[ Interview ] Beating Signal | In keiner Schublade – Beating Signal weichen Genregrenzen auf

Beating Signal sind eine musikalische Formation, die einerseits geografisch nicht richtig zu verorten sind, andererseits auch musikalisch schwer in einer Schublade Platz finden. Die vier Jungs aus Dresden, Nordernham und Kassel halten sich auch nur ungern in einem Kasten auf, der sie zu kategorisieren versucht. Irgendwo zwischen neunziger Jahre Dancefloor, Dark Elektro und SynthiPop bewegt sich das Quartett, auch, wenn sie alle das alles ein bisschen anders sehen. OUTSCAPES hat Beating Signal einige Wochen vor ihrem Gig im Planetarium zu Jena (30. 10. 2017) über sich selbst, Auftritte, Kunst und die schwarze Szene befragt.

Hallo Jungs…

Ich durfte euch ja im letzten Jahr schon einmal live im Freiraum Pößneck erleben. Vornweg gesagt; ne coole Truppe, die musikalisch recht vielfältig ist. Aber dazu später mehr. Wenn ihr gefragt werdet, wer ihr seid, wie stellt ihr euch im Allgemeinen vor?

Ich bin Luca und bin zuständig für den instrumentalen Part aller Songs. Auf der Bühne wechsle ich zwischen Synthesizer und Gitarre.

Ich bin Basti, der Sänger und Texter von Beating Signal und komme aus Nordenham.

Mein Name ist Mick und ich übernehme das Management der Band. Derzeit wohne ich in der Nähe von Kassel.

Ich heiße Max, spiele den Livebassisten und komm aus Dresden.

Wenn ihr in so verschiedenen Teilen Deutschlands zu leben scheint, wie macht ihr das mit den Proben, mit dem Zusammenhalt innerhalb der Band?

Mik: Wir haben zuletzt im Sommer 2015 zu viert geprobt. Seitdem spielen wir das selbe Programm in verschiedenen Längen. Zuletzt beim Benefiz for Kids Festival in Magdeburg mit 5 Songs, nun in Jena werden wir mit 18 Stücken das bisher längste Set spielen. Aufgrunddessen, dass wir letztes Jahr sehr ausgedehnt auf Tour waren, war kein Probebedarf vorhanden. Lediglich für die ersten Songs des zweiten Albums (!) haben Luca und Basti in Nordenham geprobt, während Max sich das im Alleingang einverleibt. Der Zusammenhalt findet durch den fast täglichen Austausch auf WhatsApp statt, dadurch entsteht gar kein Abriss.

Wie habt ihr euch kennen gelernt?

Mick: Luca und ich „trafen“ uns 2010 in einem Rammstein-Fanforum und hielten den Kontakt über Skype. Bei meinem ersten Besuch in Nordenham lernte ich Basti kennen, der mit Luca für das damalige Bandprojekt proben wollte. Max kenne ich schon seit 2008 als wir noch gemeinsam in Freiburg wohnten, irgendwann hatte er Lust auf Liveauftritte und da seine damaligen Bands noch nicht soweit waren lud ich ihn zu einer unserer Proben ein.

Wie seid ihr dazu gekommen, euch musikalisch auszudrücken bzw. woher kommt die Ambition, Musik zu machen?

Luca: Woher die Ambition zur Musik bei mir genau kommt weiß ich gar nicht so wirklich. Ich glaube es liegt einfach in der Familie. Musik war daher schon immer ein Teil meines Lebens, seitdem ich denken kann. Angefangen selber Musik zu machen habe ich bereits im frühen Kindesalter mit Schlagzeug. Später folgten dann diverse andere Instrumente.

Basti: Wo meine musikalischen Ambitionen herkommen, weiß ich nicht. In der Familie liegt es jedenfalls nicht. Ich habe mit 12 Jahren angefangen, Akustikgitarre zu lernen und das war der Ursprung für die Freude an der Musik, denke ich. Dann irgendwann bin ich zur E-Gitarre gewechselt, und ein bisschen später erlernte ich noch ein wenig das Schlagzeugspielen. Aber als richtigen Sänger habe ich mich nie gesehen, ich wollte bloß immer einer werden, und bin es gefühlt heute nichtmal richtig (haha).

