaffensprozess eine sehr große Rolle und war somit auch für meine Ausstellung unumgänglich.

Ich wollte eine emotionale Basis schaffen, welche ohne neuronale Verknüpfung durch Musik nicht möglich gewesen wäre. René füllte diese Lücke und schaffte zugleich auch bei mir andere Sichtweisen.

Du verortest Deine Wurzeln in der Subkultur. In welcher Szene verbrachtest Du Deine früheren Jahre?

Ich komme aus den Subkulturen der frühen 90er Jahre. Graffiti und der gesamte Weg darum schafften meine Basis. Ich beschäftigte mich mit vielen Musikgruppen, deren Philosophien und Sichtweisen auf Gesellschaften, lernte autonome Entwicklungsweisen und führte diese dann durch eigene Sichtweisen unbewusst in mein jetziges Leben ein. Ich habe dabei immer stark an meinen eigenen Idealen festgehalten. Zum Leid vieler, aber zum Vorteil meiner selbst.

Deine Partnerin Beatrice und Du sind ein wunderbares Team, auch Deine MitarbeiterInnen strahlen Wärme und Sympathie aus. Ist das ein menschliches Zusammenfinden oder wählst Du Deine MitarbeiterInnen intuitiv aus?

Würde ich rational und analytisch auswählen, wäre ich nicht Kunstschaffender. Dies beißt sich meiner Meinung nach. „Intuition ist die Trophäe der Gerechtigkeit„ – diesen Satz formte ich einst für mich. Somit ist sie eine große Triebfeder meines Schaffens und meiner Entscheidungen. Ich habe ein wunderbares Team, welches mir über die Zeit zugetragen wurde. Ich habe keinen gesucht – es gab immer eine überirdische Verknüpfung (großes Gelächter im Raum) und Zusammenführung. Jeder ist für mich von großer Wichtigkeit. Nur durch viel Hilfe kann ich meiner eigentlichen Bestimmung nachgehen. Und das ist wichtig!! Entwicklung heißt ent-wickeln. Meine Frau hat meine Garnrolle sozusagen komplett abgewickelt und neu aufgewickelt. Ich bin ihr sehr dankbar für ihre Geduld und Sichtweise.

Beatrice als Fotografin scheint sehr innig mit Deiner Kunst in Resonanz zu stehen. Wie wirkt Ihr als Künstler aufeinander ein, wie würdest Du ihre Handschrift beschreiben?

Sie bildet einen ähnlichen Part wie meine Helfer. Nur ist ihrer um Weiten grösser und ausgeprägter. Sie inspiriert und sensibilisiert mich jeden Tag. Ich bewundere ihre Geduld, das Gute zu sehen, zu schaffen oder zu halten. Ihre Bilder wirken immer ehrlich und ungestellt auf mich. Sehr nahe am Detail. Wir geben uns oft Tipps, helfen uns in allen Bereichen und treten uns auch oft in den Arsch. Jeder Kreativschaffende kennt die Löcher des Alltags. Wenn jedoch jemand Bretter über diese Löcher legt, ist es einfacher, darüber hinweg zu schreiten. Darauf kommt es immer an! Kraft zu sparen und gezielt einzusetzen.

„Der denkende Mensch“

Eine letzte Frage noch: Was wird in naher Zukunft von Dir zu erwarten sein? Was planst Du, woran arbeitest Du?

Uh, da weiß ich nicht genau, wo ich anfangen soll. Ich habe zu viele Ideen. Die nächsten Projekte liegen im Ausland. Kleinere Ausstellungen, um meine Sachen auch Anderen nahe zu bringen . London im September steht fest. Andere Galerien sind angefragt. Ich hoffe noch etwas mehr in Deutschland ausstellen zu können. Im Frühjahr 2019 möchte ich mein zweites Kunstbuch veröffentlichen. Und für 2020 ist die nächste große Ausstellung mit neuen Werken geplant. Dafür investiere ich gerade die meiste Zeit. Alles, was dazwischen kommt, ist ungewiss. Ich finde spontane Sachen immer interessant. Ob Events oder Kooperationen – ich habe Spaß an allem.

Steve, wir danken Dir für das Gespräch.

Ich danke Euch für die Möglichkeit!

Das Interview zeichnete Tristan Rosenkranz auf.

Bildnachweis: Beatrice Bauer
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„Es muss da eine Konfliktlinie geben, die ich sehen will, die auch mit heute zu tun hat“ – Kai-Uwe Kohlschmidt im Interview

Kai-Uwe Kohlschmidt ist Musiker, Komponist, Autor, macht Hörspiele, Features und ist zudem Regisseur. Ein Vollblut-Künstler, der offensichtlich gar nicht anders kann, als in der Kunst aufzugehen. Er lebt sich durch die Kunst, Kreativität scheint keine Frage der Anstrengung, sie ist wohl einfach da und das in einem Maß, dass alles, was Kai-Uwe Kohlschmidt macht, irgendwie mit Kunst zu tun hat. Und er ist, zumindest für die älteren Generationen im Osten kein Unbekannter. Spätestens wenn der Bandname Sandow fällt, klickt es bei vielen und man erinnert sich an das wohl bekannteste Stück der 1983 in Cottbus gegründeten Band: „Born in the GDR“.

Als Outbird mit „Feuer“ und „Exodus Namib“ zwei seiner Hörbücher in sein Shopsortiment aufnahm und der Corvus e.V. im März diesen Jahres Sandow zusammen mit The Russian Doctors ins thüringische Neustadt/Orla holte, um dort die „Nacht der Legenden“ zu feiern, war die Gelegenheit mehr als geboten, dem im Spreewald lebenden Künstler für unser Magazin einige Fragen zu stellen.

Hallo Kai-Uwe … Du bist unter anderem Sänger der legendären Avantgarde-Band Sandow, die nicht zuletzt durch die Film-Doku “Flüstern und Schreien“ bekannt wurde. Kannst du dich an die Gründung erinnern? Was bewegte dich und Chris Hinze dazu, eine Band zu gründen?

Wir hatten uns zum Fasching als Band verkleidet. Das hat uns so wunderbar gefallen (lacht). Der ganze Applaus, schreiende Mädchen, das alles führte dazu, dass wir aus den Kostümen gar nicht mehr heraus wollten.

Das heißt, ihr hattet 1983 zum Fasching eine Idee und habt dann gesagt: „Jetzt müssen wir und aber auch Instrumente besorgen und das Ding auch durchziehen“?

Nein nein, wir besaßen vorher schon Instrumente. Wir hatten damals drei Lieder gespielt. Das waren zwei eigene und ein Cover. Wir hatten ein E-Gitarre und ein selbst gebautes Drumpad. Und so hat Chris die Drums gespielt und ich Gitarre und hab dazu gesungen. Das hat uns dann richtig geflasht. Wenn man einmal auf einer Bühne steht, dann merkt man schnell, ob das der richtige Ort für einen ist oder nicht.
Das entwickelte sich dann recht schnell in wirklich ernst zu nehmende Arbeit. Wir haben in den ersten Jahren unglaublich viel geprobt, waren fast jeden Tag im Proberaum.

Das klingt, als hattet ihr recht früh auch den Wunsch, bekannt und erfolgreich zu sein?

Ja, ganz gewiss. Als wir anfingen waren wir ja 13, 14 Jahre alt und da liegt man ja noch in den Ebenen, die man eben so kennt, also dass du mal ins Radio oder gar ins Fernsehen willst. Da weißt du natürlich noch nicht, dass du Künstler werden willst, sondern du willst in erster Linie berühmt werden. Und dann kommt das Eine irgendwann aus dem Anderen, aus Störungen, aus Komplikationen, aus Erfahrungen und neuen Fragen die dir im Leben begegnen, wenn du die ersten Runden im Kreisverkehr hinter dich gebracht hast. Und entweder man wiederholt sich dann oder man hält die Wiederholung nicht aus und versucht sich zu entwickeln.

Es hat ja auch gar nicht so lange gedauert bis zum ersten größeren Durchbruch. Aber wie war es auf dem Weg dahin? Lagen Steine seitens des Systems im Weg? Man hat ja 1988 wegen der Performance „Aufbruch & Aufruhr“, nicht nur euren Proberaum durchsucht und euch verhaftet, sondern auch das Stück verboten. Hattet ihr damit gerechnet und wie war das für euch, für dich persönlich?

Ich muss das kurz richtig stellen: Verhaftet wurden wir nicht. Unser Proberaum ist aufgebrochen worden und unsere Texte unseres Theaterstücks „Aufbruch und Aufruhr“ waren weg. Wir sind dann direkt zur Polizei gegangen und haben diesen Einbruch gemeldet. Natürlich wussten wir, wer da war, denn wir hatten nicht mit gebildeten Dieben gerechnet, die Weltliteratur mitnimmt und Gitarren und Verstärker stehen lassen. (lacht) Also das war uns schon klar. Aber einfach, um mal zu sehen, was genau man von uns wollte, haben wir dann diesen Weg gewählt. Und klar hatte man Angst. Nicht unbedingt so persönlich, aber es ging immer um die Angst, dass es mit der Band vielleicht nicht weiter gehen könnte. Denn die Band war beizeiten schon das Mutterschiff, das es einfach zu beschützen galt, und deswegen war Vorsicht auch immer Teil des Geschäfts, damit man eben nicht sinnlos überbiegt und ausreizt. Aber ja, wir wussten schon, mit wem wir da tanzen. Gleichzeitig haben wir aber auch Vorteile gesucht. Wir waren ja auch keine absolute… Totalopposition, schließlich haben wir in staatlichen Clubs und Ähnlichem gespielt, denn wir wollten ja auftreten. Wir wollten den Leuten unsere Musik vorspielen und dann ist das in so einer Diktatur natürlich… hm, ein „Spiel“ ist das falsche Wort, es ist … ja … ein Tanz, bei dem man sich immer gewiss sein muss, dass der Elefant auch mal auf einen drauftreten kann.

Ein Jahr später hat es ja dann mit dem Song „Born in the GDR“ auch geklappt. Geht es dir eigentlich auf den Nerv, dass dieser Song fast immer mit Sandow in einem Atemzug genannt, dass ihr quasi ständig an diesem Song gemessen werdet?

Ich bin das gewohnt. Das hinterfrage ich auch nicht mehr. Das ist offenbar ein Lied, das bei anderen viel mehr ausgelöst hat als bei mir selbst. (lacht) Ich bin aber auch froh, dass wir es haben, denn das hat ganz viele Türen geöffnet und insofern ist es eben auch ein Schlüssel, ein Doorkeeper, so ein magisches Tool quasi und da kann ich ja unmöglich dagegen sein.

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Genug der Geschichte. Reden wir über den Künstler im Heute. Du bist Musiker, Komponist, Autor, machst Features und Hörspiele, bist Regisseur. Wie wurde aus dem 13 jährigen Sandow – Mitgründer der Künstler Kai-Uwe Kohlschmidt? Kannst du konkret Anlässe oder Bewegungen benennen, die dich dazu brachten, mehr zu machen als „gewöhnlichen Rock/Punkrock“?

Vielleicht liegt das ein Stück weit an der Stadt, in der wir aufwuchsen. In Cottbus gab es kaum nennenswerte Live-Musik, die man sich hätte anhören können und deswegen ging die subversive und intellektuelle Szene zum Freejazz. Und es gab da eine sehr starke Freejazz-Kultur durch Peter „Jimi“ Metag und Ulli Blobel, die auch viele internationale Künstler nach Cottbus geholt haben. Und das war dann eher so der Sound, den wir uns reinzogen. Da gab es dann auch dementsprechend schräges Personal. Und in der Boheme der Künstler, der Maler wuchsen wir dann eben ohnehin in einem Denken auf, dass die Künste sich überschneiden, dass es Crossings gibt. So kamen wir dazu, schon 1988 auch Performances zu machen. Das war dann eben so eine Art Labor, in dem wir dann Sachen ausprobierten, die später bei Sandow auch zum Tragen kamen. Wir haben dann Instrumentarien ausprobiert, Sprache untersucht und so war das immer eine permanente Entwicklung. Ebenfalls 1988 kam dann Theater dazu. 1991 habe ich schon die erste Filmmusik geschrieben, damals noch für einen Studentenfilm. Und so kommt es mit der Zeit, dass auch Leute an dich herantreten und dich fragen, ob du dir vorstellen kannst, mit ihnen zu arbeiten. Auf diese Weise entsteht ein Kontinuum, und nicht wirklich etwas, das man sich ausgedacht hat, unter dem Motto: „Ich werde ab jetzt …“. Der Kreis von Leuten, die mit dir etwas machen wollen, wird immer größer.

