Line Bogh „Ich hab nie etwas anderes in Betracht gezogen“ [Interview Teil 2] | Outscapes #7

[Interview Teil 1 ist in Druckversion im Magazin für alternative (Genuss)Kultur „Outscapes“- Ausgabe #7 erschienen. Line Bogh ist am 21. 04. 2018 auf Burg Ranis live zu erleben.]

… Wo werdet ihr noch unterwegs sein?

Im Frühjahr 2018 spielen wir 16-20 Konzerte in Deutschland und ich hoffe noch einmal so viel im Oktober. Hier habt ihr eine Übersicht der bisher bestätigten Termine: 14. 02. – Koppelschleuse Meppen, 15. 02. – Café Ludwig, Halle, 17. 02. – Kultur Schlachterei, Rendsburg, 21. 02. – Tonfink, Lübeck, 23. 02. – Strudelhof Magdeburg, 24. 02. – Prinz Willy, Kiel, 13. 04. – Spieker Eckernförde, 14. 04. – Café Book, Jesteburg, 18. 04. – Lesecafé Odradek, Chemnitz, 19. 04. – Wulbert’s Cafe und Bar, Dresden, 20. 04. – Wohnzimmer, Chemnitz, 21. 04. – Literatur- und Kunstburg, Ranis, 06. 06. – Bei Hempels auf dem Sofa, Leipzig, 08. 06. – Mastul, Berlin, 09. 06. – Komm Du, Harburg, Hamburg, 10. 06. – Noch Jemand Wein, Bielefeld.

Wie ist dein Fankreis in deiner Heimat Dänemark, bzw wie wirst du deiner Meinung nach in Deutschland wahrgenommen?

Dänemark ist ein kleines Land, was zugleich gut und schlecht ist. Das Gute ist, es gibt eine gute Förderung für Künstler, so dass auch die kleinen Künstler überleben können. Die schlechte Seite ist die, dass es zu wenig Raum für all die vielen unterschiedlichen Musikstile gibt und es kleine, unbekannte Künstler schwer haben, selbst ein kleines Publikum auf sich aufmerksam zu machen und zu einem Konzertbesuch zu locken. Das ist etwas was ich an Deutschland sehr mag und schätze, trotzdem die klassischen Medien wie Rundfunk und Fernsehen vom Mainstream dominiert sind, gibt es so viele tolle kleine Läden wo die Leute hingehen, um neue Musik zu entdecken. In dieser Hinsicht habe ich wirklich so viele tolle Erfahrungen in Deutschland gemacht. Und es macht für mich auch viel mehr Sinn mich hierauf zu fokussieren anstatt den Code zum Airplay im dänischen Radio zu knacken (lacht).

Als ich Anfang 2017 zum ersten mal deine Musik hörte, musste ich zwangsläufig an Björk denken. Heute kann ich gar nicht mehr genau sagen, warum. Passiert dir das öfter, dass du mit der isländischen Musikerin verglichen wirst? Wenn ja, was meinst du, woran das liegt? Und wie ist das für dich?

Ich bin ein grosser Björk-Fan, daher freue ich mich, dass du da eine Ähnlichkeit entdeckt hast, aber ehrlich gesagt höre ich das nicht sehr oft, ich glaube du bist der Erste… die meisten Leute sagen eher Feist oder Joni Mitchell, hahaha.

Wer inspiriert dich?

Ich höre immer noch gerne das alte Zeug wie Dylan, die Beatles, Nick Drake und Paul Simon. Kürzlich habe ich die Norwegische Sängerin Ane Brun für mich entdeckt, welche wirklich grossartig ist.

Was bedeutet Kunst allgemein für dich?

Kürzlich bin ich aus dem Zentrum von Kopenhagen gezogen, raus an den Stadtrand und näher an meinen Arbeitsplatz. Mein Freund und ich teilen uns einen Arbeitsplatz in einer alten Fabrik. Dort gibt es sehr viele Künstler und da unser Herbst sehr arbeitsreich war, haben wir viel Zeit mit den unterschiedlichen Leuten dort verbracht.
Dort herrscht so eine gewisse Atmosphäre. Wenn viele Leute versuchen, etwas neues zu entwickeln – jede/r hat hierbei ja seine/ihre eigene Idee wie die Sache umzusetzen ist und alle haben so eine große Leidenschaft für ihre Arbeit. Ich glaube, diese Energie die in diesem Prozess entsteht, zu der habe ich eine Abhängigkeit entwickelt was auch mit ein Grund ist, warum ich nichts anderes tun kann. Ich brauche dieses Gefühl von Potential was es gilt zu Tage zu fördern, wunderbare Musik, die ich eventuell zu Papier bringe. Und das hört nicht auf – die Ziele und auch die Ideen drumherum ändern sich ständig und das ist was meine Welt ausmacht und lebendig hält.