Mick: Bei dieser Frage muss ich immer lächeln, da ich früher nicht die Muße hatte ein Instrument zu erlernen und nun fehlt mir leider die Zeit. Allerdings bin ich mit Luca schon seit nun fast acht Jahren befreundet und durfte damals schon seinen musikalischen Tätigkeiten mit Basti beiwohnen. Nach mehreren Projekten kam irgendwann Beating Signal ans Licht und ich organisierte kurzerhand den zweiten öffentlichen Auftritt im Hamburger Logo. Anschließend wurde mir nicht nur das allgemeine Management und Booking anvertraut, sondern ich wurde als festes Livemitglied eingestellt um die Sequenzen und den visuellen Aspekt unserer Show zu steuern. Zusätzlich achtet der Rest darauf, dass meine Stimme auf der Bühne möglichst stumm bleibt.

Max: Als ich 16 war habe ich mich oft gelangweilt; da dacht‘ ich mir dann, fang doch an Musik zu machen – und es hat ziemlich gebockt. Ich mache Musik tatsächlich nicht, um irgendetwas auszudrücken – ich kann mich schon ganz gut artikulieren und verständigen. Ich habe auch nicht das Bedürfnis irgendjemanden mit meiner Kunst irgendwie erreichen zu müssen. Ich mach Musik nur für mich.

Wer sind eure Einflussgeber? Liegen die allein in der Schwarzen Szene?

Luca: Mich inspiriert immer das, was ich gerade höre bzw. erlebe/durchlebe.

Basti: Meine Einflüsse für diese Band liegen teils in der schwarzen Szene, zumindest was die tiefen Stimmlagen betrifft. Mit den höheren Tönen richte ich mich eigentlich nach niemandem, es muss nur zum jeweiligen Song passen. Natürlich habe ich ein paar stimmliche Vorbilder wie zum Beispiel Chris Corner (IAMX), Jared Leto (30 Seconds To Mars) oder Marilyn Manson.

Das OUTSCAPES Magazin ist ja nun kein Gothik-Magazin. Habt ihr weitere Einflüsse (falls oben nicht schon die Antwort steht) bzw. habt ihr einen Hang zur schwarzen Szene und wenn ja, wo kommt der her?

Mick: Grundsätzlich gefällt mir vielerlei aus der schwarzen Szene, sowohl Musik und deren Texte als auch die Ästhetik. Zur schwarzen Szene kam ich als ich anfing Rammstein für mich zu entdecken und zu einer wahren Leidenschaft wurde.

Luca: Ich mag die Musik der schwarzen Szene, jedoch bin ich was andere Genres angeht absolut offen für alles und vorallem auch immer offen für Neues. Somit reicht mein Musikgeschmack von der schwarzen Szene über Metal, bis hin zu Hip Hop oder RnB.

Basti: Für neuere Songs sind teilweise sogar Rap-Einflüsse geplant, bzw. schon halbwegs im Spiel.

Max: Ich bin das schwarze Schaf der Band: Mit der schwarzen Szene hab‘ ich nichts am Hut. Es gibt vielleicht zwei oder drei Bands, die wiederum zwei bis drei Songs haben, die mir dann gefallen. Meine Einflüsse sind Punk, progressive Rock, Blues, Pop oder so.

Seht ihr euch als Teil dieser Szene und wenn ja, warum?

Luca: Jein. Einerseits schon, weil unsere Musik größtenteils das Publikum der schwarzen Szene anspricht. Andererseits stecke ich mich ungerne in eine gewisse Schublade. Sowohl auf die Band als auch auf mich persönlich bezogen, da ich gerne auch mal über den Tellerrand hinaus schaue.