Ich hatte auch immer wieder Heurekas. Zum Beispiel 2004 am Nanga Parbat. Da wollte ich ja „die Sinfonie der Todeszone“ schreiben (http://www.alpinclub.com/pdf/kunstexp.pdf), mit Sounds rund um die Bergsteiger und solchen, die ich selbst in 4500 m Höhe aufnehmen kann. Dann wurde das aber ein Hörspiel, weil sehr dramatische Dinge passiert sind und plötzlich erinnerte ich mich auch wieder, dass mir das ja liegt, also, das Schreiben. Ich hatte das schon länger nicht mehr gemacht. Ich hatte zu dem Zeitpunkt seit fast zehn Jahren nicht mehr geschrieben. Freilich Songtexte, aber nicht Dramatik und dann war das irgendwie eine Entdeckung. Auch die Entdeckung, sich fortzubewegen in schwerem, kompliziertem Habitat, in der Wildnis. Dieses Wachsein, diese Befreiung von Routine und diesem routinierten Denken, das war eine recht maßgebliche Entdeckung.

Was bedeutet Kunst bzw. künstlerische Arbeit für dich? Würdest du das, was du tust, jetzt mal unabhängig von der Bezahlung, als Job, als harten Beruf bezeichnen, oder macht dir alles Spaß und wird somit eher zu einer unvermeidlichen Sache … gewissermaßen einer Passion, die den positiven Nebeneffekt hat, davon leben zu können?

Wie Bukowski sagte: „Du kannst dich nicht dafür entscheiden. Wenn überhaupt wird es sich für dich entscheiden.“ Die ersten 15 Jahre sind verdammt trocken. Trocken in Sachen Geld verdienen meine ich. Das ist schon recht hart, weil du lange überhaupt kein Geld verdienst. Manchmal verdienst du etwas und dann reicht das auch mal ein halbes Jahr. Aber dann ist es auch wieder vorbei und was machst du dann? Auf die Baustelle willst du auf keinen Fall zurück und dann gibt es eben all die Künstler-Jobs. In diesen 15 Jahren entscheidet sich das dann eben, aber es ist auch wahnsinnig viel Arbeit. Es ist also keine Sache des Daran – Glaubens, keiner tut sich so etwas freiwillig an, viel zu schreiben und keiner liest es, oder viel Musik zu machen und keiner kommt zu deinen Konzerten, und das in Verbindung mit dem immensen Arbeitsaufwand.

Ich selbst bin jetzt in der Lage, dass ich ein sehr reiches und ausgefülltes künstlerisches Leben habe, mit immer wieder neuen und abwechslungsreichen Projekten. Das wäre vor 20 Jahren undenkbar gewesen und ich hätte es mir auch so nicht ausdenken können, weil manche Dinge ja erst entstehen, indem du dich mal ordentlich ins Gebüsch schmeißt, weil da kein Weg ist. Und plötzlich entsteht da ein Weg.

Also könnte man sagen, dass du dich mit deiner Kunst und deine Kunst sich mit dir entwickelt hat?

Das ist bestimmt richtig, ja. Ich hatte ein Stück weit auch großes Glück, denn es betrifft ja nicht nur Fleiß oder Talent. Es betrifft ja die Tatsache, dass man die richtigen Leute trifft und man manchmal die falschen Leute auch wieder abstößt und sich auch mal durchsetzt in Momenten, in denen man lieber sterben als leben möchte. Nicht unwichtig ist auch, dass man sich nahezu von Allem inspirieren lassen kann. Und das muss nicht immer nur Kunst sein. Das kann zum Beispiel auch eine Landschaft sein.

Wer oder was inspiriert dich noch, also mal abgesehen von Landschaften und Reisen? Gibt es so etwas wie Hauptinspirationspunkte für dich? Welches war zum Beispiel dein zuletzt gekauftes Buch, deine zuletzt gekauftes Album?

Ich habe zuletzt von Jörg Friedrich „Der Brand“ gelesen, ein Buch über den Bombenkrieg, vor allem den alliierten Bombenkrieg und das in einer Sprache, die wahrscheinlich seit Golo Mann kein Historiker mehr hervorbrachte. Er zeigt auf, was dieser Bombenkrieg für Konsequenzen hatte und das ist dann so ein Moment, wo ich länger darüber nachdenke, weil es mir keiner vorher so erzählt hat. Und manchmal schlägt sich so etwas dann auch in Dingen nieder, die ich tue. Das kann auch mal zehn Jahre dauern, denn es geht auch darum, Muster zu erkennen in einer recht chaotischen Welt und manchmal dauert es eben, das jeweilige Muster zu erkennen und das dann auch abzugleichen. Ich bestehe immer auch auf eigenen Erfahrungen. Alles, was so auf dem Bildschirm gesehen werden kann, ist zwar auch Futter, aber vieles wirklich selbst gesehen zu haben, ist wesentlich elementarer.

Du spielst ja neben den vielen anderen künstlerischen Arbeiten und Sandow in zwei weiteren Bands. Bei allem, was du tust, gibt es ein einzelnes Projekt, das dir besonders am Herzen liegt?

Ich glaube das sind immer die Tage, an denen man sich mit Inspiration betankt. Wenn ich auf einer Mangan25-Reise (siehe unten) bin zum Beispiel, dann wird daraus ja nicht nur ein Hörspiel. Da fließt vielleicht was zu Sandow rüber, manches geht komplett in den Kompott-Keller oder ins geistige Archiv und wartet dort auf Verwendung. Und da ich immer mit einer Thematik reise, ist das eigentlich immer das Spannendste. Was ich auch sehr mag ist, wenn Arbeiten sich finalisieren, wenn die Mischung kurz vorm Ende steht, wenn der Rohschnitt also steht und man das Werk zu spüren beginnt und alles, was man zum Beispiel zwei Jahre zuvor begonnen hat allmählich seinen Charakter entblößt. Das ist eben wie der Stein an dem man meißelt, oder ein anderes Material… das Material bringt ja auch ein eigenes Leben mit und deswegen ist es immer auch wieder überraschend, wenn dann alles zusammenkommt.

Gibt es bei dieser Fülle an Arbeit eigentlich auch den Privatmann Kai-Uwe Kohlschmidt, der sich Auszeiten nimmt, in denen er nicht über Projekte, Band, Musik, Texte, Features und so weiter nachdenkt? Hast du überhaupt Zeit für Auszeiten? Kannst du „abschalten“ wie man sagt und wenn ja, wie sieht das aus?

Das brauche ich eigentlich kaum. Das letzte Mal im Urlaub war ich, glaube ich, 1990 oder `93. Hin und wieder sind wir auch mal mit den Kindern verreist, dann aber auch meist nur ins Waldhaus meiner Eltern, um mit den Kindern Ferien zu machen. Wenn ich abschalte, mache ich etwas auf der Hazienda hier zu Haus, hacke Holz oder so was… (lacht).

Also gibt es schon so Tage, an denen du nichts machst, an denen du sagst „Heute lege ich mal die Füße hoch“?

Es ist immer gut, wenn man am Tag öfters mal für eine halbe, dreiviertel Stunde etwas anderes macht, das hilft schon. Wir wohnen hier an einem See, quasi wie im Urlaub und hin und wieder gehe ich ne Runde segeln oder treffe Freunde.

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Kommen wir noch kurz zum Thema Reisen. Das scheint ja eine deiner Passionen zu sein. Du warst in den letzten 14 Jahren unter Anderem in Schottland, 2016 Papua Neuguinea, 2015 Maputo (Mosambik), 2014 Gotland / Christians Oe, 2013 Grenzland (Neisse), 2012 Namibwüste / Naukluft (Namibia), 2012 Grenzland (Oder), 2011 Rub-Al-Chaly (Vereinte Arabische Emirate), 2010 Anden / Regenwald (Venezuela), 2009 Spitzbergen (Arktis), 2008 Simpson Wüste (Australien), 2004 Nanga Parbat (Pakistan) … Bei vielen deiner Trips entstanden Radio-Features oder Hörspiele. Waren das Aufträge oder hast du hier das Nützliche mit dem Wesentlichen verbunden?

Es gibt schon auch Reisen, bei denen ich vorher keinen Sender hatte und ich mir sagte: „Das mache ich trotzdem, das wird schon.“ Das war zum Beispiel so, als ich nach Venezuela ging. Und diesen Stoff habe ich bis heute noch nicht verkauft. Ich müsste die Zeit finden, ihn nochmal neu anzugehen. Natürlich war die Reise nicht umsonst. Da ist ja zum Beispiel auch ein Text für Sandow entstanden. Vielleicht mache ich auch ein Theaterstück draus. Man muss einfach die richtigen Leute dafür finden.

Also das passiert durchaus. Aber dann gibt es eben sehr erfolgreiche Arbeiten, die finanzieren dann solche Ausfälle mit. Im günstigsten Fall, und das ist in zwei von drei Fällen so, habe ich einen Sender, der mir sein Vertrauen ausspricht und sagt „Das machen wir.“

In der Anfangszeit war das natürlich wesentlich schwieriger als heute. Es wird zunehmend gedeckter.

Bist du damals an die Sender herangetreten?

Ja na klar. Am Anfang hast du da erst mal niemanden, du weißt noch nicht mal, wo die Tür ist, geschweige wie derjenige heißt, zu dem du willst. Und selbst wenn, bist du dann auch nur jemand auf einem gigantischen Stapel.

Ihr habt 2004 die Künstlergruppe Mangan25 gegründet, die „bereisbare Erfahrungsräume aufsucht und ungewöhnliche Landschaften, schwer zugängliche Habitate und Expeditionen im Grenzbereich in ihren Fokus stellt“, wie der Webseite zu entnehmen ist. Ist diese Gruppe eigens ein Produkt deiner Reiselust oder entstand dieses Kollektiv quasi „nebenbei“?

Wir hießen erst recht umständlich und unglücklich „Deutsche Künstlerexpedition“, als wir 2004 zum Nanga Parbat fuhren. Danach haben wir eine gemeinsame Performance gemacht und hatten, auch in anderen Sparten, recht viele Arbeitsergebnisse. Und so dachten wir, dass wir nun einen richtigen Künstlergruppennamen brauchen und haben dann Mangan25 als Namen erwählt. Das ist aber auch eine eher lockere Vereinigung, also, wir kein sind Kunst-Verein mit Reise-Abo. Das hängt immer am Thema, wer fährt.

Was ist deine Intention in Sachen Reisen? Würdest du sagen, dass du eine Art Fernweh hast? Was zieht dich weg und wie wählst du deine Ziele aus?

Mich interessieren einfach immer bestimmte Themen und nach 14 Expeditionen kann man sagen, dass es da eine Tendenz zu historischen Themen gibt. Mein Vater ist ja auch Historiker, vielleicht gibt’s da auch eine erbliche Bestimmung.

Manchmal sind das Stoffe, die ich eher zufällig entdecke, manchmal aber suche ich auch direkt danach. Manchmal interessiert mich auch eine Landschaft und ich schau dann, ob es einen Stoff in der Gegend gibt. Und man kriegt inzwischen auch im Freundes- und Bekanntenkreis richtig viele Tipps und Anregungen.