Hast du Ziele und Wünsche, deine Musik, aber auch dich ganz persönlich betreffend?

Ich mache gerade meinen Führerschein, also das ist mein großes Ziel für 2018. Ich möchte ein Auto fahren können. Davon abgesehen, bin ich so begeistert über die neue Show mit meinem Freund und diesen visuellen Inputs, ich glaube die Sache wird ein Burner, ein Highlight 2018! Also liegt mein Fokus darauf, richtig… richtig gut zu werden in meinem Spiel, um dann so oft wie möglich aufzutreten.

Eine abschließende Frage, die mich persönlich sehr interessiert: Wird, wie in Deutschland zur Zeit, auch in Dänemark über das Bedingungslose Grundeinkommen, ein staatliches Einkommen also, als Grundstock zur Finanzierung des Lebens ohne Bedingungen, diskutiert? Wenn ja, wie stehst du dazu, gerade hinsichtlich der Förderung und Unterstützung von Künstlern und Kulturschaffenden?

Ja, diese Diskussion führen wir auch und ich glaube es gab auch ein Experiment in diese Richtung vor nicht allzu langer Zeit. Sie hatten eine Gruppe Leute, die seit geraumer Zeit vom Arbeitsmarkt entfernt waren und sie bekamen alle Sozialhilfe/Arbeitslosengeld. Ihnen wurden gestattet, zu tun was sie wollten, sie hatten unbezahlte Arbeitsplätze an Orten an denen sie gerne tätig sein wollten und so. Der Versuch war ein voller Erfolg – einige Leute haben wieder in den Arbeitsmarkt zurück gefunden und insgesamt hat man heraus gefunden das die Menschen glücklicher, weniger gestresst und gesünder usw. waren. Wir haben eine Partei in Dänemark, die diesen Ansatz stark unterstützt ( Alternativet ) und ich denke, es ist eine spannende Idee. Für mich macht dieser Ansatz sehr viel Sinn.

Vielen Dank für das Interview.“

Das Interview führte M. Kruppe. Teil 1 des Interviews und vieles mehr finden Sie im „Outscapes“-Magazin #7 [Edition Outbird]. Bildnachweis: Christian Gundtoft.
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[ Preview ] Line Bogh „Like Fire Like Fire“ | Wanderung in eine andere Welt

Am 15. 09. 2017 erscheint das neue Album „Like Fire Like Fire“ der dänischen Songwriterin Line Bøgh, die seit mehr als zwei Jahren immer wieder erfolgreich durch Dänemark und Deutschland tourt. Musikalisch wird sie unterstützt von ihrer Schwester Johanne Bøgh (Drums, Keyboard, Ukulele, Gesang) und ihrem Schwager Rasmus Ploug (Gitarre). In dieser Formation ist das Trio seit 2015 unterwegs und zeigt sich dem Publikum in einer nahezu perfekten Symbiose. Wir sind uns sicher, dass von der sympathischen Dame aus Kopenhagen in nicht all zu ferner Zukunft auf dem internationalen Markt noch die Rede sein wird.

Mit „Like Fire Like Fire“ legt Musikerin Line Bøgh nun ein Album vor, das sich zwischen melancholischen Sphären und verspielten Arrangements bewegt ohne dabei aufdringlich zu wirken.

Schon mit ihrem Debut Album „Something else, something else and something else again“ weiß die in Kopenhagen lebende Songwriterin mit ihrer fragilen Stimme zu verzaubern. Schnell fühlt man sich wohl in ihrer musikalischen Welt, die in einer Atmosphäre vieler aufbrechender Emotionen liegt.