Basti: Ich würde grob gesagt schon behaupten, dass wir Teil der schwarzen Szene sind, allerdings ist unsere Musik auch außerhalb der Szene hörbar, im Gegensatz zu dem härteren Hell-Electro oder Aggrotech-Zeugs. Zwar klingt unsere Musik eher düster als fröhlich, aber dennoch wurden wir schon mehrmals von Nicht-Szene-Angehörigen gefeiert, was mich natürlich sehr gefreut hat.

Max: Is mir egal zu welcher Szene wir gehören.

Mick: Nein, ich fühle mich generell keiner Szene gehörig. Allerdings fühle ich mich in dieser am Wohlsten.

Ich sagte es ja vorhin schonmal: Eure Musik ist zwar vorwiegend elektronisch, aber dennoch recht breit gefächert. Wie würdet ihr selbst eure Musik beschreiben?

Basti: Ich beschreibe unsere Musik immer am liebsten als Gothic-Pop, weil es das Dunkle und das poppig-elektronische relativ einfach in einem Namen vereint.

Mick: Das finde ich immer recht schwer, aber wir haben uns auf die Bezeichnung „Dark Electro Pop“ geeinigt und das fasst es ganz gut zusammen: Dunkler, elektronischer Pop.

Luca: Dunkler facettenreicher Electro Pop, der zum Tanzen einlädt.

Max: Elektronischer tanzbarer Hüpfburg-Metal-Rock-Darkpop.

Die Palette der Einflüsse ist ja recht breit. Ist man dann mit einem Bandprojekt zufrieden, oder habt ihr Nebenprojekte?

Max: Derzeit nicht.

Basti: Zufrieden ist man eigentlich nie zu 100%, es gibt, bei mir zumindest, immer noch andere Musikrichtungen, die man gerne ebenfalls machen würde. Aber für meine eigene musikalische Kreativität habe ich ein Projekt namens „Three Nil Three“, mit dem es allerdings recht schleppend voran geht, da ich nicht der fleißigste oder begabteste Songwriter bin. Dennoch füllt es ein gewisses Loch und man hat etwas, in das man sämtliche andere Ideen einbringen kann. (Es ist auch eine Single „Pull me up again“ auf dem Markt – Schleichwerbung dumdidumdidumm..) http://threenilthree.bandcamp.com

Luca: Ich habe neben Beating Signal noch mein Soloprojekt „U-Manoyed“, welches musikalisch eine ähnliche Richtung einschlägt. Da ich für dieses Projekt auch den gesanglichen Teil übernehme, ist es perfekt um mich noch zusätzlich ein wenig mehr auszuleben.

Mick: Wie auch bei Beating Signal unterstütze ich Luca für U-Manoyed sowohl auf der Bühne als auch beim Booking und Management. http://u-manoyed.bandcamp.com

Gibt es denn schon ein Album auf Platte oder CD? Oder gar mehrere? Habt ihr ein Label bzw. wo seid ihr raus gekommen?

Mick: Leider noch nicht, aber wir sind dran! Wir arbeiten zurzeit noch an unserem ersten Album, was sich leider etwas hinzieht. Die 13 Songs sind schon fertig und müssen nur noch nachproduziert werden, da manche schon 4 Jahre alt sind. Wir hoffen, damit bis zum Frühjahr 2018 fertig zu sein.

Luca: Bisher gibt es nur eine EP und eine Single. Letztere namens „Captured Life“ liegt allerdings mittlerweile bereits 3 Jahre zurück, aber ist im Internet und als CD bei uns erhältlich.

Basti: Ein Label haben wir nicht, da wir uns im Kollektiv dagegen entschieden haben. Es gäbe Zeitdruck bei der Produktion von Alben, Singles oder EPs, da Plattenfirmen immer Deadlines für Releases setzen. Und der Preis für freie Promotion ist oft sehr teuer.

Max: Ich glaube ein Album ist in Planung.

Nun führt euch euer Tourweg am 30.10.17 nach Jena. Warum ausgerechnet Jena und wie kam es zu dem Gig im Planetarium?

Basti: Wie es zu diesem Gig in Jena kam? Keine Ahnung, er war einfach da. Wie es genau dazu kam weiß ich gar nicht mehr.