Ich bin jedenfalls kein Geschichten-Nacherzähler. Das muss dann schon auch etwas mit mir zu tun haben. Es muss da eine Konfliktlinie geben, die ich sehen will, die auch mit Heute zu tun hat, selbst wenn die Geschichte 300 Jahre früher spielt. Und so habe ich etwa 10-15 Reiseideen, die vor sich hin gären, die aber noch nicht ausgereift, angereichert sind.

Gibt es denn konkret schon ein nächstes Ziel?

Ja, wir werden dieses Jahr nach Amerika gehen, also in die Vereinigten Staaten. Das sind zwei sehr schöne Geschichten, die ich jetzt aber nicht erzähle. In der Branche wird man auch mal abgeschöpft.

„Reisen fördert die Kreativität“, würdest du diesen Satz bestätigen?

Fürst Hermann von Pückler hat einmal gesagt: „Es geht nicht ums Reisen, es geht ums gereist zu haben.“ Er meint damit vor allen Dingen, dass Reisen sehr lange in einem nachwirkt. Papua-Neuguinea ist nun schon eine ganze Weile her, aber das hat so ein langes Echo in mir nach wie vor. Oder auch, wenn du am Nanga Parbat bist.

Es geht nicht darum, dass so innere Postkarten immer wieder hochfahren, sondern darum, dass man da echte Erkenntnisse erlangt hat und zwar die Eigenen und manche sind dann freilich auch mit Mühsal verbunden und mache auch mit Gefahren, auch, wenn wir die nie bewusst suchen. Und genau das kann man auch nur in eben dieser Form erleben. Das hilft, Muster zu erkennen. Wenn man beispielsweise im Fernsehen etwas über Schiiten und Sunniten sieht und hört, dass die sich da aufs Dach hauen… also ich war bei Schiiten, ich war aber auch bei Sunniten und zwar in Pakistan, wo es auch echt richtig gekracht hat und man hat plötzlich eine ganz klare Vorstellung und nicht diese Abziehbilder. Man weiß, dass die ja letztendlich auch eine Kultur verteidigen müssen. Eine komplett eigene Kultur, mit ganz eigenen Linien und Strukturen. So was kann dir kein schlaues Buch erzählen.

Was wünschst du dir für die Zukunft, vielleicht auch für dich ganz persönlich?

(überlegt) … Wünschen ist halt immer so etwas Profanes. (Lacht) Man wünscht sich, dass alles gut ist im Leben und dass man noch viele Entdeckungen vor sich hat. Das Meiste muss man sich erarbeiten.

Das Interview führte M. Kruppe.

Bildnachweis: Roberto Schirdewahn.
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„Der wichtigste Gedanke für uns ist, Leben und Denken als etwas Labyrinthisches zu verstehen“ – Axel Kores & Christoph Liedtke im Interview

Ein dunkler Zuschauerraum. Eine große Bühne, die tiefrot beleuchtet ist. Im Hintergrund eine Leinwand auf der Bilder in schneller Abfolge als eine Art Film laufen. Die Szenen: schwarz, weiß und düster. Düster auch die gesamte Szenerie. An einem Tisch, auf dem allerhand technische Gerätschaften stehen, lehnt eine große Glasscheibe, über die eine dunkle Gestalt mit dem Finger reibt. Tonabnehmer sorgen dafür, dass jenes Geräusch durch die Kabel in einen Verzerrer und von aus in eine Loopstation geschickt werden.

Daneben die Silhouette eines weiteren Künstlers, der am Boden kniend seinen Bass bearbeitet. Auch dieser Sound verzerrt und geloopt, entsteht eine Komposition irgendwo zwischen Industrial und Avantgarde-Noise. Viele würden meinen, das sei Krach, aber hinter dieser musikalischen Symbiose steht ein Konzept. Das war im Februar auf der Bühne des Boots-Schuppen im längst aus den Grenzen des Geheimtipps getretenen Clubs „Hühnermanhattan“ in Halle/Saale zu sehen und zu hören. Mit dieser Performance schloss ein Abend des Kunstkollektives Rhizom Halle-Leipzig, der fast alles bot, was Kunst bereitzuhalten imstande ist.

Axel Kores und Christoph Liedtke, in Halle mit Sicherheit keine Unbekannten, waren als Gründer des Kollektives an jenem Abend die Veranstalter, dieses Abends, den sie „Aorta“ nannten. Der Leipziger Schriftsteller David Gray saß ebenso auf der Bühne, wie der Pößnecker Autor und Rezitator M. Kruppe. Auch lasen Axel Kores aus seinem bei Edition Outbird erschienen Buch „Verschwendete Jugend“, sowie Christoph Liedtke, dessen Lyrikband „Symmetrie der Risse“ noch in diesem Jahr im selben Verlag erscheinen wird.

Zwischendurch gab es Kurzfilme und weitere Sound – orientierte Performances, die Rhizom Halle-Leipzig vorstellten. Wir haben beide Gründer im Anschluss ins Interview genommen.

Hallo ihr beiden. Stellt euch doch bitte zunächst mal vor. Wer seid ihr, was macht ihr?

L.: Mein Name ist Christoph Liedtke. Ich bin 1985 in Saalfeld geboren, lernte Holzbildhauer und studierte 2010 bis 2016 an der University of Art and Design Burg Giebichenstein. Ich bin Bildhauer, Maler, Sound-Performer, Lyrik-Autor, spiele bei Klinke und bin Gründungsmitglied des Kunstkollektivs Rhizom Halle-Leipzig. Insofern habe ich an zahlreichen Ausstellungen teilgenommen.

Momentan arbeite ich an der Veröffentlichung meines Gedichtbandes „Symmetrie der Risse“ und an der Publikation eines Bildbandes über Kunst mit mutmaßlich geistig behinderten Menschen.

Ich organisiere Kunstaktionen mit der Rhizom-Halle-Leipzig-Gruppe und trete auf verschiedenen Veranstaltungen auf, die mit den besagten Inhalten zu tun haben.

Christoph Liedtke

K.: Ich bin Axel Kores und bin ebenfalls Burg-Absolvent, allerdings im Bereich Grafik-Design, habe einige Jahre in einer Leipziger Design-Agentur zugebracht und arbeite seit 2010 freischaffend als Illustrator und Grafiker. Im Sommer 1993, das weiß ich noch wie heute, hat mir ein Freund sein altes Amati-Schlagzeug vermacht. Von da an ging´s mit der Musik los. ´94 standen wir dann mit unserer ersten Punk-Band auf der Bühne. Zum Schreiben bin ich erst später gekommen, einige Jahre nach dem Studium, glaub´ ich. Remarque, Beckett, Kafka, Sartre, Goetz und viele andere haben mir die entscheidenden Peitschenhiebe versetzt, um meine eigenen Worte zu finden. Dann feilt man lange am individuellen Stil. Ich bin froh, dass es im letzten Jahr mit der Veröffentlichung meines Debüt-Romans geklappt hat („Verschwendete Jugend“ – Edition Outbird). Jetzt bündeln wir unsere Energien im Rhizom-Projekt, Literatur, Musik, Performance. Das Einzelkämpfer-Dasein behagt uns nicht, da bleibt schnell etwas sehr wichtiges auf der Strecke: Freude! Die gibt´s nur, wenn man sie teilt.

Axel Kores

Warum lebt ihr in Halle? Was zog euch her, was hält euch?

L.: Ich studierte hier und hab hier eine Menge wunderbarer Menschen kennengelernt, mit denen ich immer noch gemeinsam verrückte Sachen mache und das auch nicht missen möchte. Warum Halle, ich weiß nicht, reines Verhängnis, wenn ich im Ruhrpott geboren wäre, würde ich jetzt vielleicht in Düsseldorf leben. Ich mag die Saale und schätze die günstigen Mieten, Halle hat Freiraum für künstlerische Aktivitäten, ohne dass man dafür ein Vermögen hinblättern muss.

K: Man kennt ja mittlerweile die eine oder andere Stadt recht gut und lernt deshalb Halle schnell schätzen. Hier gibt es zum Beispiel keinerlei provinziellen Hauptstadtstolz, logisch. Auf der Straße wird häufig das Gesicht zur Faust geballt, aber tief drinnen sind die Leute ziemlich kuschelig. Es ist rauer hier, aber immer gerade heraus. Wer das Klima einer alten Arbeiterstadt und den Esprit ihrer agilen Subkultur sucht, ist in Halle genau richtig.

Axel Kores´ Roman im Verlagsshop: bitte Cover anklicken.

Ihr beide habt bei „Edition Outbird“ veröffentlicht: Du den Roman „Verschwendete Jugend„, Axel, Du den Lyrikband „Symmetrie der Risse„, Christoph. Worum geht es?

L.: „Symmetrie der Risse“ beinhaltet feinfühlige, bisweilen fast schwerelose Poesie, die sich im weitesten Sinne der organischen Wahrnehmung und Struktur der Welt widmet.

K: Mit „Verschwendete Jugend“ bin ich in mein eigenes Leben eingetaucht: Meine Prägung aus der Hausbesetzerzeit in einer mitunter wilden Community und mit spontanen Aktionen und Konzerten. Der Protagonist im Buch versucht, die Liebe seines Lebens, die er aus einer fehlinterpretierten Freundschaft heraus als solche erinnert, mit verschiedenen Maskeraden „zurück“ zu bekommen.

Christoph Liedtkes Lyrikband im Verlagsshop: bitte Cover anklicken.

Wie kam es zur Gründung, wessen Idee war es, ein Kollektiv zu gründen und welchen Zweck bedient das?

C. L.: Wir haben eh schon die ganze Zeit zusammen Musik und Kunst gemacht. Die Gründe hängen auch damit zusammen, als Kollektiv größere Handlungsspielräume öffnen zu können. Kunst wirft für uns auch immer wieder die Frage auf: Wie wollen wir leben? Was können wir tun? Das ist ein Suchen nach neuen Anfängen. Und da stellt sich auch die Frage nach der Gemeinschaft, wir haben also beschlossen das Künstler-Ego einzudampfen, zu durchlöchern und einzuschmelzen. Das ist ein Versuch, Kontrolle abzugeben und Dinge passieren zu lassen. Das entspricht einer Form von kollektiver Weisheit. Zusammenarbeiten ist eine wunderbare Sache, wenn es funktioniert.

A. K.: Das ist auf Christophs und meinem Mist gewachsen, vermutlich im Proberaum; da haben wir die besten Ideen. „Rhizom Halle-Leipzig“ ist im Grunde nur eine nachträgliche Taufe für die gegenseitige Inspiration zwischen Leuten, die es schon zuvor gab. Wenn so etwas dann einen Namen bekommt, wird es plötzlich greifbar, lässt sich in der Welt verorten. Das erschien uns sinnvoll.
Rhizom musste ich erst recherchieren und fand schnell heraus, dass der Begriff aus der Biologie stammt. Als ich weiter suchte, stellte ich fest, dass es doch einige Vereine und Kollektive allein in Deutschland gibt, die sich diesen Namen gegeben haben. Ward ihr euch dessen bewusst?

Rhizom musste ich erst recherchieren und fand schnell heraus, dass der Begriff aus der Biologie stammt. Als ich weiter suchte, stellte ich fest, dass es doch einige Vereine und Kollektive allein in Deutschland gibt, die sich diesen Namen gegeben haben. Ward ihr euch dessen bewusst?

C. L.: Das war mir gar nicht so klar, obwohl ich es mir hätte denken können. Hat uns eigentlich auch nicht interessiert. Die Idee des Rhizoms ist einfach sehr überzeugend. Ich bin während des Studiums darauf gestoßen, als ich mich mit Gilles Deleuze beschäftigt habe. Er und Felix Guattari haben diesen Begriff philosophisch vertieft und als Idee sehr interessant beleuchtet. Das sich davon Menschen inspirieren lassen, kann ich sehr gut nachvollziehen, hat aber nichts damit zu tun, was Menschen damit anfangen. Aber es ist wohl ein gutes Zeichen dafür, dass auf einer gewissen Ebene Menschen gleiche Ideen befürworten.