Mit dem ersten Titel des Albums Like Fire Like Fire umgarnt Line Bøgh den Zuhörer und begleitet ihn sanft in jene Welt, die man nun gern und ohne zu zögern betritt. Selbst, wenn die innere Stimme warnen würde, man lässt sich von der Dänin an der Hand nehmen und in sein Schicksal führen und sei es der tiefste Abgrund. Aber Line Bøgh ist keine Sirene, keine Banshee, kein Dämon… sie ist die Songwriterin mit der beeindruckend fragilen Stimme, die nach dem dunklen Weg in die Weite ihrer Musik mit Titel zwei des Albums den gelben Mond präsentiert, der gern für dieses noch wie ein musikalisches Mysterium wirkendes Gebilde zu thronen scheint.

„I now a place“ flüstert sie im dritten Song und nun zeigt sich die Pracht der versteckten Welt, des Avalons, das Line Bøgh einst in einer weichen Nacht erschaffen haben muss.

Weiter geht es, still, als wolle sie niemanden aufwecken. „Out of air“, ein Chorus flüstert mit. Spätestens jetzt ist man eingeweiht, fühlt sich willkommen von den Bewohnern dieser Welt. Line Bøgh hält noch immer zart die Hand des Zuhörers und lächelt zufrieden.

Airplanes, der wohl beste Song des Albums, liegt fast in dessen Mitte und erzählt von dem dem gefrorenen Rauch der Flugzeuge in der Luft. Die aufkommende Kühle kann auch „Shot for Sophie“ nicht wett machen. Jetzt liegt das Land düster, eine Melancholie legt sich wie feiner Nieselregen aufs Gemüt und die Tragik der jungen Sophie ergreift, macht traurig.

Tragisch klingt auch „The sun hangs on string“ und doch scheint Line Bøgh die Stimmung ihres Gastes bemerkt zu haben. Beinahe tröstend singt sie, die Musik hebt sich auf ein verspieltes Umgarnen, das zu sagen scheint: „komm schon, klar ist nich alles fein, aber morgen wird’s besser.“ Und doch zieht sich textlich die Melancholie weiter. Die Welt, durch die Line Bøgh den Zuhörer folgt ist weich, und dennoch düster. Sie fühlt sich gut an und tragisch zugleich. Aber immer ist es die Stimme der Sängerin, eben jene Fragilität, die eine Geschichte erzählt und trösten will. Wen, bleibt offen. Vielleicht sich selbst? Vielleicht uns, die wir ihr folgen, freiwillig und gern?

Die Backing Vocals von Johanne Bøgh ergänzen das Gesamtbild. Die Ehrlichkeit, die Nacktheit der Musik und die experimentellen Arrangements des Produzenten-Duos David Elberling und Rasmus Glendorf schürfen weitere Tiefen in diese Welt aus Wohlfühlen und mitleiden, aus diesem schon erwähnten, seltsam undefinierbaren Glücksgefühl und fesselnder Melancholie.

Musikalisch bietet sich diese Welt in Klavier und seichten Syntharrangements, ab und an begleitet von leisen Bläsern, Glockenspielen, Ukulele und Gitarre. Ein Genre, in das sich Line Bøgh einordnen lassen müsste, gibt so so richtig nicht. Zwischen Pop und dem für Singer/Songwriter typischen Klang, Einflüsse aus der dunklen Ecke des Gothic ist Like Fire Like Fire schwer zu verorten.

Zur Hörprobe – Singleauskopplung „Yellow Moon“:

Auch textlich erweist sich Line Bøgh als sensible Künstlerin. So entsteht beim Lesen des Inlets der Eindruck, es lägen Gedichte vor, die für sich allein stehen könnten. Feingeistig beleuchtete Momente einer Seele, die in ihrem englischen Klang auch der Härte der dänischen, oder deutschen Sprache entgehen.

Als Fazit lässt sich sagen, dass mit „Like Fire Like Fire“ ein weiteres wundervolles Album der dänischen Musikerin und ihrer Mitmusiker vorliegt, das an dieser Stelle jedem ans Herz gelegt sei.

Die Preview verfasste M. Kruppe; freuen Sie sich in der März-Ausgabe unseres „Outscapes“-Printmagazins auf das Interview mit Line Bogh.

Bildnachweise: Cover: Niklas Antonsson / Porträt: Marie Rosenberg