Luca: Ich weiß nur dass es durchaus ein besonderer Gig in unserer Bandgeschichte wird und man diesen Event daher nicht verpassen sollte. Mick kümmert sich um das Organisatorische, der kann diese Frage vermutlich am besten beantworten.

Max: Stimmt eigentlich; warum spielen wir eigentlich in einem Planetarium Mick?

Mick: Im Grunde genommen habe ich mir im Winter 2015 vorgenommen mehrere hundert Locations anzuschreiben, die ich vorher aus jeglichen Gig-Listen von anderen Szenebands gesammelt habe. Unter den Rückmeldungen befand sich der sehr interessierte Veranstalter des Zeiss-Planetariums in Jena, welche ich anfragte, da Staubkind dort schon spielten. Nachdem wir uns letztes Jahr dann persönlich trafen kam die konkrete Planung langsam zustande, da man diese riesige Kuppel natürlich in die Show einbeziehen werde. Es wird definitiv ein unvergessliches Ereignis für uns werden. Tickets gibt es vor Ort bei der Touristeninformation in Jena und selbstverständlich auch beim Planetarium, sowie online auf deren Homepage. Als Vorband dient aus logistischen Gründen unser erwähntes Nebenprojekt U-Manoyed.

Ich weiß auch, dass hinter euch schon so etwas wie ein kleines Netzwerk an Bands steht. Wie kommt das?

Luca: Naja, man spielt halt mit anderen Bands zusammen einen Gig und kommt ins Gespräch. Da die Szene recht überschaubar ist, geht es an sich relativ schnell sich ein kleines Netzwerk auf zu bauen. Wenn man dazu noch öfter mal den ein oder anderen Auftritt hat, geht das natürlich umso schneller. Beispielsweise verstehen wir uns mit der Band „Alienare“ sehr gut und haben schon mehrere Auftritte mit ihnen zusammen gespielt.

Mick: Tim von Alienare suchte ursprünglich eine Vorband, wir sagten zu und er trat plötzlich als Vorband auf, da wir das längere Set hatten. Allein diese Großzügigkeit erlebt man viel zu selten. Das hat mich motiviert seine Band uneingeschränkt zu empfehlen; in den kommenden Jahren sollten noch weitere Bands folgen.

Basti: Aber leider macht man natürlich nicht nur positive Erfahrungen wie mit Alienare, sondern es entpuppt sich auch mal jemand im Nachhinein als Griff ins vollgeschissene Klo. Aber das lässt sich nicht vermeiden, solche Leute gibt’s immer.

War nicht auch einmal die Rede von einer kleinen Booking-Agentur?

Luca: Wir arbeiten nun schon seit einer Weile mit R.A.U. Entertainment zusammen. Dahinter steckt ein befreundeter Musiker, der sich nach und nach seine kleine Agentur aufbaut mit einem Pool aus verschiedenen Newcomer-Bands. Tolle Sache!

Mick: Richtig, Tim betreibt R.A.U. Entertainment. Mit diesem Namen organisiert er Konzerte, kleine Festivalreihen und vertreibt auf eigene Faust seine Musik. Unser Debutalbum „Time for Reality“ wird demnach auch über ihn veröffentlicht werden.

Welche Rolle spielt Kunst und Kultur in eurem Leben? Lest ihr, seht ihr euch Ausstellungen an? Seid ihr, abgesehen von der Musik, künstlerisch aktiv?

Basti: Ich gehe weder auf Kunstausstellungen, noch lese ich irgendwelche Bücher. Allerdings zeichne ich manchmal gerne für mich selber, meistens irgendwelche Motive, die ich selbst fotografiert habe.

Luca: Ich bin, wie schon bei der zweiten Frage gesagt, sehr weltoffen. Nicht nur auf Musik bezogen, sondern auf alles was irgendwie mit Kunst im Zusammenhang steht. Zwar bin ich kein Mensch der jede Woche mehrere Bücher liest oder regelmäßig Kunstausstellungen besucht, jedoch bin ich nie abgeneigt. Es kommt immer drauf an.