Wie seht ihr das? Meint ihr, das ist ein Risiko oder seht ihr darin vielleicht sogar einen Vorteil?

C. L.: Risiko, vielleicht insoweit, dass man uns im Internet schwerer findet, aber daran soll die Unternehmung nicht scheitern. Ein Vorteil könnte darin liegen, dass ähnliche Ideen natürlich verbinden, aber ich hab mich bisher noch nicht mit anderen Kollektiven beschäftigt, das könnte man durchaus in Betracht ziehen.

Wer waren Deleuze und Guattari und wo seht ihr euren Verknüpfungspunkt zu den beiden?

C. L.: Deleuze und Guattari, Philosoph und Psychoanalytiker, haben in einer Co-Autorenschaft über diese Idee geschrieben. Der wichtigste Gedanke für uns daran war, Leben und Denken als etwas Labyrinthisches zu verstehen, ohne Anfang, ohne Ende und ohne Ariadnefaden, aber auch als einen Raum der Vernetzung und zufälligen Begegnungen, in dem Ereignisse aufeinandertreffen können. Eine Art Generator, der die Karten neu mischt.

Genug des Theoretischen. Was wollt ihr erreichen, habt ihr Ziele und Strategien, diese zu erreichen? Was genau steht hinter Rhizom Halle-Leipzig? Gibt es kurz-, mittel- und langfristige Pläne?

C. L.: Wir verstehen uns als Plattform für künstlerisches Handeln. Wir verstehen künstlerisches Handeln ganz allgemein als Vorschläge, mit dem was da ist umzugehen. Der Künstler ist für mich jemand, der das Nichtkönnen kann und dafür nach neuen Ansätzen sucht, wie man das anstellt. Da draußen ist Chaos und Absurdität, der Künstler geht raus und macht was draus. Jenseits von „Ismen“, Gott und Utopie. Unsere Strategie: Alles was nützt, im Rahmen unserer Werte und Fähigkeiten Menschen zu mobilisieren, ihr gestalterisches Potenzial zu vergegenwärtigen, dass es besser wird, als es ist. Ich denke, alle Kunst zielt darauf ab, den Menschen zu erheben.

A. K.: Hinter allem steht im Grunde der Wunsch nach Verknüpfung. Rhizom soll möglichst interdisziplinär werden und wir stehen noch am Anfang der Reise. Im Videoformat lassen sich Arbeiten bestens dokumentieren bzw. präsentieren – deshalb der Youtube-Kanal. Wir haben mit den musikalischen und literarischen Projekten begonnen. Das muss wachsen. Verbissenheit ist uns jedoch fremd – es geschieht oder geschieht nicht. Wir experimentieren intuitiv und schauen, was sich auf der Bühne miteinander verbinden lässt.

Wie viele KünstlerInnen sind derzeit im Kollektiv aktiv, was machen sie, woher kennt ihr sie?

C. L.: Wir stecken in den Kinderschuhen und haben Frauenmangel. Es gibt einen organisatorischen Stamm und dann alle die bei Veranstaltungen auf der Bühne stehen. Du hast ja auch schon dazugehört (lacht).

Wieso Halle-Leipzig? Was ist der Beweggrund, Leipzig mit einzubeziehen, dass ja in Sachen Kunst schon ein bisschen overdosed ist? Also ich hoffe, man versteht mich nicht falsch, aber die zunehmende Gentrifizierung hat in Leipzig ja nun schon erschreckende Ausmaße angenommen, was in Halle glücklicherweise (noch) nicht der Fall ist.

C. L.: Das ist lediglich eine lokale Verortung. Ein paar von uns kommen aus Leipzig. Was die da mit den Mietpreisen machen ist blöd, soll uns aber jetzt nicht davon abhalten. Uns interessieren da die Menschen.

A. K.: Diese Region ist sehr speziell und voller querschießender Energien, wie ich finde. Beide Städte liegen so dicht beieinander, dass sie in subkultureller Hinsicht gewisse Symbiosen bilden – spannende Wechselwirkungen, die man nur selten findet. Es gibt in unserem Umfeld etliche Leute, die sowohl hier, als auch dort aktiv sind. Da öffnen sich interessante Aktionsradien.

Seht ihr die Gefahr der Gentrifizierung auch für Halle und wenn ja, was meint ihr, wann es so schlimm sein wird wie in Leipzig? Und habt ihr vor, dem entgegenzuwirken? Wenn ja, wie?

C. L.: Das überschreitet meine Kapazität. Bevor ich mich direkt gegen Gentrifizierung engagiere, setzte ich mich in ein Schlauchboot und versuche damit, Öltanker zum Kentern zu bringen. Vielleicht gebe ich mal ein illegales Konzert auf ´nem Dach, aber dann würde ich auch eher Freedom und Peace von den Dächern schreien, als „Stoppt die Gentrifizierung“ (lacht). Bevor die Probleme nicht real sind, mache ich da wenig, es gibt einfach zu viele Probleme, für deren Lösung man sich einsetzen könnte.

A. K.: Gentrifizierung ist auch hier in vollem Gange. Ich will jetzt nicht zur umfassenden Kapitalismuskritik ausholen; aber die Raffgier hat sich an Allgemeingütern, zu der bezahlbarer Wohnraum definitiv gehört, einfach nicht zu vergreifen! Wenn wieder mal ein Hausprojekt platt gemacht wird, müssen alle loslegen, um das zu verhindern.

Halle ist das neue Leipzig. Würdet ihr dem zustimmen?

C. L.: Ich vergleiche diese zwei Städte ungern. Beide haben ihre Vorzüge und ich glaube nicht, dass Halle sich so urbanisiert wie Leipzig. Braucht es auch nicht, denn die Städte sind auch nur ´ne halbe Stunde voneinander entfernt und da ist es auch gut, dass sie verschieden sind.

A. K.: Ich halte wenig von solchen Vergleichen. Der Halle´sche Blick auf Leipzig ist häufig ein defätistischer; und ich frage mich stets: Warum? Man schwirrt doch eh in der halben Welt rum und erkennt überall Vielfalt. Wenn es jetzt heißt: Halle ist im Kommen. Umso besser! Hier geht auf jeden Fall was. Das ist allerdings schon seit Jahren so.

Allgemein gefragt: Kunst ist ein wirtschaftlich schwieriges Metier. Könnt ihr von eurer Kunst und dem, was ihr tut, leben?

C. L.: 2016 hab ich mein Studium beendet, vieles beginnt gerade anzulaufen. Davon richtig leben kann ich noch nicht. Viele Sachen die ich mache haben auch nichts mit „Schöner wohnen“ zu tun, da muss ich einfach durchhalten.

A. K.: Vom Grafik-Design kann ich leben. Vielleicht kommt in Sachen Literatur und Musik langfristig mal was rum. Aber was soll´s? Man fällt eh irgendwann einfach um, und das wird vermutlich deutlich vor ´m Renteneintrittsalter sein, gell. (lacht)

Wer oder was inspiriert euch?

C. L.: Das Geräusch von klappernden Pflastersteinen, wenn man mit dem Fahrrad darüber fährt.

A. K.: Brillanter Humor, der das Leid auffrisst.

Ich hörte, dass eure Band Klinke seit einigen Monaten immer erfolgreicher wird. Wie würdet ihr eure Musik beschreiben und was meint der Begriff Erfolg in eurem Sinne?

C. L.: Axel hat das notiert: Irgendwas mit „Tataminimo mit autistischer Stimme und Hang zur Manie und Repetition“. Erfolg wie wir ihn verstehen, ich sag mal … Anerkennung und Moneten dafür was wir tun, ohne dabei unsere Seele an Dieter Bohlen zu verscherbeln.

A. K.: Christoph hat´s schon angedeutet. Ich konkretisiere: Klinke ist Post-Voodoo-Kraut mit autistisch beseelter Stimme und gesunder Aversion gegenüber Hörgewohnheiten – dekonstruktivistisches Tata-Minimo mit Hang zum Zwang. Erfolg ist, wenn man den ganzen Saal zum Explodieren bringt und das schon als Vorband.

Abschließend: Kann man Mitglied bei Rhizom Halle-Leipzig werden und wenn ja, was setzt das voraus? Was muss ich mitbringen, können und wollen, um mich dem Kollektiv anzuschließen?

C. L.: Er, Sie, Es sollte Telefonbücher zerreißen können, wir nehmen aber auch Leute auf, mit denen wir gerne Ideen aushecken und verrückt genug sein können, „es“ durchzuziehen. Ich glaube, das ergibt sich, wenn man aufeinander zukommt und wächst wie ein Rhizom.

Ich danke euch für das Interview und freue mich auf weitere Kooperationen.

Das Interview führte M. Kruppe.

Bildnachweise: Privat.
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„Kunst inspiriert mich, wenn ich sie fühle“ – Luci van Org im Interview

Luci van Org, unter anderem auch mit dem Outbirdschen-Künstlernetzwerk verbunden und dadurch wiederholte Male Gast auf Geraer und Crimmitschauer Bühnen, ist inzwischen keine Unbekannte mehr, zumindest nicht innerhalb der schwarzen Szene. Auch in literarischen Kreisen kursiert dieser Name zu Recht seit geraumer Zeit, und nun mit ihrer „Yggdrasil“-Story erweitert sich der Szenekreis und es wird eine Zeit kommen, da kommt man um die sympathische Berlinerin nicht mehr drumherum. So eine Zeit gab es schon einmal. Das war 1994, „Ich bin so froh, dass ich ein Mädchen bin“, sang da eine Lucilectric, die verspielt auf einer Schaukel in einem Filmstudio saß, die langen Dreadlocks wehen ließ und dem Mädchensein huldigte. Typische One-Hit Wonder könnte man meinen.

Als wir vor ein paar Jahren bei einer dieser typischen Youtube-Nächte auf die Formation „Übermutter“ stießen, wunderten wir uns darüber, dass wir doch verdammt nochmal die Sängerin kennen. Die Suchmaschine wusste natürlich Bescheid. Die uniformierte Dame, in dem Clip zu Heim und Herd, die da Fetisch, SM und schwarze Szene, irgendwie neu aber alt, irgendwie alt aber neu, verband, war einst auf VIVA und MTV zu sehen….

Da liegt die Frage nahe: Was ist passiert? Was, Wem oder welchen Umständen haben wir diesen, wie wir finden durchaus positiven, Wandel zu verdanken? Was geschah in all den Jahren der „Versenkung“ und wo kommt das Licht am Ende des Tunnels her?

Hallo Luci. Auch, wenn du diese Frage ganz sicher schon tausendmal beantwortet hast: was ist zwischen Lucilectric und Luci van Org passiert? Nach Jahren der vermeintlichen Stille ist Dein Name plötzlich wieder in vieler Munde, Du bist Kreativworkaholicerin, Moderatorin, Schauspielerin, Musikerin, hast unter anderem zahlreiche Bücher geschrieben. War es nur scheinbar still um Dich? Was hast Du all die Jahre gemacht?

Au wei, ich fürchte, das wird etwas länger, dafür beantworte ich die anderen Fragen kürzer…

Aaaaalsooo… Luci van Org hieß ich auch schon zu Lucilectric- Zeiten und still war es bei mir nie. Ich musste mir nach der Bandauflösung von Lucilectric nur eingestehen, dass ich für das Berufsbild „Popstar“ komplett untalentiert bin. Im Lucilectric-Tourbus haben alle mich immer „Höhlenkind“ genannt, weil ich mich am liebsten in meiner Koje vergraben und gelesen habe. Ich bin extrem schüchtern, brauche viel Ruhe und Zeit für mich allein. Auf Partys mit vielen, fremden Leuten fühle ich mich deplatziert, ich werde nicht gern fotografiert und auf Kommando strahlen kann und mag ich auch nicht. Ich war in der Welt, in der ich da funktionieren musste, also komplett falsch. Für viele Musiker ist der ganze Rummel eine Riesenbestätigung und ein Genuss. Für mich aber war er immer nur ein notwendiges Übel, dem ich mich mehr und mehr entzogen habe. Deshalb bin ich nach Lucilectric auch nie in irgendwelchen „Promi“-Formaten im TV aufgetaucht, obwohl mir von Dschungelcamp bis „Promi-Dinner“ nun wirklich schon alles und für viel Kohle angeboten wurde.