Mick: Weltoffenheit ist das Stichwort, ich bevorzuge keinen bestimmten Kulturkreis oder eine Kunstform. Gemälden oder abstrakter Kunst in jeglicher Form kann ich meist nichts abgewinnen, jedoch interessiert mich meist Architektur oder Lyrik. Selber schreibe ich ab und an mal ein paar kurze Texte nieder.

Max: An Kunst gefällt mir, was dahinter steckt – die Motivation. Wenn ich mich vor ein Bild stelle langweilt es mich. Wenn das Bild aber eine Story hat, die mich bewegt, dann bin ich beeindruckt von der Kunst. Ich war zum Bespiel letztens in Paris im Louvre und es war stellenweise sehr langweilig, allerdings gibt dort Werke wie „le radeau de la méduse“, das eigentlich kein schönes Gemälde ist, der Anlass des Künstler aber, dieses Bild zu malen, einen sehr mitreißenden und interessanten Hintergrund hat. Jetzt hängt es in meinem Zimmer. Also eine Kopie.

Wo und wie kann man euch buchen, falls es den mindestens tausend Leuten im Planetarium gefallen sollte und sie mehr von euch sehen wollen?

Basti: Entweder, man spricht uns nach dem Konzert in Jena direkt an und tauscht Nummern aus, oder man kontaktiert unsere Facebook-Seite um dann alles weitere zu besprechen, wo wir immer so schnell wie möglich persönlich antworten. Wir freuen uns natürlich auch immer über konstruktive Kritik.

Mick: Bei unseren Konzerten verteilen wir mehrere unserer zehntausend Aufkleber; sie dienen als Visitenkarte, auf denen steht die Adresse unserer Homepage, die alle möglichen Infos und Kontaktmöglichkeiten beinhält. Mundpropaganda und Empfehlungen bei entsprechenden Veranstaltungen sind für uns bisher auch immer hilfreich gewesen.

Max: Einfach Mick anrufen: 0176 53607465

Vielen Dank für das Interview.

Bildnachweise: Estra Dragon / Steph Lensky
_____________________________________________________________________________________

[ Preview ] Line Bogh „Like Fire Like Fire“ | Wanderung in eine andere Welt

Am 15. 09. 2017 erscheint das neue Album „Like Fire Like Fire“ der dänischen Songwriterin Line Bøgh, die seit mehr als zwei Jahren immer wieder erfolgreich durch Dänemark und Deutschland tourt. Musikalisch wird sie unterstützt von ihrer Schwester Johanne Bøgh (Drums, Keyboard, Ukulele, Gesang) und ihrem Schwager Rasmus Ploug (Gitarre). In dieser Formation ist das Trio seit 2015 unterwegs und zeigt sich dem Publikum in einer nahezu perfekten Symbiose. Wir sind uns sicher, dass von der sympathischen Dame aus Kopenhagen in nicht all zu ferner Zukunft auf dem internationalen Markt noch die Rede sein wird.

Mit „Like Fire Like Fire“ legt Musikerin Line Bøgh nun ein Album vor, das sich zwischen melancholischen Sphären und verspielten Arrangements bewegt ohne dabei aufdringlich zu wirken.

Schon mit ihrem Debut Album „Something else, something else and something else again“ weiß die in Kopenhagen lebende Songwriterin mit ihrer fragilen Stimme zu verzaubern. Schnell fühlt man sich wohl in ihrer musikalischen Welt, die in einer Atmosphäre vieler aufbrechender Emotionen liegt.

Mit dem ersten Titel des Albums Like Fire Like Fire umgarnt Line Bøgh den Zuhörer und begleitet ihn sanft in jene Welt, die man nun gern und ohne zu zögern betritt. Selbst, wenn die innere Stimme warnen würde, man lässt sich von der Dänin an der Hand nehmen und in sein Schicksal führen und sei es der tiefste Abgrund. Aber Line Bøgh ist keine Sirene, keine Banshee, kein Dämon… sie ist die Songwriterin mit der beeindruckend fragilen Stimme, die nach dem dunklen Weg in die Weite ihrer Musik mit Titel zwei des Albums den gelben Mond präsentiert, der gern für dieses noch wie ein musikalisches Mysterium wirkendes Gebilde zu thronen scheint.

„I now a place“ flüstert sie im dritten Song und nun zeigt sich die Pracht der versteckten Welt, des Avalons, das Line Bøgh einst in einer weichen Nacht erschaffen haben muss.

Weiter geht es, still, als wolle sie niemanden aufwecken. „Out of air“, ein Chorus flüstert mit. Spätestens jetzt ist man eingeweiht, fühlt sich willkommen von den Bewohnern dieser Welt. Line Bøgh hält noch immer zart die Hand des Zuhörers und lächelt zufrieden.

Airplanes, der wohl beste Song des Albums, liegt fast in dessen Mitte und erzählt von dem dem gefrorenen Rauch der Flugzeuge in der Luft. Die aufkommende Kühle kann auch „Shot for Sophie“ nicht wett machen. Jetzt liegt das Land düster, eine Melancholie legt sich wie feiner Nieselregen aufs Gemüt und die Tragik der jungen Sophie ergreift, macht traurig.

Tragisch klingt auch „The sun hangs on string“ und doch scheint Line Bøgh die Stimmung ihres Gastes bemerkt zu haben. Beinahe tröstend singt sie, die Musik hebt sich auf ein verspieltes Umgarnen, das zu sagen scheint: „komm schon, klar ist nich alles fein, aber morgen wird’s besser.“ Und doch zieht sich textlich die Melancholie weiter. Die Welt, durch die Line Bøgh den Zuhörer folgt ist weich, und dennoch düster. Sie fühlt sich gut an und tragisch zugleich. Aber immer ist es die Stimme der Sängerin, eben jene Fragilität, die eine Geschichte erzählt und trösten will. Wen, bleibt offen. Vielleicht sich selbst? Vielleicht uns, die wir ihr folgen, freiwillig und gern?

Die Backing Vocals von Johanne Bøgh ergänzen das Gesamtbild. Die Ehrlichkeit, die Nacktheit der Musik und die experimentellen Arrangements des Produzenten-Duos David Elberling und Rasmus Glendorf schürfen weitere Tiefen in diese Welt aus Wohlfühlen und mitleiden, aus diesem schon erwähnten, seltsam undefinierbaren Glücksgefühl und fesselnder Melancholie.

Musikalisch bietet sich diese Welt in Klavier und seichten Syntharrangements, ab und an begleitet von leisen Bläsern, Glockenspielen, Ukulele und Gitarre. Ein Genre, in das sich Line Bøgh einordnen lassen müsste, gibt so so richtig nicht. Zwischen Pop und dem für Singer/Songwriter typischen Klang, Einflüsse aus der dunklen Ecke des Gothic ist Like Fire Like Fire schwer zu verorten.

Zur Hörprobe – Singleauskopplung „Yellow Moon“:

Auch textlich erweist sich Line Bøgh als sensible Künstlerin. So entsteht beim Lesen des Inlets der Eindruck, es lägen Gedichte vor, die für sich allein stehen könnten. Feingeistig beleuchtete Momente einer Seele, die in ihrem englischen Klang auch der Härte der dänischen, oder deutschen Sprache entgehen.

Als Fazit lässt sich sagen, dass mit „Like Fire Like Fire“ ein weiteres wundervolles Album der dänischen Musikerin und ihrer Mitmusiker vorliegt, das an dieser Stelle jedem ans Herz gelegt sei.

Die Preview verfasste M. Kruppe; freuen Sie sich in der März-Ausgabe unseres „Outscapes“-Printmagazins auf das Interview mit Line Bogh.