Stattdessen habe ich mich schließlich wieder darauf besonnen, so authentisch wie möglich kreativ zu arbeiten. Das ging bei Lucilectric nicht mehr. Wir hatten uns künstlerisch und auch menschlich viel zu weit voneinander entfernt. Aber ich stand ja schon lange vor Lucilectric als Musikerin auf der Bühne und im Studio, habe für andere Künstler komponiert und getextet, habe geschauspielert und ja ursprünglich Kunst studiert. Also war ich dann nach der Trennung dann einfach weiter kreativ. Zum Teil auch richtig erfolgreich. Nur eben, ohne mich um den ganzen Promi-Popstarzirkus zu bemühen, weswegen es von außen sicher stiller aussah.

Was die Hinwendung zur Szene angeht, habe ich mich übrigens gar nicht gewandelt. Ich habe lediglich zu meinen Wurzeln zurückgefunden. Bands wie The Cure, Siouxsie and the Banshees, Sisters of Mercy oder die Einstürzenden Neubauten haben mich als Teenie musikalisch, emotional – und auch optisch – sozialisiert, waren gewissermaßen meine Ursuppe. Nur „Gothic“ hieß das Ganze damals noch nicht, sondern „New Wave“ oder „New Romantic“. War vom Lebensgefühl aber so ziemlich dasselbe- und sah erstaunlicherweise auch fast genauso aus wie heute…

Je mehr Musik ich dann aber selbst gemacht habe, desto mehr haben mich auch Musikerinnen und Musiker aus anderen musikalischen Umfeldern beeinflusst und ich wollte kein Teil einer Szene mehr sein. Ist ja auch ganz normal und gesund, sich mit dem Erwachsenwerden zu verändern.

Auch hinter dem ersten Lucilectric- Album stehe ich bis heute voll und ganz. Wir waren in Deutschland immerhin die erste Band, die Technobeats mit Punkrock kombiniert hat. Auf unseren Konzerten wurde Pogo getanzt. Und „Mädchen“ musste erst in Holland ein Hit werden, bis deutsche Radios sich getraut haben, es zu spielen, weil der Song – so albern das heute klingt – zu „schräg“ und zu „rebellisch“ war. Am Anfang waren Lucilectric wundervoller, lustiger Krawall, ganz nach meinem Geschmack. Dann aber hat die Plattenfirma uns durch jede noch so blöde Mainstream-TV-Show gejagt, übel in unserem 2. Album herumgepfuscht und mit heftigsten Vertragsstrafen gedroht, wenn wir uns nicht fügen. Da wurde es kurz mal schlimm. Heute würde ich in solchen Situationen nur den Mittelfinger zeigen, aber mit Anfang 20 habe ich mich von sowas leider noch beeindrucken lassen.

Immerhin haben wir es dann geschafft, die Firma zu wechseln. und mit dem dritten Lucilectric- Album „Tiefer“, von dem es ein Song damals sogar schon auf einen Gothic-Sampler geschafft hat, begann dann eigentlich bereits die Rückkehr zur Ursuppe. Allerdings erstmal ohne dass ich es gemerkt hätte. Bis zum Debütalbum von „Das Haus von Luci“, dem ersten Album, das ich komplett allein produziert habe. Da wollte ich einfach nur ein richtig tolles Album machen. Wollte der Welt und mir selbst zeigen wie ich mich anhöre, wenn ich keine Kompromisse machen muss, und ich selbst fand das Album sehr fröhlich und poppig. Für Radio, Presse und die Booker der großen Festivals war es aber „schräg“ und „düster“; und das erste Festival, auf dem „Das Haus von Luci“ dann schließlich gespielt haben, war das WGT 2004… Soviel zu dem, was aus mir rauskommt, wenn ich keine Kompromisse machen muss. Die Begeisterung und Offenheit, mit der mich das Publikum damals in der Moritzbastei empfangen hat, hat mich dann komplett überwältigt. Das war ein echtes Nach-Hause-Kommen.

Was war zuerst da, das Schreiben oder die Musik?

Die Musik. Ich konnte Noten vor Buchstaben lesen, wollte Sängerin werden, seit ich denken kann, habe mit 14 das erste Mal Geld fürs Singen bekommen und mit 16 angefangen vom Singen zu leben. Musik ist mein Zuhause, die Welt, in der ich mich absolut sicher und zu Hause fühle.

Songtexte geschrieben habe ich auch schon ganz früh. Und teilweise waren die ganz schön schlimm… gerade die englischen. Zum Glück gibt es von damals nichts im Internet… Geschichten oder sogar Romane zu schreiben, hätte ich mir früher aber nie zugetraut. Erst Ende der Neunziger hat mich ein sehr netter Journalist ermutigt, es mal mit dem Kolumnenschreiben zu versuchen, was dann so gut geklappt hat, dass ich nicht mehr aufhören konnte zu schreiben.

Was macht mehr Spaß, das Schreiben oder die Musik (fiese Frage 😉)?

Bei Fleißarbeiten macht immer das am meisten Spaß, was ich gerade nicht tue. Beim Gitarre üben oder beim Spuren editieren im Studio würde ich viel lieber was schreiben; wenn ich Romankapitel oder Drehbücher überarbeiten muss, würde ich gern viel lieber Musik machen. Aber wenn´s einfach läuft, gibt es keinen Unterschied. Dann bin ich einfach nur glücklich mit dem, was ich mache.

Was unterscheidet „Üebermutter“ von Deinem Elektroprojekt „Meystersinger“?

Viel weniger, als es zunächst scheint. Beide Projekte sind unterschiedliche Pole desselben Planeten. In beiden geht es – oft ziemlich politisch – mit ganz viel ehrlichen Emotionen um Zwischenmenschliches. Bei Üebermutter speisen sich diese Emotionen aber vor allem aus Wut und bei Meystersinger aus Mitgefühl und dem Willen zur Versöhnung. Diese beiden Extreme, zwischen denen ich in meinem Leben ständig hin- und herpendele, in einem musikalischen Kosmos zu vereinen, habe ich bisher noch nicht geschafft. Da braucht es einfach zwei Bands – mindestens…

Liegt dir eins der Projekte mehr am Herzen und wenn ja warum?

Immer das Projekt, an dem ich gerade arbeite, ist mein wichtigstes Projekt und liegt mir am meisten am Herzen. Das kann morgens ein anderes sein als mittags und nachmittags wieder ein anderes.

Kunst ist Ausdruck des Ichs…. Ganz klar. Was Kunst für dich persönlich aus der Schöpferinnensicht bedeutet, liegt bei der Fülle an Projekten die du da am Laufen hast, auf der Hand. Gibt es auch Luci van Org die Konsumentin von Kunst? Was gefällt dir persönlich, was inspiriert dich und warum?

Kunst inspiriert mich immer dann, wenn ich echte Emotion spüre. Wenn ich das Gefühl habe, dass jemand nicht nur mit irgendeiner Masche, Mode, Form oder einem vermeintlichen Gefühl kokettiert, sondern wirklich den Drang hat, mir etwas mitzuteilen. So, wie zum Beispiel bei Trey Parker, dem Schöpfer von Southpark. In so gut wie allem, was er macht, und sei es noch so schwarzhumorig, ist der gnadenlos ehrliche Wunsch nach einer besseren Welt, nach einem besseren, liebevolleren menschlichen Dasein zu spüren. Wenn ich das irgendwann mal auch nur halb so überzeugend hinkriege, führe ich ein Tänzchen auf.

Seit wann ist Kunst und Kultur (so) wichtig für dich? Wie hast du entdeckt, dass du ein Faible für Kunst und Kultur hast?

Ich habe kein Faible für Kunst ins Kultur. Ich kann einfach nichts anderes, und nichts anderes würde mich glücklich machen.

Du nutzt Namen, Erfolge und Kontakte unter anderem auch als Schirmfrau des „Bundesverbandes verwaiste Eltern und trauernde Geschwister in Deutschland e.V. (VEID.e.V.)“. Welchen Bezug hast Du zu diesem Thema?

Den der Empathie und den der Einsicht, dass es Dinge gibt, die so entsetzlich und so grausam sind, dass ich sie nicht nachempfinden kann, wenn ich sie nicht selbst erlebt habe.

Ich kann Eltern, die den Tod ihres Kindes erleiden müssen, aber zumindest ein klein wenig beim Überleben helfen, und das versuche ich. Indem ich mich, wo immer es geht, darum bemühe, die Öffentlichkeit für die Wichtigkeit der Vereinsarbeit zu sensibilisieren und – ganz profan – auch Menschen davon zu überzeugen, Geld zu spenden. Am Wichtigsten ist mir aber, Berührungsängste gegenüber betroffenen Eltern abzubauen. Zu zeigen, dass im VEID trotz – oder sogar gerade wegen – der allgegenwärtigen Trauer auch gelacht und geliebt und gefeiert und geschimpft und sich gestritten wird. Davon zu erzählen, was für bewundernswerten Menschen mit oft übermenschlichen Kräften ich dort immer wieder begegne und wie viel ich von ihnen lerne. Genau dieser Kontakt mit den Betroffenen ist auch meine größte Motivation. Ich bin so dankbar für alles, was ich von ihnen schon lernen durfte und für das große Vertrauen, das mir entgegengebracht wird.“

Das Interview führten M. Kruppe und Tristan Rosenkranz.

Bildnachweise: Axel Hildebrand
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„Jenseits geschmacklicher Moral“ – Jenz Dieckmann im Interview

Jenz Dieckmann, einer der in Deutschland sehr seltenen Herausgeber morbider, verstörender, obskurer und bizarrer Kunstformate, gibt nicht nur seit geraumer Zeit das ebenso edle wie abgründige INSIDE Artzine heraus, sondern darf neben Tomas Jungbluth und Ron Miller ebenfalls des Inhalts der Jungbluthschen Anthologie „Apokalyptischer Alltag„, einer Sammlung literarisch-schwärzester Abgesänge auf diese Welt, schuldig gesprochen werden.

Zur Einleitung: Seit wann gibt es das INSIDE-Artzine und was war die ausschlaggebende Motivation und der Anlass zur Gründung deines Magazins?

Das INSIDE artzine gibt es seit 1990, damals noch ein kopiertes s/w Fanzine mit gesammelten Werken von Freunden und anderen Irren aus der Nachbarschaft. Antrieb war eigentlich nur mal unser eigenes, verrücktes Zeug auf Papier zu sehen. Die Auflage der Nummer 1 lag bei 100 Stück, von Hand zusammen gelegt und getackert. Durchaus motivierernd war damals aber auch ein Heft names COMIC TRASH (vom Florian Engel), der hatte damals schon eine echt beeindruckende Schnittmenge aus schräger Kunst (hauptsächlich Zeichnungen z.B. von Jeff Gaither, R.K. Sloan, Orlando) und massig Info über Künstler, Bücher, Mags, Distros. Sehr wichtig damals, in einer ausschließlich analog vernetzten Welt. Und wie das so ist als Punkrockkid, da kommt der schnell der Gedanke „Wow, will ich auch“. Und was soll ich sagen, der Gedanke ist mir seit jetzt über 20 Jahren nicht mehr aus dem Kopf gegangen.

Welche Auflagenhöhe und welche Reichweite hat das Heft und in welcher Regelmäßigkeit erscheint es?

Die aktuelle Ausgabe #17 hat eine Auflagenhöhe von 1000 Stück, ist weltweit konsumierbar (via unserem Webshop, plus einigen anderen Spots rund um diesen verkommenen Planeten) und ist exklusive für das Jahr 2014 erschienen. Ich arbeite dran, vielleicht auch zweimal im Jahr eine Ausgabe hinzubekommen, mache mir da aber auch keinen Stress. Der ist nicht gut für die Gesichtshaut.

Eine an Künstler oft gestellte Frage: Was willst du mit deiner Kunst ausdrücken? Wie wichtig ist dir die Message, die Attitüde?

Eine „unter Künstler“ gefürchtete Frage Im allgemeinen schwer zu beantworten, aber da du ja speziell nach meiner Kunst fragst, versuch ich es mal. Ein bewusste Message würde ja eigentlich voraussetzen, dass ich schon beim Produzieren der „Kunst“ darüber nachdenke, wie bring ich diese Botschaft unter die Leute. Die beste Botschaft macht ja keinen Sinn, wenn sie meinen kreativen Keller nicht verlässt. Das wiederum behindert aber schon in gewisser Weise den Prozess des „wie bekomme ich das Bild, was in mir ist, möglichst unverfälscht auf die Leinwand, Bildschirm, etc.“?! Ich muss drüber nachdenken, wie verpacke ich die Botschaft, wer soll sie verstehen, lasse ich Kritik an der Botschaft zu. Da wird’s dann immer länger. Denke, bei meinen Sachen ist es eine Mischung: Während des „Zusammenreimes“ ganz am Anfang, interessieren mich Botschaft, Publikum, Sinn einen Scheissdreck. Da steht dann eher der unreflektierte Spaß im Vordergrund. Wenn dann Sachen dabei rauskommen, die auch für andere einen Sinn machen, yeah. Und um ehrlich zu sein, es ist mir schon lieber, wenn der Betrachter die Chance eines Zugangs zu einem Kunstwerk bekommt, der sich über die beiden äußeren Ende „versteh’ ich nicht“ und „schön“ hinaus bewegt.

Du bezeichnest das INSIDE als Art Scum. In welcher Weise seid ihr der Kunst Abschaum?

„Abschaum“ ist ein Zeichen der Respektlosigkeit. Die Kunst ist keine Wissenschaft, die man erlernen muss. Keine Religion, an die man glauben muss. Keine Erkenntnis, der man hinterher jagen muss. Kein Heiligtum, was an weißen Wänden angebetet werden muss. Ich hört immer wieder „Ich versteh ja nichts von Kunst“. So ein Schwachsinn. Alles was man braucht um Kunst zu „verstehen“ sind zwei Augen mit einem Hirn in der Mitte. Wer dann auch noch zwei Hände hat, kann direkt mitmachen. Der Kunst Abschaum nimmt sich selbst nicht wichtig, denn er hat nichts zu verlieren. Keine Moral, keine Tabus, keine Unschuld. Also in diesem Fall ein klarer Fall von Understatement.

Was muss für dich ein Bild, ein Künstler erfüllen, damit er im INSIDE aufgenommen wird, gibt es da irgendwelche Kriterien und auf was legst du am meisten Wert?

Da das INSIDE artzine im weitesten Sinne ein Egozine ist, gibt es nur eine Hürde die man nehmen muss um ins Heft zu kommen: Mein Geschmack. Wenn mich eine Arbeit flasht, dann auch meistens ohne groß drüber nach zu denken. Kennt ja jeder (z. B. bei Musik), manchmal hauen einen Sachen direkt vom Hocker, ohne das man genau weiß warum. Es gibt also keine Checkliste… „krank“, „durchgedreht“, „finster“… nach der ich Bilder sortiere. Manchmal ist es die handwerkliche Qualität, die mich an einem Kunstwerk beeindruckt, manchmal die Schlichtheit. Manchmal weil es krass hässlich wirkt, oder weil es eine tiefe dunkle Schönheit ausstrahlt. Wobei das Problem „Hässlichkeit vs. Schönheit“ ja auch eher eine oberflächliche Entscheidung ist. Ist eine Blume hässlich, wenn man weiß das sie auf einem Massengrab wächst? Ist wohl eher eine innere Einstellung zu den Dingen, was Sachen schön oder hässlich erscheinen lässt!?

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Wenn man dein Magazin durchblättert, gewinnt man schnell den Eindruck, als würdest du beinahe auf jegliche Werbung verzichten oder dir deine Werbepartner/-kunden (die hauptsächlich aus dem Punk/HC- und linkspolitischen Umfeld stammen) selbst aussuchen. Dabei besticht das Heft mit 170 Gramm schweren Papierseiten und einer professionellen Aufmachung; wie kannst du das preislich stemmen, bei einem Verkaufspreis von gerade mal 7,50€ Euro? Ich glaube da verlangen andere Kunstmagazine erheblich mehr und sind zudem noch mit massig Werbeanzeigen vollgestopft?

Yep, das Heft ist bewußt werbefrei, das was man ab und an sieht, sind befreundete Projekte die ich pushen will oder Tauschanzeigen (old school halt ;-). Ich denke, das muss jeder Herausgeber für sich entscheiden. Bei mir steht der kommerzielle Aspekt nicht im Vordergrund, da ich nicht von dem Mag leben muss. Sagen wir mal, der materielle Teil ist in Zeiten von Flyeralarm & Co. durchaus machbar (auch mit einem Verkaufspreis von 5 Euro), die Zeit die ich reinstecke ist dagegen nicht mit Geld zu bezahlen. Dafür macht es zu viel Spaß. Und das man mit Spaß kein Geld verdienen kann, wissen wir doch alle, oder?! Schwer zu sagen wie lange ich noch in der Art weitermache. Irgendwann werde ich mit Sicherheit aber auch dazu übergehen, schon morgens beim Durchsehen der neuen Beiträge Cocktails zu trinken. Mittags dann mal kurz in die Redaktion, Handy aufzuladen und ein paar Leute entlassen und abends dann auf illegalen Ausstellungen in ausgetrockneten Abklingbecken Bestechungsgelder von japanischen Kunstsammlern kassieren.

Du kommst aus der Punk-/Hardcoreszene, kannst du uns mal deine Sozialisation schildern/erläutern? Wie und wann hast du mit Punk/HC in Kontakt gekommen bist und wie du persönlich Punk + HC definierst?

Teil eins der Frage ist einfach: Nach AC/DC und Judas Priest kam Discharge und U. K. Subs, bevor dann alles vom „This is Boston Not LA“ Sampler weggetrasht wurde. Speziell die Gang Green-Nummern sind für mich bis heute die Maßeinheit für „Ausrasten“, und ab da wußte ich: Wow, so klingt mein Soundtrack beim Abfahrtslauf. Und mir wurde klar, dass diese Power nicht auf kompositorischem Wissen und instrumentalem Geschick basierte, sondern schlicht weg auf Leidenschaft. Mach es, wenn du Bock drauf hast! Scheiss egal wie es klingt, aussieht und/oder schmeckt. DIY! Und damit kommen wir zu dem zweiten, weitaus schwierigeren Teil deiner Frage. Um sich jetzt nicht in endlose Laberei zu verfilzen (ja ja, strenggenommen ist „Punk“ ja auch noch mal was anderes als „Hardcore“ bla bla): Ich finde, was die meisten Aktivitäten dieser Szene vereint, ist der Wille „sein Ding zu machen“. Sei es eine Band, ein Zine, eine Konzertgruppe, eine Kneipe, ein Crustcorestammtisch. Das klingt nach Egonummer, meint aber eigentlich nur, dass man Dinge immer weiter entwickeln soll. So wie man denkt, dass sie besser sind und einem persönlich noch mehr Spaß bringen. In „Punk“ muss man Energie stecken um welche zurück zu bekommen. Und damit meine ich nicht 20 Paletten Dosenbier auf irgend einem RedBullMercedesTelecom-Festival mit berühmten, etablierten Punkbands zu stemmen. Ansonsten erlebt man nur Oberfläche.

Auch wenn es durch die zahlreichen und oftmals gestalterisch aufwendigen Cover und Flyerartworks, sowie die in deinem Heft provokanten und aussagekräftigen Abbildungen offensichtlich sein sollte das Punk, Hardcore und Kunst einhergehen – Kannst uns vielleicht doch nochmal erklären wie für dich Punk/HC oder die Subkultur im allgemeinen mit der Kunst zusammenpasst?

Würde ich vielleicht gar nicht so eng formulieren. Klar eine Menge Kunst kann man durch seine provokative, unangepasste Art dem „Punkkontext“ zuordnen, einfach weil es scheinbar ähnliche Werte sind, die da transportiert werden. Aber jetzt so etwas wie „Punkkunst“ zu konstruieren, finde ich unsinnig. Da schafft man sich nur neue Ghettos im Kopf. Die Kunst ist frei. Ob im Punk, Hip Hop, Death Metal oder Country & Western.

Und wenn wir gerade schon mal beim Punkkontext angelangt sind. Welche Künstler aus diesem Genre schätzt du am meisten?

Hm, du meinst Künstler die im Zusammenhang mit Punk-Plattencovern auftauchen?! Jeff Gaither/R. K. Sloan (Accüsed), Mad Marc Rude (Misfists) oder Michael Seiff (das legendäre „No Mercy“-Cover). Bands? Classics: Dead Kennedys (Fresh Fruit…), Plasmatics (Last Hope…), Black Flag (My War), R. K. L. (RnR Nightmare), +++ Aktuell: Horse the Band, Lewd Act, Waltari, Melt Banana, The Swellers, Christmas (letztens als Vorband REAGAN YOUTH die Show gestohlen), +++.

Ansonsten ging 2014 H. R. Giger von uns, der an den Folgen eines Sturzes verstarb. Siehst du dich von Giger beeinflusst? Oder lass uns die Frage weiter ausholen, welche Vorreiter gab es in der Vergangenheit, die das was ihr publiziert etablierten oder den Grundstein dafür legten?

Auf allerjedenfalls. Der Hans Rüdi war als Künstler ein absolut eigenes Universum! Leider in den Augen vieler über die Jahre zu einem HeavyMetalCover-Künstler geschrumpelt, hat der Mann die Finsternis in der Malerei neu definiert. Bezeichnend dafür ist, dass, um die Einzigartigkeit der Wirkung seiner Bilder auf den Betrachter zu erklären ein eigenes Wort erfunden werden musste: Gigeresk. Ein Künstler, der sein Werk nur durch sich selbst erklären kann. Crazy shit!!! Ich war gerade dran, mit ihm ein Interview für das INSIDE artzine anzuleiern, als das passierte, aber scheiss auf das verfickte Interview: H. R…. sei auf ewig bedankt für deine Einsichten hinter den schwarzen Vorhang! Hm, Grundsteine… Auf jeden Fall inspirierend fand ich schon immer die Urpunker des Dadaismus. Nichts ernst nehmen, dabei immer schön ernst wirken und die mentale Brechstange der Provokation in der Tasche bereit halten. Die haben Grundlagen geschaffen. Guckt euch die Sachen eines John Heartfields an! Da sind Collagen dabei, die sind über 70-80 Jahre alt und würden 1:1 auf das Cover der nächsten Crustpunkscheibe passen. Speziell seine Anti-Hitler-Collagen sind beeindruckend. Wohlgemerkt zu einer Zeit, wo man für Naziverarsche durchaus mehr befürchten musste, als „nur“ eine aufs Maul zu bekommen.

Auf den ersten Blick wirken die Kunstwerke in deinem Heft schon etwas verstörend/psychotisch. Einigen Leuten denen ich das INSIDE zeigte, fanden es sogar zu derb und mental herunterziehend, haha… Was sind so die gängigen Reaktionen auf dein Heft und welche war bisher die heftigste?