Bildnachweise: Cover: Niklas Antonsson / Porträt: Marie Rosenberg

Layout als Passion | Don Stummel

Don Stummel alias Denny Müller aus Ranis wird heute im „Outbird“-Kurzinterview #5 von M. Kruppe und Tristan Rosenkranz als Layouter unseres „Outscapes“-Magazins vorgestellt, aufgenommen am Rande der 20. Thüringer Autorentage auf Burg Ranis. Und damit hinterfragt und beantwortet, was ihn umtreibt, die mit jedem Magazin anliegenden unzähligen Korrekturen und Änderungen auszuhalten, welche Rolle er als Merchandizer für die Oi-Punk – Band „Verfolgungswahn“ spielt und was er darüber hinaus noch mit seinem Potential anfängt. Cooler Typ!

Und selbstverständlich darf unser „YouTube“-Kanal gern abonniert werden.

Vom ewigen Neulandhunger | M. Kruppe

Spätestens mit unserem ersten „Edition Outbird„-Buch „Von Sein und Zeit“ wurde uns bewusst, dass bis jetzt noch kein Interview mit einem der treibenden Energien hinter dem „Outbird„-Netzwerk, M. Kruppe, vorliegt. Weshalb dem hier und jetzt abgeholfen und mit Antworten zu seiner Intention und seinem Antrieb hinter und für „Outbird“ begegnet wird. Und wer ganz nebenbei unseren „YouTube“-Kanal abonnieren möchte: herzlich willkommen!

Wir wünschen viel Vergnügen und eine aufschlussreiche Videoschau.

M. Kruppe „Ein Abend im Frühling“

Die Idee zum jüngst (nebst unserer Printmagazine) im Eigenverlag „Edition Outbird“ erschienenen Buch „Von Sein und Zeit“ des Pößnecker Autoren und (Literatur)Veranstalters M. Kruppe sowie des Saalfelder Künstlers Stefan Jüttner erwuchs aus langen Vorplanungen M. Kruppes zu seinem nächsten Manuskript. Entstanden ist anstelle des bisher unveröffentlichten „Vom Kaff der guten Hoffnungen“ das erste Buch unter unserem Eigenlabel, und damit ein kleines, feines Konvolut mit naturalistischen, philosophischen, ebenso nachdenklichen und emotionalen wie auch gelösten Texten, die in ihrer Skepsis und stoischen Lebensbejahung zwangsläufig eine Einheit mit Stefan Jüttners surrealistisch zeitlosen, morbide suchenden oder einfach nur stillstehenden Arbeiten eingehen musste.

Einen Einblick erhalten Interessenten dieses kleinen Leseschatzes mit vorliegendem Video, in dem M. Kruppe mit „Ein Abend im Frühling“ einen seiner gelungensten Texte vorträgt. Wir wünschen viel Vergnügen!

Lyrik zwischen Sensibilität + Melancholie | Jean Francois

Die Nummer 2 der von uns vorgestellten Outbirdler ist hier und jetzt der ausgesprochen sympathische Pößnecker Musiker, Lyriker und Outbirdsche Hoffnungsträger Jean Francois. Was ist sein Antrieb, was sein Herzblut? Das von M. Kruppe geführte, etwas über zehnminütige Interview gibt Antworten und schließt mit einem Song aus Jean Francois´ Repertoire als Songwriter ab.

Outbird – vom Urfunke zum Jetzt

Die Idee hinter „Outbird“ und dessen Magazin „Outscapes“ mäandert(e) schon seit etlichen Jahren im Hinterkopf des Geraer Autoren Tristan Rosenkranz herum. Um tatsächlich erst an dem Punkt das Licht der Welt zu erblicken, als die Zeit reif war. „Outbird“ ist allerdings in der Form ohne das Herzblut, den Ehrgeiz und das umfassende Netzwerk des Pößnecker Autoren und (Literatur)Veranstalters M. Kruppe nicht vorstellbar (beide lernten sich irgendwo zwischen 2015 und 2016 kennen, um auf der Leipziger Messe einen Pakt zu schließen). Und weil das „Outscapes“-Onlinemagazin Menschen sichtbar machen möchte, interviewt M. Kruppe auf unserem YouTube-Kanal Tristan Rosenkranz, um dessen Beweggründe, Einflüsse und Ideen zu hinterfragen.