Ha ha, „mental herunterziehend“. Das ist aber eine nette Formulierung für „destruktive Scheisse“ (auch schon gehört). Ja, kenn ich so Reaktionen. So im Sinne von „Kunst muss doch positiv sein und mich weiterbringen“. Das kommt dann aber meistens von Leuten, die ihren Geschmack als Maßstab für alle anderen nehmen. Was weiß’ ich denn, was ihn „weiterbringt“?! Es gibt aber auch durchaus differenziertere, negative Meinungen. Auf einer Ausstellung meinte eine ältere Frau mal zu einem meiner Bilder „Ich find dieses Bild abgrundtief hässlich und abstoßend und ich würde es mir nie an die Wand hängen (ha ha, was für eine absurde Idee nebenbei bemerkt), aber es berührt mich.“ Na das ist doch schon mal was. Mir ist es lieber, eine negative Reaktion zu erzeugen als vorbeigeplätscherte Beliebigkeit. Hat wohl auch was mit der nächsten Frage nach der „Provokation“ zu tun, also liest du da weiter. Noch kurz zu den Reaktionen: Es gibt natürlich auch positives Feedback, im Sinne von „geilster Scheiss auf Erden“. Ich bin dankbar für jedes nettes Wort, nicht weil es ein angenehmes Gefühl ist (das ist es), sondern weil es ein Ansporn ist, weiter zu machen. Also mal ein weltumspannendes „Dankeschön“ an all die Irren da draußen, die unseren Stuff mögen! Und lass euch nicht belabern… ihr seid nicht (wesentlich) kranker als die andern…

Was fasziniert dich genau an der Provokation und wieso hältst du die Provokation für wichtig? Nun ist Provokation aber auch ein sehr weites Spielfeld, bei dem die Grenzen (soweit sie eben im Auge des Betrachters existieren) gewollt überschritten werden. Gibt es für dich diese Grenzen oder eine gewisse Grauzone in der z. B. Nazisymbole zur Provokation genützt werden?

Die Provokation ist ein erprobtes Mittel speziell in der Kunst um Aufmerksamkeit zu erregen. Sid Vicious und sein Hakenkreuzshirt. GG Allin frisst seine eigene Scheisse. Duchamp stellt ein gewöhnliches Pissbecken mit Unterschrift im Museum aus. Die Provokation zwingt den Betrachter zu einer Reaktion. Im besten Fall ist diese ein konstruktiver Beitrag. So haben die Reaktionen auf Duchamps Pissbecken („Fountain“ 1917) z. B. das Selbstverständnis von Kunst („was ist Kunst“) entscheidend beschleunigt. Im schlechtesten Fall gibt’s eines aufs Maul für den Künstler (siehe GG Allin, der stand aber auch drauf). Kann man sich dann ja überlegen, was besser ist, oder?! Und… ja klar gibt es auch Grenzen! Es gab mal den Fall eines nikaraguanischen Künstlers, der im Rahmen einer Installation einen verwahrlosten Straßenhund im Museum ankettete und (angeblich) verhungern ließ. “Wenn ich den Hund als Kunstobjekt vor eine Wand binde, wird er plötzlich zum Fokus. Wenn er in der Straße vor Hunger stirbt, kümmert das keinen.” Er hat ja Recht, aber das kann man auch anders mitteilen, oder? Grundsätzlich bin ich aber der Meinung, sollte es in der Kunst keinerlei Zensur geben. Wo sonst, als auf der hypothetischen Spielwiese der Kunst, kann man alles thematisieren, ausprobieren, visualisieren ohne direkt von seinem Chef entlassen zu werden?! Ein Labor für Neues, Ungewöhnliches, Unangepasstes, Irres… zu Testzwecken einfach mal laut ausgesprochen um es öffentlich zu hinterfragen. Das heißt ja nicht, dass man sich in einem geistig rechtsfreien Raum befindet. Respektiert eure Umwelt und alles wird gut! Und noch zur Abteilung Hakenkreuzshirt: Wenn jemand meint, mit so etwas so symbolhaft Dummen und Beschissenem wie einem Hakenkreuz posen zu müssen, dann soll er das mal machen, sich aber dann nicht wundern, dass man ihn für genauso dumm und beschissen hält!

Zudem gibt es zwischen all den Bildern auch kritische, politische oder nihilistische Texte (in englischer Sprache) zu lesen. Um was handelt es sich meist in den geschriebenen Artikeln?

Das was ich in Flyern immer als „Stories“ zusammenfasse, sind in der Regel Kurzgeschichten, Lyrikmonster, Statements, Ansagen und Umsturzversuche. Es gibt seltsame Reports über Fickmaschinen („Art that will fuck you“, (Gas)Masken („The art of suffocation) oder die Wahrheit über H. P. Lovecraft („Lovecraft wasn’t wrong“). Außerdem gibt es Interviews, in denen oft die Grenzen zwischen Sinn und Unsinn bzw. Wahrheit und ausufernden Lügen auf einen kleinen juckenden Klumpen Hirn zusammengeschmolzen werden („Gonzo“ genannte). Lest den krassen Copacabana-Sambaabsturz meinerseits mit dem brasilianischen DeathMetalArtist Marcelo Vasco im aktuellen Heft durch und ihr werdet mir Recht geben: Das wäre ja in echt kaum aus zu halten…“

In welchem preislichen Rahmen befinden sich ungefähr die Bilder und kannst du oder deine Kollegen davon leben?

Das ist wahrscheinlich unterschiedlich. Die allermeisten Leute aus dem Heft kenne ich ja nicht persönlich, deswegen kann ich da nur mutmaßen. Ein Chris Mars kostet im Original (Öl) schon seine 9000 Dollar. Da sind schon eine ganze Reihe an Vollzeitkünstlern dabei, die auch durchaus davon ihre Miete bezahlen können. Genau so sind aber auch immer noch die kranken, verrückten Irren im Magazin, die im schallisolierten Keller ihres Reihenhauses, Bilder mit abgebrochenen Filzstiften auf Pizzakarton krickeln um nicht verrückt zu werden. Die leben natürlich von ihren Sachbearbeitergehältern. Wie weiter oben schon mal erwähnt, versuche ich nicht von meiner Kunst zu leben. Im Brotjob bin ich selbstständiger Grafiker.

Im Verhältnis zur Musik ist Kunst meistens ziemlich (über)teuert. Und dabei denke ich gar nicht, das Kunst einen solch enormen Mehraufwand bedeutet. Ich meine, bis eine gut eingespielte Band ihre Songs richtig gut im Kasten hat, vergehen auch unzählig viele Stunden, was dabei aber rum kommt, ist meist sehr spärlich. Daher die kritische Frage, die mich schon seit langem interessiert – Warum ist Kunst so teuer? Und wenn man bedenkt, wie schnell es im Punk-/Hardcore-Underground zu einem Ausverkaufsvorwurf kommen kann, dann frage ich mich ob es diese Vorwürfe auch im Kunstbusiness gibt?

Denke, das hat mit einer der vorherigen Fragen zu tun, nach der Trennung zwischen Mainstream und Underground in der Kunst. Mainstreamkunst hat neben der äußeren Gestalt den Wert zum Inhalt. Und damit ist der reine kommerzielle Marktwert gemeint, sprich wie schaffe ich es einen Künstler noch teurer zu machen!? Dafür gibt es dann eine eingespielte Maschinerie zwischen Magazinen, Galleristen, Kuratoren – da wird dann im PingPongverfahren ein Objekt hochgepitcht, abkassiert und fallen gelassen. Diese Leute schaffen sich selber den Preis, zu dem sie dann verkaufen. Deshalb ist manche Kunst sauteuer und andere nicht. Ich geb zu, dass ist jetzt eine sehr vereinfachte Sicht der Dinge, aber diese gutgeölte Maschinerie der Wertsteigerung findet sich an allen Ecken und Enden in unserer kapitalistischen Gesellschaft. Der ideelle Wert spielt da leider nur noch eine untergeordnete Rolle. In Bezug auf „Ausverkauf“: Ich kann es niemanden verübeln, dass er mit seiner Arbeit Geld verdienen will. Haut rein, Leute. Irgendwann geht aber wohl jeder persönliche Reichtum auf Kosten anderer, oder?! Im Gegensatz zur PunkrockHardcoreMusikszene scheint der „Aufstieg“ aus dem Kunstunderground in Gefilde, in denen man seine Miete davon bezahlen kann, aber weniger argwöhnisch betrachtet zu werden. Ich denke, es wird eher als verdienter Erfolg gewertet. Wie weit man sich als Künstler für den Erfolg bückt, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Inwieweit kannst du dich mit der (ich weiß gar nicht, wie ich dazu sagen soll) „normalen“ bzw. jener Kunstszene identifizieren, die Prosseco schlürfend vor ihren oftmals für den objektiven Betrachter sinnentleerten Bildern stehen um diesen doch eine höhere Bedeutung hinein interpretieren?

Ha, ha, ich weiß genau was du meinst. Diese Leute gibt es IMMER auf Ausstellungen, völlig unabhängig davon, wo und was an der Wand hängt. Ich identifizier mich grundsätzlich mit gar nichts, also kann ich mich auch ganz entspannt mit solchen Leuten unterhalten und dabei meine Forschung über aufrecht gehende Einzeller vorantreiben.

In einem anderen Interview hast du unterschieden zwischen dummer und intelligenter Kunst, was wären hierfür die Kriterien, ab wann ist Kunst für dich dumm oder intelligent?

Hm, so verkürzt klingt das sehr arrogant, so als wenn ich die Weisheit mit großen Löffeln gefressen hätte. „Dumm“ würde ich mal eher im Sinne von „leidenschaftslos“ betrachten. Sachen, die sich einem Trend anbiedern, die sichtbar berechnend sind oder offensichtliche Propaganda (für was auch immer) sind, könnte man als „dumm“ bezeichnen. Dumm, weil es schade ist, eine ultimativ kreative Ausdrucksmöglichkeit, wie der Kunst, nur mit egoistischen, angeberischen Inhalten zu verschwenden!? Da macht es doch mehr Sinn, seine Gefühle, seine Wünsche, seine Verzweiflung in seine Arbeit zu packen und so seiner eigenen Existenz, dem Universum und all den durchzechten Nächten einen Sinn zu geben, oder? Damit wir uns nicht missverstehen: Am Ende ist es aber dann auch wieder der persönliche Geschmack, der einem das Kunstfeuer durch den Arsch jagt oder nur einen blassen Furz aus dem Arsch der Empfindung entlässt. Ich würde niemals einzelne Kunst/Künstler als „dumm“ oder „intelligent“ aburteilen! Bin ich Mr. Knowitall, oder was?

Inwieweit verfolgst du die Mainstream-Kunstszene? Wohin steuert die Kunst, was sind die Entwicklungen usw.?

Gar nicht. Kein Plan. Ist mir scheissegal…

Du arbeitest, wie ich das als unwissender Laie erkennen kann, hauptsächlich mit dem Computer und auch viele der anderen Puplizisten im INSIDE verwenden Grafikprogramme. Welche Rolle spielt heutzutage die Computertechnologie und inwieweit vereinfacht es die gestalterischen Fähigkeiten? Und welche Gestaltungsmaterialien und Techniken werden ansonsten angewendet?

Der Computer ist nur ein weiteres Werkzeug im Kampf den kreativen Druck im Größthirn sichtbar zu machen. Allerdings ein Werkzeug mit einem entscheidenden Vorteil: Die Undo-Taste! Das nimmt ein wenig von der Last der Entgültigkeit von Entscheidungen. Blau oder Rot? Groß oder klein? Du kannst es einfach ausprobieren und dann entscheiden wie es aussieht und ob es das ist, was du sehen willst. Ansonsten ist der Rechner auch immer so gut wie der, der ihn bedient.

Gibt es noch weitere Magazine im Stile des INSIDE-Magazines?

Nein.

Und zum Abschluss noch die obligatorische Bitte um ein abschließendes Wort, Lebensmotto oder dergleichen?

Um mit den Worten deines Kollegen Jan zu sprechen: AC/DC! Auf jeden Fall. KISS ist Kinderkacke! Bela, sei bedankt fürs Interview. Wer Lust hat, schaut sich mal meine Website an – Falling Sky – ich bin immer auf der Suche nach Ausstellungsmöglichkeiten egal wo und in welchem Rahmen. Neben meinen Arbeiten, gibt es natürlich auch die Möglichkeit einer INSIDE artzine Ausstellung. Kontaktet mich für Details. Wem das noch nicht reicht, wir haben auch einen Blog laufen, in dem sich noch mehr Bilder/Interviews/Veröffendlichungen der beteiligten INSIDE artzine-Künstler befinden, sowie massig Reviews, Links und ein Shop mit Mags & Shirts: Artscum.org. In diesem Sinne: Follow the Scum…“

Das Interview führte Dolf Hermannstädter vom „Trust Fanzine“, wir danken ihm für die Freigabe zum/r Abdruck / Wiederverwendung.

Bildnachweise: Jenz Dieckmann, Edition Outbird, Seth Siro Anton, Cristina Otero/Jenz Dieckmann, Trevor Brown

„Zwischen Lebenskunst und Popkultur“ – Tobias Gellscheid (Feature & Interview)

0-tobias-gellscheidIm September 2016 war ich, zusammen mit meinem Freund und Kollegen Benjamin Schmidt auf Sex & Drugs & LiteraTour. Unser Weg führte uns quer durch die Republik und Halle/Saale war Station Nummer zwei.

Die Lesung selbst organisierte ein in Halle lebender Künstler, den ich seit vielen Jahren kenne, denn wir wuchsen beide in der selben Region Thürigens auf, er hauptsächlich in Neustadt an der Orla, ich in Pößneck, unweit der inoffiziellen Luther- und Cranach-Stadt. Und beide hatten wir Wurzeln im Punkrock zum Einen, in der schwarzen Szene zum Anderen, und also lief man sich irgendwann über den Weg, befreundete sich und verlor sich, auch das war Mitte/Ende der Neunziger nicht anders als jetzt, aus den Augen. Wer etwas aus sich machen wollte, konnte auf keinen Fall in der thüringischen Enklave bleiben. Und Tobias Gellscheid hatte damals schon nicht nur Talent, sondern eine seltsame, innere Unruhe, an der sich auch heute noch nicht viel geändert hat.

Man muss sich anfangs anstrengen, ihm folgen zu können wenn er redet, denn seine Sprachgeschwindigkeit gleicht einem Wettlauf der Worte, die alle auf einmal seinen Kopf verlassen wollen, so scheints, weil in diesem eine so hohe Bewegung herrscht, eine Masse an Ideen und Projekten, an Ausdrucksweisen und Bestrebungen, dass es den Eindruck macht, es läge ein enormer Druck im Gellscheidschen Hirn, dem standzuhalten er selbst einst Schwierigkeiten haben muss. Dem aber ist nicht so, denn abgesehen von eben jener Sprachgeschwindigkeit ist der meist schwarz gekleidete Mittdreißiger ein lässiger Typ. Ein Basecap auf dem Kopf, das sein schütteres Haar bedeckt und an eine dieser Lokführermützen aus längst vergangenen Tagen erinnert, das schwarze Hemd mit der Borde auf der rechten Seite leger aufgeknöpft, so dass man das Amulett an seinem Hals sehen kann. Die engen schwarzen Jeans enden in Halbstiefeln, ähnlich solchen aus den Fünfziger Jahren, die von den jungen wilden Rock’n’Rollern getragen wurden. Im Gesamten also ein typischer Künstler, wie es sie zu Hauf im Westberlin der Achtziger gab. Wüsste man nicht, dass Tobias Gelscheid goldene Hände hat, man könnte ihn für einen Musiker halten, der sich mit psychedelischer Rockmusik ein Zubrot verdient.

5Am Abend unserer Lesung, die der Leipziger Krimi-Autor David Gray als Special Guest begleitet, sehe ich Tobias seit Langem wieder und freue mich, mit ihm endlich mal wieder ein paar Worte wechseln zu können. Auch hat er uns für den nächsten Tag in sein Atelier eingeladen, denn natürlich will ich die Gelegenheit nutzen, ihn fürs Outscapes-Magazin zu interviewen.

Seit er im Jahr 2000 die Heimat verließ, um in Flensburg eine Ausbildung zum Holzbildhauer zu absolvieren, verloren wir uns ein wenig aus den Augen. Die meisten Kreativen Menschen verließen das neckische Ostthüringen, denn auch, wenn kulturell so manches versucht wurde und wird hier in der Region, so ist es doch stets Kultur für die Alten, was an dieser Stelle zunächst nicht negativ behaftet sein soll, aber es fehlt und fehlte eben an Möglichkeiten, für junge, rebellische und subversive Künstler, sich verwirklichen zu können.

Die Ausbildung schloss Gellscheid 2003 als Landessieger Schleswig Holstein ab. Dann tingelte er durch halb Europa, arbeitete als freier Bildhauer in Tirol, also Restaurator auf einem Schloss in Trockenborn-Wolfersdorf (nahe Jena), bis er 2009 an der renommierten Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle/Saale anerkannt wurde und dort sein Kunststudium begann. Um neben dem Studium Geld zu verdienen, arbeitet der agile Künstler seit 2011 als künstlerischer Mitarbeiter im Landesamt für Denkmalpflege & Archäologie, Halle/Saale. Mit einem Erasmus Stipendium verschlug es ihn dann im Jahr 2013 für ein Semester nach Lettland, wo er an der Art Academy of Latvia in Riga studierte. Im letzten Jahr schloss Gellscheid dann seine Studienzeit mit einem Diplom bei Prof. Thomas Rug, Kunsthochschule Burg Giebichenstein, ab und arbeitet seither als freier Künstler und Mitarbeiter des oben schon erwähnten Landesamtes.

Buchcover zu Axel Kores´ Roman „Verschwendete Jugend“ (zum Verlagsshop: Bild anklicken)

Am Tag nach der Lesung treffen wir uns in einem gemütlichen veganen Café zum Frühstück. Anschließend machen wir uns auf durch den herbstlichen Nieselregen, der vom grauen Himmel eher wie ein feuchter Nebel herabgleitet, hin zum Hallenser Volkspark, einem Veranstaltungsgebäude, das 1906 von der SPD als Vereinshaus errichtet wurde. Hier wurde, berichtet Gellscheid, der so genannte Kleine Trompeter erschossen. Mir klingelt es, ich erinnere mich an die alte DDR-Musikunterricht-Erziehung und an das Lied des kleinen Trompeters. Fritz Weineck hieß er und ich lese später bei Wikipedia, dass er im Tumult um die Auflösung einer Wahlveranstaltung der KPD erschossen wurde. Halle sei, wie auch Bitterfeld, „eine ganz rote Stadt“ gewesen, sagt Gellscheid und glänzt mit einem durchaus respektablen Vortrag zur jüngeren Geschichte der Stadt in Sachsen Anhalt.

Wir kommen an ein Nebengebäude des Volksparkes im Schleifenweg, das an ein Verwaltungsgebäude aus den Fünfzigern erinnert, ein befensterter Betonklotz, drei Stockwerke, der graubraune Putz blättert in Fetzen von der Fassade. Tobias hält inne, wirkt hektisch bei der Suche nach dem Schlüssel und meint, dass es sein kann, dass wir durchs Fenster einsteigen müssen, er habe den Schlüssel wohl zu Hause liegen lassen. Gut, dass sein Atelier im Parterre liegt und er, vorsorglich und unter Anwendung eines „kleinen Tricks“ wie er sagt, das Fenster oftmals so offen lässt, dass es „zwar zu aussieht, man aber trotzdem reinkommt“. Er lächelt und meint, dass er aber erstmal den normalen Weg versuche. Wir gehen um das Genäude zum Haupteingang, wo glücklicherweise gerade eine Putzfrau zugange ist. Wir kommen also rein ohne die Einbrecher mimen zu müssen.

Drinnen riecht es förmlich nach DDR. Abgestanden, etwas modrig auch, metallisch und schmutzig. Optisch passt sich das Bild dem Geruch an. Wir gehen einen Korridor entlang und stehen vor der Ateliertür. Drinnen Chaos. So stelle ich mir Ateliers vor. Zu unserer Rechten stapeln sich Sessel vor einem Schreibtisch, auf dem allerlei Kleinkram liegt. Farben, Notizen, Tassen, Messer, Stifte… alles, was man eben braucht. Der hintere Teil, der wohl der eigentliche Arbeitsbereich ist, ist abgetrennt von einem schulterhohen Schrank, in welchem sich einige Arbeiten und Probedrucke des Künstlers befinden. Es sieht gemütlich aus, chaotisch unordentlich, aber gemütlich.

Ich setzen uns und ich beginne, Tobias Gellscheid ein paar Fragen zu stellen: Tobias, wie ist das mit dir und der Kunst. Wie und wann kam es dazu, dass du dich auf diesem weg auszudrücken versuchst?

9Kunst war schon immer mein Ding. Schon damals in der Schule hab ich all meine Hefte vollgemalt. Das war halt eher so Saukram. Es kamen sogar Schulfreunde und baten mich, ihnen auch ein paar dieser Titten in ihre Hefte zu zeichnen. Irgendwann hat es mir dann in Thüringen gereicht. Diese trübe Bauarbeitermentalität, die so rabiat und roh ist, hat mich da mehr oder weniger verjagt. Da wirst du, wenn du auch nur bisschen feingeistiger bist, einfach nicht akzeptiert. Durch Kumpels wie den Bildhauer und Weltreisenden Johannes Foetzsch (Anm. d. V.: Outbird wird noch berichten) und einige Andere kam ich dann über Umwege hier her zum Kunststudium.

Was machst du momentan? Woran arbeteites du, womit verdienst du dein Geld?

Naja, wie schon gesagt, bin ich künstlerischer Mitarbeiter des Landesamtes für Denkmalpflege in Halle. Aktuell also arbeite ich im Museum für Vorgeschichte und mache dort Zeichnungen von Exponaten und Funden. Aber ich will schon wieder mehr künstlerisch arbeiten in Zukunft. Natürlich verdiene ich auch hin und wieder Geld mit Verkäufen meiner Arbeiten. Meist auf Ausstellungen.

Was bezahlt man denn für deine Arbeiten so im Schnitt?

Also für Drucke und Holzstiche meiner Beatles-Serie bist du schon mal mit bis zu 550 Euro dabei.

„Beatles-Serie“ sagst du. Was bedeutet das genau?

Die Beatles sind seit langem ein großer Inspirant für mich und meine Arbeit. In meiner Kunst geht es viel um Popkultur und die Beatles sind so ziemlich DER Archetyp dafür. Zum Teil ein bisschen dümmlich naiv und das füttert ja die infantile Fankultur. Das Ganze bricht sich also in manchen Momenten ganz komisch. Hier liegt mein Fokus. In der Wahrnehmung der „Idole“. In der Verherrlichung von Popstars, die zuweilen wie Ikonen verehrt werden.

Gibt es noch andere Einflussgeber, also Künstler, die dich inspirieren bzw ohne die du nicht da sein würdest, wo du jetzt bist?

Klar gibt’s da einige. Zum Einen inspirieren mich meine Kommilitonen. Um ein paar bekannte Namen von großartigen Künstlern zu nennen: Klinger, Böcklin, Kollwitz, Goya und auch Kubin dürfen da nicht fehlen.

Gibt es eine Art Fahrplan für deine Zukunft, hast du Visionen, was deine Arbeit angeht?

(Lacht) Ich glaube, es war Helmut Schmidt, der sagte: Wer Visionen hat, der soll zum Arzt gehen! … Nein im Ernst. Ich willl natürlich weiter Kunst machen. Umsteigen von meinen Arbeiten an der Popkultur und mich mehr auf Landschaften und Stillleben konzentrieren.

Wieviele Stunden am Tag sitzt du eigentlich hier und arbeitest?

Naja, das kommt drauf an, aber im Mindesten vier Stunden täglich. Mehr geht zur Zeit nicht, weil ich ja meinen Brotjob noch habe.

Verfasser: M. Kruppe.

Bildnachweis: M. Kruppe und Tobias Gellscheid.

Zur Website vom Tobias Gelscheid: bitte hier entlang.